Politik

Banken-Stresstest 2011: "Experten schütteln den Kopf"

Die Ergebnisse des Banken-Stresstests liegen auf dem Tisch – aber die Diskussion um die Kriterien hält weiter an. Bereits im Vorfeld hatten sich die Landesbank Hessen-Thüringen und die europäische Bankenaufsicht EBA einen offenen Streit geliefert. Die Helaba sollte als einzige deutsche Bank durch den Test fallen – und entschied sich kurzerhand, nicht teilzunehmen. Zu Recht? Ja, meinen die Zeitungskommentatoren. Die EBA hätte "zu viel geschlampt".

Die Helaba nahm nicht am Stresstest teil und veröffentlichte ihre Daten selbst.
Die Helaba nahm nicht am Stresstest teil und veröffentlichte ihre Daten selbst.(Foto: dpa)

"Volkswirtschaften können nur dann einigermaßen reibungsfrei funktionieren, wenn Investoren mit Geld versorgt werden können." Daher stellt das Ergebnis des Stresstests in den Augen der Märkischen Allgemeinen aus Potsdam eine "gewisse Beruhigung" für Deutschland dar. "Trotzdem sollte es nicht überbewertet werden. Zugrunde liegt ein Rechenmodell, dessen Bewertungskriterien zwar hart sind, am Ende aber nur einen Ausschnitt der Realität des Kreditgeschäftes abbilden können. Das Ergebnis schafft Vertrauen in der Bankenwelt. Dass ausgerechnet eine der solidesten deutschen Landesbanken, die hessisch-thüringische Helaba, an den Vorgaben scheitert, zeigt aber zugleich, dass solche Modelle nur der groben Orientierung dienen können. Der Weisheit letzter Schluss sind sie freilich nicht."

Dem muss auch die Leipziger Volkszeitung zustimmen: "Den Stress mit dem Stresstest hätte man sich anders vorgestellt: Statt gezielt Banken, die auf der Kippe stehen, an den Pranger zu stellen, machte sich am Ende die Europäische Bankenaufsicht EBA nur selbst lächerlich. Experten schütteln den Kopf, die Präsentation der Ergebnisse (…) in London verkam zur Farce. Seit dem Ausscheren der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) war eigentlich klar, dass mit wirklich hilfreichen Ergebnissen nicht zu rechnen ist." Dass ausgerechnet die Helaba als einziges deutsches Institut den Stresstest nicht besteht, kann die Zeitung aus Sachsen nicht nachvollziehen, ist doch "kaum eine Bank so gut wie sie durch die Krise gekommen".

"Ob sich der Stress wirklich gelohnt hat, muss sich erst noch zeigen", meint der Mannheimer Morgen, denn "überraschend sind die Ergebnisse, die die noch junge Europäische Bankenaufsicht in London zusammengetragen hat, nun wirklich nicht. Dazu haben die Verantwortlichen auch beim zweiten Versuch, eine riskante ökonomische Situation zu simulieren, zu viel geschlampt. Weil die größte aktuelle Herausforderung ganz einfach ausgeklammert wurde: Was bringt ein solcher Test, wenn er die Folgen eines greifbar nahen Staatsbankrotts einfach unberücksichtigt lässt?"

"Jede Wette: Es wird auch in den kommenden Tagen weiter über den Stresstest gestritten. Die Verantwortlichen werden zusagen, bei ihrer nächsten Zeugnisvergabe nachzubessern." Für die Badische Neueste Nachrichten steht fest: "Sie sollten auf diese Tests verzichten. Entscheidend ist doch eine Bankenaufsicht, die individuelle Schwächen von Instituten erkennt und rechtzeitig eingreift."

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Quelle: n-tv.de

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