Fortschritte in der Stammzellforschung"Geklonte Embryonen sind nun eine Realität"

Zum ersten Mal wurden in einem Labor menschliche Embryonen geklont. Ist das ethisch erlaubt? Die Kommentatoren der deutschen Presse sind gespalten.
Zum ersten Mal wurden in einem Labor menschliche Embryonen geklont. Ist das ethisch erlaubt? Die Kommentatoren der deutschen Presse sind gespalten.
Die Welt sieht die ethische Dimension als eine persönliche Gewissenfrage: "Bei der künstlichen Herstellung menschlicher Stammzellen geht es nicht um reproduktives Klonen. Es geht – und das ist noch Zukunftsmusik – um die Möglichkeit, einen Vorrat eigener Stammzellen anzulegen, mit denen etwa degenerative Krankheiten bekämpft und kranke Organe ersetzt werden könnten. Wozu niemand gezwungen wird. Wer es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, sich eine neue Leber zu züchten, dürfte wohl auch im Jahre 2050 an der alten sterben dürfen. Einsatz gegen Selektion heute ist wichtiger als Hysterie wegen der Zukunft. Heilsamer Schrecken sollte nicht umschlagen in lähmende Angst."
Die Berliner Zeitung bedauert, dass man sich nicht auf ein Verbot des Klonens einigen konnte: "Im Ausland aber rast der wissenschaftliche Forscherdrang teilweise ungebremst dahin. Geklonte Embryonen sind nun eine Realität. Einer Leihmutter eingepflanzt, könnte daraus ein Mensch entstehen. Deshalb gab es seit 2001 die Bemühung, zumindest dieses reproduktive Klonen weltweit zu ächten. Es waren die USA, die 2005 gemeinsam mit 60 anderen Staaten – darunter auch Deutschland – nicht nur das Aufwachsen von Klonkindern verbieten wollten, sondern generell die Erzeugung von geklonten Embryonen. So weit aber wollten viele andere Staaten nicht gehen, es gab keine Einigung. Nun sind die Fakten ausgerechnet in US-Labors geschaffen worden."
Die Rhein-Zeitung verweist auf die Alternative der adulten Stammzellen, bei denen sich die ethischen Fragen nicht stellen: "Lebensbedrohliche Krankheiten mit körpereigenen Zellen zu heilen, ist ein berechtigtes Anliegen. Denn bei diesen Zellen läuft der Patient nicht Gefahr, dass sein Körper dieses Ersatzgewebe wieder abstößt. Die Wissenschaftler sollten weiter an dieser Möglichkeit forschen. Doch dafür müssen sie kein menschliches Leben im Labor heranzüchten. Auf diesem Gebiet haben Wissenschaftler international mit den ethisch unproblematischen adulten Stammzellen schon aussichtsreiche Ergebnisse erzielt."
Aus Sicht der Saarbrücker Zeitung muss man die ethischen Bedenken gegen die Chancen abwiegen: "Traum oder Albtraum? Nicht nur die deutsche Nation bleibt gespalten in der Frage der Stammzell-Forschung. Doch bei allem Verständnis für die Warnungen, der Mensch plustere sich auf, er maße sich an, Gott zu spielen und Designer-Babys zu züchten: Die fantastischen Möglichkeiten des therapeutischen Klonens wiegen schwerer. Die Frage der Würde stellt sich ja nicht nur im Umgang mit embryonalen Stammzellen. Sondern auch im Umgang mit schwerkranken Menschen. Selbstverständlich leitet sich die Pflicht zur Hilfe und Heilung auch aus den konkreten Möglichkeiten ab, die jeweils zur Verfügung stehen. Die Frage der Würde ist immer auch eine Frage der Perspektive.