Politik

Die Grünen und ihr Veggie-Tag: "Grenze überschritten"

Schnitzel statt Salat: Viele Bundesbürger, vor allem Männer, essen mehr Fleisch als empfohlen. Die Grünen wollen einen vegetarischen Tag pro Woche. Die Regierung hält dagegen: Fleisch gehöre zum Essen dazu. Was meinen die deutschen Tageszeitungen?

So sieht, sicher auch in vielen Zeitungsredaktionen, das durchschnittliche Kantinenessen aus.
So sieht, sicher auch in vielen Zeitungsredaktionen, das durchschnittliche Kantinenessen aus.(Foto: dpa)

Für die Südwest Presse haben sich die Grünen keinen Gefallen getan: "Nun also ein 'Veggie-Tag'. Die grüne Urlust, neben Umwelt, Wirtschaft und Energieversorgung auch gleich die Gesellschaft ökologisch mit umzukrempeln, treibt einmal mehr skurrile Blüten. So sollen fleischlose Tage in öffentlichen Kantinen den nach Currywurst lechzenden Arbeitnehmer auf den Pfad der richtigen Ernährung bringen. Dabei bieten die meisten Kantinen schon jetzt immer auch ein vegetarisches Gericht an - nicht nur donnerstags, wie vorgeschlagen, sondern täglich. Für den politischen Gegner - Union und FDP - ist der Vorstoß Wasser auf die Wahlkampfmühlen, um die Grünen erneut in die Bevormundungsecke zu stellen. Eine Kampagne, die offenkundig funktioniert, weil sie insgeheim Urängste der Wähler weckt."

Die in ihrer Region wichtige Ludwigsburger Kreiszeitung hat eine deutliche Meinung: "Wenn die Grünen nun auch noch vorschreiben wollen, was die Bürger zu essen haben, ist eine Grenze überschritten. Als Nächstes fordern sie, Fleischtheken in Supermärkten einen Tag zu schließen. Es ist nichts dagegen einzuwenden, für eine bewusste Ernährung zu werben. Doch das grüne Gängelband widerspricht dem Prinzip des mündigen Bürgers, der im Zweifelsfall auch das Recht haben muss, Fehler zu machen."

Die Welt drückt ihren Unmut so aus: "Der Erfolgszug des vegetarischen Essens verdankt sich seiner Entideologisierung: Für fleischloses Essen muss sich niemand mehr rechtfertigen, man kann auch nicht mehr damit angeben, es gehört einfach dazu, als eine bereichernde Variante. Diese Selbstverständlichkeit zu wahren und pflegen, weil sie für Umwelt und Gesundheit positive Folgen hat, ist gewiss richtig. Doch dass die Grünen in ihr Wahlprogramm festschreiben, dass öffentliche Kantinen eine Vorreiterrolle übernehmen sollen, ist überflüssig. Denn vegetarische Gerichte gibt es ja längst in vielen Kantinen und Mensen. Und einen 'Veggie Day' pro Woche zu fordern ist die völlig falsche Strategie."

Die Nürnberger Nachrichten schreiben: "Denn das, was sie da in ihrer üblichen Öko-Oberlehrer-Art vorschlagen, ist ja längst ein unübersehbarer Trend: Vegetarische, zusehends auch vegane Kost boomt; viele Kantinen bieten an, was die Partei verlangt - nicht bloß an einem Tag pro Woche, sondern immer. Es bleibt jedem freigestellt, wie gut oder schlecht er sich ernährt; die Grünen wollen eben kein Verbot. Doch dieses Reizwort, auf das FDP-Wahlkämpfer Rainer Brüderle prompt anspringt, erhitzt die Gemüter - ohne wirklichen Grund. Auch irgendwie bezeichnend für diesen Wahlkampf: Hat das Land keine anderen Sorgen?"

Der Mannheimer Morgen meint: "Selbst in der Entscheidung, ob man nun lieber Fleisch oder Gemüse essen mag, steckt ein kleines Stück Freiheit. Wer sich bewusst ernähren will, braucht keine ideologische Bevormundung, sondern ein ausgewogenes Konzept. Vernünftig wäre es, Fleisch kritischer auszuwählen und für gute Qualität einen höheren Preis zu zahlen. Sicher, der Vegetarier-Tag ist nur eine skurrile Fußnote im Sommer-Wahlkampf. Dennoch: Er ist symptomatisch für die Gedankenwelt einer Partei, in deren schulmeisterlichem Staatsverständnis der mündige Bürger nicht gerade an vorderster Stelle steht."

Der Kölner Stadt-Anzeiger sieht ebenfalls Regulierungswut: "Künast hat übersehen, dass kaum eine Kantine es sich heutzutage noch leisten kann, kein vegetarisches Essen anzubieten. Sie kann es sich aber auch nicht leisten, kein Fleisch anzubieten. Das würde sie ökonomisch nicht überstehen. Wer also möchte, der kann sich selbst entscheiden. Aber nicht mit den Grünen! Die halten es, immer wenn ihnen gerade passt, mit dem Staat. 'Es ist verboten zu verbieten', stand an den Mauern, als sie ihre Geburtsstunde hatten. Lang vergessen."

Und die Westfälischen Nachrichten schreiben abschließend: "Was haben die Plastiktüte, das Zirkustier, die Werbung für Geländewagen, der Heizpilz, die erste Klasse in der Bahn und die Straßenlaterne gemeinsam? Sie stehen allesamt auf der Verbotsliste der grünen Weltverbesserer. Eine Liste, die ständig wächst und aktuell um einen Fleischverzehrtag in öffentlichen Kantinen verlängert wird. So alternativ und weltoffen sie sich auch gern geben: Ausgestattet mit dem vermeintlichen Siegel der Tugendhaftigkeit und besseren Moral - eine Anmaßung - verfolgen die Grünen das Ziel, den Menschen ihren Lebensstil aufzuzwingen. Auch im konkreten Fall braucht es diese autoritäre, aber gutmenschlich getarnte Bevormundung nicht: Ernährungsberatung beginnt schließlich bereits im Kindergarten!"

Quelle: n-tv.de

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