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Neue Stromtrassen sollen Windstrom vom Norden in den Süden transportieren.
Neue Stromtrassen sollen Windstrom vom Norden in den Süden transportieren.(Foto: dpa)

Entscheidung zum Stromnetzausbau: "Energiewende scheint klinisch tot"

In einem Versuch die Energiewende voranzubringen, beschließt die Bundesregierung einen bundesweiten Stromnetzausbau. Insgesamt 2800 Kilometer Stromautobahn sind geplant, um den Anforderungen der Windenergie gerecht werden zu können. Auch Eigenheimbesitzer, die ihr Gebäude energieeffizienter machen, werden bezuschusst. Ein Expertengremium zeigt sich kritisch und sieht Nachholbedarf bei den Themen Energieeffizienz und Versorgungssicherheit. Die Presse diskutiert:

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Die Landeszeitung zur Energiewende: "Der Zeitpunkt für eine beherzte  Reanimierung hätte nicht besse r gewählt werden können: Eineinhalb Jahre nach ihrer Ausrufung scheint die Energiewende klinisch tot zu sein. Die Klimaschutzziele rücken in immer weitere Ferne. Die Blackout-Gefahr im Winter wächst. Hohe Strompreise untergraben die Akzeptanz. Die Hauptressource – Energie sparen – bleibt weitgehend ungenutzt. Doch Timing ist in der Politik nicht alles. Die neuen Maßnahmen des Bundeskabinetts reichen nicht aus, um das Herz der Energiewende kräftig schlagen zu lassen. Die beschlossene Aufstockung der Mittel für die Dämmung von Gebäuden ist nur dürftiges Feigenblatt gegen die Kälte berechtigter Kritik."

"Für die Beantwortung der Kernfragen der Energiewende hat die Bundesregierung noch keine Lösung, so viel wird aus dem Monitoringbericht deutlich", schreibt die Welt und fügt hinzu: "Der Aufbruch des uferlos gewordenen Subventionssystems; die Synchronisation von erneuerbaren Energien, konventionellen Kraftwerken und Speichern; die Koordination der Bundesländer: Im Griff hat die Regierung den Umbau der Energieversorgung noch lange nicht."

Die Stuttgarter Zeitung äußert sich weniger kritisch gegenüber der Bundesregierung: "Die Energiewende erfordert hohe Investitionen in die Netze, um den Ökostrom dahin zu bringen, wo er gebraucht wird. Es ist zu begrüßen, dass die Bundesregierung dieses Problem endlich erkannt hat und beim Bau neuer Stromautobahnen aufs Tempo drückt. Ob sich die ambitionierten Zeitpläne einhalten lassen, wird auch davon abhängen, ob die künftigen Anwohner der neuen Trassen mitziehen. Investoren dürften jedenfalls nicht allzu schwer zu finden sein. Ihnen winken bei überschaubaren Risiken hohe Renditen, die weit über denen anderer Anlageformen liegen."

"Bei der Erzeugung von grünem Strom mag der Nordwesten sich als Vorreiter rühmen", kommentiert das Delmenhorster Kreisblatt, mahnt jedoch: "Dies ist jedoch nur der erste Schritt. Schließlich muss dieser auch zuverlässig bei den Bürgern ankommen - und zwar auch in Süddeutschland. Der zwingend notwendige Erfolg des Projekts lässt sich schließlich nur auf nationaler Ebene messen. Dass das Kabinett jetzt den Bau neuer Stromautobahnen beschlossen hat, ist daher kaum mehr als Formsache. Messen lassen muss sich die Politik am Tempo, mit dem dieser Beschluss in die Tat umgesetzt wird."

Das Mindener Tageblatt warnt die Bundesregierung, beim Thema Energiewende nicht ihre Gestaltungskraft zu verlieren: "Fukushima war nur der letzte Weckruf, die Energiewende - die ja weit mehr Aspekte als die Ablösung der Atomkraft hat - war auch vorher schon nötig. Mit welchen Konsequenzen sie verbunden ist, müssen die Menschen nun aber Tag für Tag schmerzhafter lernen. Noch ist die Folgebereitschaft vorhanden. Je tiefer jedoch sich die Politik im gewohnten Stellungskrieg einrichtet, desto mehr setzt sie ihre Führungsfähigkeit aufs Spiel. Die aber wird sie noch dringend brauchen."

Quelle: n-tv.de

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