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Deutsche Bischofskonferenz in Trier
Deutsche Bischofskonferenz in Trier(Foto: picture alliance / dpa)

Bischöfe billigen Pille danach: "Es braucht mehr gute Taten"

Unter einem strikten Vorbehalt dürfen katholische Krankenhäuser vergewaltigten Frauen die "Pille danach" empfehlen und verschreiben. So reagiert die Bischofskonferenz auf den Skandal rund um eine 25-Jährige, die von zwei kirchlichen Häusern abgewiesen wurde. Die Presse zeigt sich skeptisch.

Die Kieler Nachrichten fragen sich: "Ist das der Beginn einer Einsicht, die weiter trägt?" Das Blatt versucht darauf aufmerksam zu machen, dass Verbote der Kirche den Leidensdruck für viele Menschen vergrößern. "Geschiedene leiden unter der Trennung, Frauen unter der Abtreibung ungeborenen Lebens, Eltern unter dem unerfüllten Kinderwunsch, Homosexuelle unter Benachteiligung." Laut dem Blatt wäre es ein Segen für Menschen, die religiös sind, mit der Kirche aber fremdeln, wenn die Institution endlich einsähe, mit seelischem Beistand aktiv helfen zu können, nicht mit Verboten.

Der Mannheimer Morgen sieht das ähnlich. Das Blatt attestiert den Bischöfen nach dem Aufschrei eine schnelle Reaktion, schränkt aber ein: "Das Ja wirft jedoch die Frage auf, warum die Kirche die Empfängnisverhütung nicht generell freigibt. Vor allem in den überbevölkerten Staaten würde das viel Elend vermeiden."

Auch der Frankfurter Rundschau geht die Initiative der Bischöfe nicht weit genug. "Kaum hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner die "Pille danach" im Fall einer Vergewaltigung für zulässig erklärt und damit einen erfreulich klaren, am Prinzip der Nothilfe und am Wohl des Opfers orientierten Standpunkt bezogen, zögern die Bischöfe wieder." Die Zeitung kritisiert: "Die Bischöfe haben sich wabernd aus der Affäre gezogen, indem sie ihre einstimmige Haltung, die Meisners Linie folgt, mit einer Girlande von Wenn-dann-Sätzen behängen."

Der Kölner Stadtanzeiger zweifelt vor allem daran, dass die Bischöfe ihre Haltung auch langfristig durchsetzen können. Das Blatt rechnet mit "wütenden Angriffen der sogenannten Lebensschützer". Die Debatte über die "Pille danach" zeige, wie ideologisiert es in der Institution hergeht. "Das gilt für so viele Debatten in der Kirche", heißt es in der Zeitung. "Wahrscheinlich braucht es einfach mehr gute Taten."

Quelle: n-tv.de

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