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Für den Ex-Radsport-Profi Riccardo Ricco bleibt Armstrong ein "Phänomen", für die Presse ist er ein "Lügner".
Für den Ex-Radsport-Profi Riccardo Ricco bleibt Armstrong ein "Phänomen", für die Presse ist er ein "Lügner".(Foto: picture alliance / dpa)

Doping-Beichte von Lance Armstrong: "Er war der schlimmste Lügner"

Eigentlich hat es ja jeder gewusst: Lance Armstrong hat gedopt. Bisher hat es der "Tourminator" allerdings nie zugegeben. Im US-Fernsehen legte er nun eine, seine Doping-Beichte ab. Bei Oprah Winfrey gesteht er, seit Mitte der 1990er Jahre leistungsfördernde Mittel benutzt zu haben. Für n-tv.de ist das keine Überraschung, denn Armstrong weiß, was er tut: Er hofft, mit einer geringeren Doping-Sperre davon zu kommen, schreibt Jan Gänger.

Auch für die Leipziger Volkszeitung steckt hinter Armstrongs Beichte knallhartes Kalkül: "Wie alle Lügner vor ihm dürfte er auf eine mildere Strafe hoffen, Armstrong habe alle belogen, "die seine Geschichte von der Auferstehung des Krebskranken zum Radsporthelden geglaubt haben und daraus Hoffnung für ihr eigenes Schicksal geschöpft haben." Für das Blatt ist klar: "Armstrong war nicht der einzige Lügner, aber er war der schlimmste."

"Lance Armstrong wollte nicht bloß der Beste sein, sondern der am besten Gedopte", kommentiert der Tagesspiegel. In seine Betrugspraktiken habe er mehr Geld investiert als vermutlich alle seine Konkurrenten.

Für die Welt ist das Geständnis zumindest eine kleine Überraschung. "Nachdem er weit mehr als ein Jahrzehnt lang gelogen und abgestritten und all jene attackiert hatte, von denen er als Betrüger bezeichnet worden war, hat sich Lance Armstrong nun also doch zu einem Dopinggeständnis durchgerungen", heißt es. Zu evident seien die Vorwürfe gegen den vermeintlich größten Radsportler der Historie am Ende gewesen, minutiös dokumentiert auf gut 1000 Seiten Belastungsmaterial der US-Antidopingagentur.

Als ein Geschenk für den Radsport, sehen die Kieler Nachrichten das Geständnis Armstrongs nicht, allenfalls ein letzter Dienst, den er jenem Metier erwiesen hat: "Denn über den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger ist im Grunde schon fast alles gesagt. Von ausgestiegenen Teamkollegen, die das 'System Armstrong' in Büchern oder gegenüber der Anti-Doping-Agentur der USA detailliert beschrieben haben." Armstrong habe "mit seiner Beichte nichts anderes getan, als jeder in die Enge getriebene Sünder, der hinter sich nur noch eine nackte Wand fühlt. Ein Mea culpa, das keine Anerkennung verdient."

Auch für die Eßlinger Zeitung hat Armstrong "keinen Respekt verdient" - für sein Geständnis, das ihn zwar Millionen seines Vermögens kosten werde, ihn aber trotzdem nicht zum armen Mann machen werde. Armstrong habe es vielmehr versäumt, Sympathiepunkte zu sammeln und als künftiger Kämpfer gegen den Doping-Sumpf aufzutreten.

"Lance Armstrong will kein Täter sein, sondern ein Opfer. Ein kleines Rädchen in der übermächtigen Maschinerie", kommentiert die Nürnberger Zeitung. Denn für diese - ebenso wie für reuige Sünder - hätten die Amerikaner ein besonderes Plätzchen in ihren Herzen frei.

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Quelle: n-tv.de

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