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Pressestimmen"Freiwilligkeit ist ein hohes Gut"

25.05.2012, 20:10 Uhr

Viele Deutsche finden Organspenden gut und richtig. Trotzdem gibt es zu wenig Spender. Das will die Politik jetzt ändern. So sollen Krankenkassen die Versicherten künftig wesentlich eindringlicher zur Teilnahme auffordern. "Wir wollen den Menschen mehr auf die Pelle rücken", sagt SPD-Fraktionschef Steinmeier. Und wie urteilt die deutsche Presse?

Viele Deutsche finden Organspenden gut und richtig. Trotzdem gibt es zu wenig Spender. Das will die Politik jetzt ändern. So sollen Krankenkassen die Versicherten künftig wesentlich eindringlicher mit dem Thema konfrontieren. Um die Bereitschaft zur Spende zu erhöhen, soll bald regelmäßig zur Teilnahme aufgefordert werden. "Wir wollen den Menschen mehr auf die Pelle rücken", sagt SPD-Fraktionschef Steinmeier. Und wie urteilt die deutsche Presse?

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Die Reform soll die Bürger stärker zum Nachdenken zwingen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Westdeutsche Zeitung aus Düsseldorf lobt die Entscheidung des Bundestags. "Obwohl täglich drei Menschen sterben, weil sie nicht die geeigneten Organe erhalten, zieht sich die Spende-Debatte bereits 15 Jahre hin. Deshalb ist es sehr gut, dass der Bundestag endlich eine Lösung gefunden hat." Es sei richtig, dass es Menschen künftig leichter gemacht werde, ihre Bereitschaft zur Spende zu erklären. "Wer befürchtet, eine schlichte Anfrage seiner Krankenversicherung würde ihn zu sehr unter Druck setzen, der übertreibt." Die Kommentatoren schreiben sogar: "Selbst die radikalere Lösung, die die Organspende nur bei ausdrücklich hinterlegtem Widerspruch ausschließt, ist eine Überlegung wert."

Für den Wiesbadener Kurier ist die Regelung dagegen zu lasch. Ein zwingendes Ja oder Nein werde den Bürgern auch künftig "leider nicht abverlangt". So bleibe die Last der Entscheidung im Ernstfall bei den Angehörigen. "Ob das Gesetz die beste Entscheidung für die zu vielen Menschen ist, die von der Organ-Warteliste wegsterben, mag man bezweifeln", kritisiert die Zeitung aus der hessischen Landeshauptstadt. Allerdings sei das neue Transplantationsgesetz ein klarer Fortschritt gegenüber dem "Istzustand, der seit Jahren von einer europaweit schändlich niedrigen Zahl von Organspendern geprägt ist."

Mehr erhofft von der Reform hatte sich auch der Kommentator der Mitteldeutschen Zeitung. "Es geht bei der Organspende um Leben und Tod." Daher reiche es nicht, nur an die Bürger zu appellieren. Weitaus effektiver sei die "Widerspruchslösung, nach der jeder Organspender ist, der das nicht ausdrücklich ablehnt". Laut Umfragen würde die Mehrheit der Bevölkerung dann nichts unternehmen. "Angesichts der 12.000 Menschen auf der Warteliste wäre dieser Eingriff in die Persönlichkeitsrechte vertretbar."

Positivere Schlüsse zieht der Südkurier aus Konstanz. "Bisher haben die meisten Menschen bei der Organspende nach dem Prinzip von Radio Eriwan gehandelt: Im Prinzip ja, aber konkret lieber doch nicht. Deshalb ist die künftige Regelung so gut." Zwar gebe es respektable Gründe gegen eine Organspende. Es sei jedoch unverantwortlich die Entscheidung nach einem Unfall den geschockten Angehörigen zu überlassen. "Das ist unverantwortlich. Wegschauen war gestern."

Die Magdeburger Volksstimme hält die "Freiwilligkeit in dieser hochsensiblen Frage ein hohes Gut". Die Entscheidung über eine Organspende sei "eine höchstpersönliche, die auch der Staat niemandem abnehmen darf". Trotzdem appellieren die Kommentatoren an das moralische Gewissen: Wer die Option des 'Nein' oder des 'Ich weiß nicht' für sich in Anspruch nehme, solle darüber nachdenken, ob er selbst einmal Empfänger von Spenderorganen sein wolle. "Zur Spende Nein, zum Empfang Ja, das wäre nicht redlich."

Quelle: ntv.de, zusammengestellt von Christian Rothenberg