Politik
Freitag, 31. Mai 2013

Volkszählung mit überraschendem Ergebnis: "Hoppla, der Nachbar ist plötzlich weg!"

Sollte man sich darüber wundern, dass Deutschland doch nicht 82 Millionen Einwohner hat, sondern nur 80,2 Millionen? Die Kommentatoren der Tageszeitungen versuchen sich an Erklärungen und stellen fest, dass das Ergebnis der Volkszählung zwar auch eine Chance bietet, vor allem aber eins wird: teuer.

Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, hatte Überraschendes zu verkünden.
Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, hatte Überraschendes zu verkünden.(Foto: dpa)

"Hoppla, der Nachbar ist plötzlich weg!" Wenn Deutschland 1,5 Millionen weniger Einwohner hat, als bisher angenommen, müsse man das doch merken, meinen die Badischen Neuesten Nachrichten. Die Zeitung hat aber eine ganz einfache Erklärung für die Zahlen, denn wenn "der Nachbar eben doch nicht weg ist und keine Person, keine Behörde oder keine Stadtverwaltung irgendeinen anderen Menschen vermisst, wird klar, dass auch die neue Volkszählung, die im moderaten Gewand eines Mikrozensus daher kam, eben nur graue Statistik ist."

Auch die Südwest-Presse staunt darüber, dass die Volkszählung so viele Karteileichen zutage gefördert hat, gelte Deutschland doch eigentlich "als ein Land mit besonders gründlicher Bürokratie". Und die geringere Einwohnerzahl schlage sich auf das ganze Land durch: "Weniger Einwohner bedeuten eine höhere Wirtschaftskraft pro Kopf, eine wichtige Größe beim Länderfinanzausgleich" Jetzt müsse Baden-Württemberg noch mehr einzahlen, so das Blatt aus Ulm. "Eine teure Volkszählung."

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Dass das Update nicht ohne finanzielle Folgen bleiben wird, stellt auch die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg fest: "Weniger Bewohner heißt: Rückzahlungen und geringere Zuschüsse für die Zukunft. Das wird manche Kommune schmerzen - und die Bürger bekommen es womöglich zu spüren, wenn der Service der Gemeinde eingeschränkt, noch weniger Geld für Schulen oder Straßen zur Verfügung steht."

"Volkszählungen sind selten, damit mehr als nur eine Momentaufnahme, und niemand konnte erwarten, dass es keine Überraschungen geben würde", kommentiert die Stuttgarter Zeitung. "Aber wenn Berlin plötzlich mehr als fünf Prozent seiner bisher vermuteten Einwohner nicht mehr hat, dürfte die Bundeshauptstadt darüber ebenso wenig erfreut sein wie Konstanz, das als Spitzenreiter im Südwesten sogar um 8,2 Prozent schrumpft. Denn an die Einwohnerzahl ist nicht nur der Zuschnitt der Wahlkreise gekoppelt, sondern vor allem viel Geld: Der Länderfinanzausgleich basiert darauf ebenso wie die Ausgleichszahlungen zwischen den Kommunen. Es wird also erheblich mehr Verlierer als Gewinner geben."

Es seien nicht nur die überraschenden Einwohnerzahlen, die der Zensus offenbare, sondern die Statistiker hätten auch an anderer Stelle genau hingeschaut, gibt die "Bild"-Zeitung zu bedenken: "Wer hätte das gedacht: In der Industrienation Deutschland müssen in 240.000 Wohnungen die Bewohner ohne Dusche auskommen. In mehr als 110.000 gibt es nicht mal eine Heizung. Auf der anderen Seite stehen aber auch 500.000 Wohnungen, die es bislang eigentlich gar nicht gab." Auch wenn das natürlich nicht die Wohnungsnot in so mancher Großstadt löse, böten die Zahlen aber auch eine Chance: "Alle Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit, heißt es oft. Und je genauer das Bild dieser Wirklichkeit ist, umso besser kann die Politik werden."

Quelle: n-tv.de

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