Politik
(Foto: picture alliance / dpa)

Apple versus FBI: "Geschützt wird in Wahrheit das Verbrechen"

Dem FBI gelingt es ohne Unterstützung von Apple, das Smartphone eines toten Attentäters zu knacken. Apple hatte sich zuvor einer gerichtlichen Anordnung widersetzt, der US-Behörde bei der Entschlüsselung des iPhones von Sayed Farook, der mit seiner Frau im Dezember 14 Menschen in San Bernardino erschossen hatte, zu helfen. Das Unternehmen sieht die Privatsphäre von Smartphone-Nutzern bedroht. Auch wenn die US-Regierung nun auf weitere gerichtliche Schritte verzichtet und die wochenlange Machtprobe zwischen Apple und der US-Regierung vorerst beendet scheint - für die Kommentatoren der deutschen Zeitungen bleiben offene Fragen: Worum geht es bei diesem Streit tatsächlich? Sollten Technologie-Firmen zur Mitarbeit beim Auslesen von Daten gezwungen werden können? Und wer geht als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervor?

Das US-Justizministerium knackte das Smartphone ohne den Elektronikkonzern.
Das US-Justizministerium knackte das Smartphone ohne den Elektronikkonzern.(Foto: dpa)

Wenig Verständnis für die Haltung von Apple zeigt die Wetzlarer Neue Zeitung: "Man nennt es Datenschutz, aber geschützt wird in Wahrheit das Verbrechen. Wer - wie Apple - dem Staat Hilfe im Kampf gegen Terror und Gewalt verweigert, der muss sich fragen lassen: Wen will er eigentlich schützen? Apple stellt den Datenschutz über alles. Genau da liegt das Problem: Kaum ein Rechtsgut kann als absolut gelten, es steht fast immer in Konkurrenz zu anderen Rechtsgütern. Beim Datenschutz ist es beispielsweise die Sicherheit. Politik ist die Abwägung zwischen diesen Gütern - oder auch: die Kunst des Kompromisses."

Die Frankfurter Rundschau versucht Licht ins Dunkel zu bringen: "Apple war zunächst bereit, mit dem FBI zu kooperieren. Dann aber wollte die US-Bundespolizei mit dem Fall ein Exempel statuieren und zeigen, dass auch der Gigant sich fügen muss, wenn's darauf ankommt. Da musste Apple dagegenhalten und zimmerte eine PR-Kampagne. Konzernchef Tim Cook sprach von der Verantwortung für die Privatsphäre der Kunden. Tatsächlich hat der Konzern damit nichts am Hut. Denn sogar den chinesischen Behörden gewährt er den Zugriff auf Daten von I-Phone-Nutzern. Es geht immer nur um geschäftliche Interessen. Das Pseudo-Engagement für den Datenschutz entpuppt sich als billiger Trick; er soll die Vermarktung des neuen Dienstes Apple Pay anschieben, der Bezahlen per I-Phone ermöglicht. Das verlangt einen hohen Sicherheitsstandard. Jetzt wissen wir aber, dass der auch bei Apple nicht gewährleistet ist."

Auch wenn der Konzern jetzt einem unangenehmen juristischen Gefecht mit der amerikanischen Regierung entgehe und nicht, wie zunächst angeordnet, eine Software entwickeln müsse, die alle iPhones angreifbarer für Hacker mache, sei es "kein wirklicher Sieg für Apple", konstatiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Der Konzern rühmt sich zu Recht, dass seine Produkte überlegene Sicherheit liefern, aber die erfolgreiche Entschlüsselung des Geräts im aktuellen Fall unterstreicht, dass auch Apple nicht unverwundbar ist. Aber auch die Regierung steht keineswegs in gutem Licht da. Nicht nur muss sie sich fragen lassen, ob die von ihr angezettelte Eskalation des Streits mit Apple überzogen war. Sie hat damit auch einen Wettlauf gestartet, der Hacker auf der ganzen Welt ermutigen könnte, Apple ins Visier zu nehmen."

Für das Handelsblatt zeigt der Fall "einmal mehr, dass der Bereich der Nutzung von Daten klar abgesteckt werden muss. Und zwar von den Parlamenten und nicht durch eine Einzelfallforderung einer Behörde. Wenn es der Sicherheit dient, wird keiner etwas dagegen haben, dass das FBI Zugriff auf die Daten hat - aber eben nur in diesem Fall." Deshalb, so der Kommentar aus Düsseldorf, seien "klare Regeln für die Verwendung der Daten und mehr Transparenz bei den Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden vonnöten."

Zusammengestellt von Susanne Niedorf

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen