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(Foto: picture alliance / dpa)

Syrien-Geberkonferenz in London: "Ein Tropfen auf den heißen Stein"

"Noch nie wurde so viel Geld an einem Tag für eine einzelne Krise gesammelt", feiert Ban Ki Moon das Ergebnis der Syrien-Geberkonferenz. Mindestens neun Milliarden Euro will die Weltgemeinschaft an Hilfsorganisationen zahlen. Die Presse hofft, dass auf Worte auch Taten folgen.

"Noch nie wurde so viel Geld an einem Tag für eine einzelne Krise gesammelt", feiert UN-Generalsekretär Ban Ki Moon das Ergebnis der Syrien-Geberkonferenz in London. Mindestens neun Milliarden Euro will die Weltgemeinschaft an Hilfsorganisationen zahlen und somit den notleidenden Bürgerkriegsflüchtlingen helfen. Die Presse hofft, dass auf Worte auch Taten folgen.

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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung lobt die Spendierfreudigkeit der teilnehmenden Nationen: "In diesem Jahr brauchen die UN-Organisationen drei Mal mehr Geld als 2015. Die Chance ist dennoch groß, dass die Geber diesmal tatsächlich liefern. Denn die Erkenntnis setzt sich durch, dass ein Euro, der in der Region ausgegeben wird, um Flüchtlinge zurückzuhalten, hierzulande drei Euro spart." Zu Recht habe die Geberkonferenz in London darauf hingewiesen, dass die finanziellen Zusagen keine politische Lösung des Krieges in Syrien seien. Und weiter: "Geberkonferenzen lindern menschliches Leid, sie schaffen aber keinen Frieden. Doch gleich zu Beginn ist auch der dritte Anlauf seit 2012, in Genf für Syrien einen politischen Übergang anzustoßen, wieder vertagt worden, weil das syrische Regime seine Bedingungen diktieren will. Den Preis für diese Verhandlungsunwilligkeit zahlen alle."

Die Wetzlarer Zeitung äußert Bedenken darüber, ob die Hilfen auch da ankommen, wo sie benötigt werden: "Annähernd die Hälfte der rund 24 Millionen zählenden Bevölkerung befindet sich auf der Flucht. Ihnen in den ungezählten Flüchtlingslagern wenigstens mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft zu helfen, ist zweifellos die Pflicht der Staatengemeinschaft, die sich in London zur Syrien-Geberkonferenz getroffen hat. Dass Deutschland hier - nicht zuletzt angesichts der Flüchtlingskrise im eigenen Land - mit gutem Beispiel und einer Milliardensumme vorangeht, ist sicher lobenswert. Doch selbst, nachdem nun zehn Milliarden Dollar an Hilfsgeldern zusammengekommen sind, müssen noch tragfähige Strukturen geschaffen werden, damit die Flüchtlinge in den Genuss der Hilfe kommen." Und auch dann werde es ein Tropfen auf den heißen Stein sein, befürchtet die Zeitung.

Diese Meinung teilen auch die Nürnberger Nachrichten: "Ob die nun auf der Geberkonferenz in London zugesagten Milliardenbeträge ausreichen, ist zweifelhaft. Die Erfahrung der letzten Geberkonferenz zeigt zudem, dass viele der Hilfsgelder nie ausgezahlt wurden." Sollte sich das wiederholen, dürfe sich hinterher niemand darüber wundern, falls die Zahl der Flüchtlinge, die auch in diesem Jahr nach Europa aufbrechen, erneut die Millionengrenze übersteige, mahnt das Blatt.

Deutliche Worte findet auch die Schwäbische Zeitung: "Wenn eine Nation Hilfe verdient, dann die syrische. Über Jahrzehnte haben der syrische Staat und syrische Bürger Hunderttausende Flüchtlinge aufgenommen. Diese Nation hat sich um Menschen auf der Flucht verdient gemacht." Das viele Geld werde aber nur dann wirken können, wenn es auch eine politische und eine militärische Lösung für Syrien gebe, betont das Blatt und weiter: "Jordaniens König Abdullah hat vor wenigen Tagen einen Vorgeschmack auf die Herausforderungen der Zukunft gegeben: In Jordanien mischten sich immer wieder Terroristen des Islamischen Staates unter die Flüchtlinge und versuchten, sein Land zu destabilisieren. Auch darum kann die finanzielle Unterstützung aus London nur ein Anfang sein."

Die Stuttgarter Zeitung hat sich konkret überlegt, wie die Milliardenhilfen am besten einzusetzen seien: "Da ist zum einen viel Aufklärungsarbeit über die geringen Bleibechancen für Flüchtende zu leisten. Noch viel mehr muss getan werden, um die zum Teil desaströsen Umstände vor Ort zu verbessern. Auch wenn das keine Maßnahme ist, die schnelle Erfolge zeigt."

Zusammengestellt von Lara Dalbudak

Quelle: n-tv.de

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