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(Foto: picture alliance / dpa)

Merkel trifft Davutoglu: "Es knirscht und hakelt"

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu fordert mehr Geld, Kanzlerin Angela Merkel hofft auf schnell sinkenden Flüchtlingszahlen. Nun treffen sich beide zu Regierungskonsultationen in Berlin. Wer hat die besseren Karten? Die Presse diskutiert.

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"Ankara lässt in diesen Krisenzeiten keinen Zweifel daran, wer am längeren Hebel sitzt." Vor allem Deutschland bekomme das zu spüren, meinen die Westfälischen Nachrichten aus Münster. "Die Türken sind nicht als Bittsteller nach Berlin gekommen - mit den von der EU versprochenen drei Milliarden Euro Flüchtlingshilfe wollen sie sich erst gar nicht abspeisen lassen. Dabei hat die EU große Schwierigkeiten, das Geld überhaupt aufzutreiben. Die Türkei ihrerseits hat es bislang nicht geschafft, die Flüchtlingszahlen spürbar zu reduzieren. Es knirscht und hakelt im deutsch-türkischen Verhältnis."

"Für ihr Versprechen, die Zahl der Flüchtlinge rasch und dauerhaft deutlich zu senken, ist Merkel auf die Zugeständnisse der Türkei angewiesen." Dafür müsse sie die Augen vor den Menschenrechtsverletzungen verschließen, so der Mannheimer Morgen. "Man mag dies Erpressung nennen oder Realpolitik. Das ist der Preis, den Merkel zahlen muss. Den roten Teppich hat sie bereits ausgerollt."

"Früher konnte sich die Bundeskanzlerin leisten, die türkische Regierung in Sachen EU-Beitrittsperspektive an den Katzentisch zu setzen", schreibt die Neue Presse. Jetzt aber solle Ankara "Deutschland und der Europäischen Union möglichst die Flüchtlinge vom Hals halten, und dafür kann man schon mal eine dreifache Rolle rückwärts machen." Aber "eine EU-Beitrittsperspektive für die Türkei im gegenwärtigen Zustand ist genau das falsche Zeichen", mahnt die Zeitung aus Hannover.

"Kein Scheitern, kein Durchbruch. Merkel und die Türkei tanzen mit aneinandergebundenen Beinen in Richtung EU-Gipfel Mitte Februar", kommentiert die Welt. Den wichtigsten Wunsch aber habe Merkel bei den Konsultationen abgeblockt" "Die deutsch-türkische Visafreiheit wird es nicht geben - noch nicht jedenfalls; sie ist kein Auftaktgeschenk."

Der türkische Regierungschef dürfte bei dem Treffen in Berlin eine "innere Genugtuung verspürt und genossen haben", vermutet die Mitteldeutsche Zeitung. "So ließ er sich denn auch die besondere Pointe nicht entgehen, die fast in ganz Europa für ihre Flüchtlingspolitik gescholtene Merkel ausdrücklich für ihre bewiesene Humanität zu belobigen. Das klang ein wenig nach einem spitzfindigen 'Wir schaffen das' auf Türkisch." Konkrete Ergebnisse über eine Zusammenarbeit der Türkei mit Europa gibt es nicht. Aber die Zeitung aus Halle hält fest: "Die Türkei ist ein Partner. Das Privileg, sich diesen aussuchen zu können, gibt es nicht mehr."

Quelle: n-tv.de

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