Politik
Dienstag, 24. Januar 2017

Verzicht auf Kanzlerkandidatur: "Gabriels Rücktritt macht Politik lebendiger"

Die deutsche Presse ist sich einig: Der Rückzug von SPD-Chef Gabriel war richtig und wichtig um der Union einen echten Herausforderer bei der Kanzlerwahl entgegenzusetzen. Fraglich bleibt jedoch Gabriels Wunsch als Außenminister.

Die deutsche Presse ist sich einig: Der Rückzug von SPD-Chef Gabriel war richtig und wichtig, um der Union einen echten Herausforderer bei der Kanzlerwahl entgegenzusetzen und könnte frischen Wind in die SPD bringen. Zweifel gibt es dagegen bei der Frage um die neue Amtsverteilung. Sigmar Gabriel ist bisher nicht mit diplomatischem Fingergefühl aufgefallen, weshalb man sich fragen muss, ob er der richtige Mann für das Amt des Außenministers ist. Martin Schulz dagegen wäre es wohl als langjähriger Präsident des Europaparlaments gewesen.

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"Der Parteivorsitzende zieht die Notbremse", kommentiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Verzicht Gabriels auf die Kanzlerkandidatur, "weil die Umfragen seit Monaten so sind, wie sie sind, und weil er weit davon entfernt war, zum echten Herausforderer Angela Merkels zu werden". Auf die Partei hätte das seit Monaten lähmend und deprimierend gewirkt. Deshalb habe Gabriel unter diese " nahezu ausweglose Perspektive" einen Schlussstrich gezogen und das verdiene "nach allem, was er für die Partei getan hat, Respekt."

Die Welt bemerkt dagegen, dass es Gabriel sowohl an "unerlässlichem Machthunger" als auch an einer "klar definierten Vision für Deutschland und Europa unter seiner Führung" fehle. Unübersichtlich sei jedoch die Lage, "was Gabriels Wunsch nach einem Wechsel ins Auswärtige Amt betrifft". Da seien durchaus Zweifel angebracht, schreibt die überregionale Tageszeitung, denn Gabriel habe sich selten durch "diplomatisches Fingerspitzengefühl" hervorgetan.

In Berlin stellt man sich diese Frage ebenfalls. "Als Außenminister wäre Martin Schulz, als langjähriger Präsident des Europaparlaments, sicher die bessere Wahl gewesen", meint der Tagesspiegel und beschreibt Gabriel ebenfalls als "nicht geborener Diplomat". Nichtsdestotrotz werde die "Erleichterung in der SPD über die Kanzlerkandidatur von Schulz wohl überwiegen".

Das Mindener Tageblatt verrät auch warum Schulz als neuer SPD-Kanzlerkandidat so freudig begrüßt wird: "Schulz ist ein glänzender Redner, ein kluger Kopf und jemand, der sich auch jenseits sozialdemokratischer Kernklientel bestens verkaufen kann. Insofern hat Gabriel alles richtig gemacht."

In Pforzheim wird darüber diskutiert, was der Rückzug Gabriels für die Union bedeutet. Auf den ersten Blick, heißt es, "kann eine SPD mit einem Kanzlerkandidaten Schulz der Union sehr viel gefährlicher werden als mit Gabriel". Auf den zweiten Blick jedoch, sieht die Pforzheimer Zeitung einen Vorteil für die Union: "Merkel könnte am Ende sogar noch von dem stärkeren Herausforderer profitieren. Denn wer Rot-Rot-Grün verhindern will, wird bei der Bundestagswahl Merkel wählen müssen. Keine Frage: Gabriels Rücktritt macht nicht nur die SPD, sondern auch die Politik wieder lebendiger."

Zusammengestellt von Vivian Kübler.

Quelle: n-tv.de

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