Politik
Montag, 05. Dezember 2016

Renzi scheitert an Referendum: "Italien könnte EU-Beben auslösen"

Über Italien ziehen dunkle Wolken auf. Staatspräsident Renzi tritt nach dem gescheiterten Referendum zurück und hinterlässt Unsicherheit - jedoch nicht nur im eigenen Land, sondern vor allem in der EU, heißt es in der deutschen Presse. Nicht wenige machen Renzi persönlich für das Scheitern verantwortlich.

Den Rücktritt von Italiens Staatspräsident Matteo Renzi nach dem gescheiterten Referendum werten die Nürnberger Nachrichten als Vorbote für eine neue Griechenland-Krise: "Wenn in Rom jetzt nicht klug reagiert wird, kann das ohnehin angeschlagene Krisenland Italien schnell ganz dicht am Abgrund stehen. Und ein Absturz eines solchen Großkalibers wie Italien wäre für den Euroraum eine ganz andere Herausforderung als die Stabilisierung des viel kleineren Dauerpatienten Griechenland."

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Die Kollegen in Münster sehen das ähnlich und gehen sogar noch einen Schritt weiter: "Wird der italienische Patient zum neuen Griechenland? Nein. Für eine EU-Rettung ist dieses Land viel zu groß, das ist das Fatale. Italien steht am Scheideweg," sind sich die Westfälischen Nachrichten sicher: "Gelingt es nicht, rasch für Ruhe und politische Stabilität in Rom zu sorgen, steuert Italien auf einen Austritt aus der Währungsunion zu. Ein solches Beben könnte die EU dann kaum mehr verkraften."

Beim Berliner Tagesspiegel hingegen sieht man das Problem bei der EU selbst: "Fakt ist, dass die Europäische Union als Staatenbund ungeachtet aller Krisen in Italien, Griechenland, Spanien und Portugal wunderbar funktionieren würde, wenn es nicht den Euro gäbe, dessen Stabilität vor allem von den Südeuropäern eine Wirtschafts- und Finanzpolitik verlangt, zu der sie weder bereit noch in der Lage sind."

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung zeigt sich nur wenig überrascht und macht den Staatschef selbst für den Ausgang des Votums verantwortlich: "Italien stimmte beim Referendum nicht gegen 'die da oben', sondern gegen 'den da oben': Renzi," argumentiert die Zeitung und erklärt: "Der Premier hat sich seine Niederlage selbst zuzuschreiben: Kein Regierungschef der Welt kann dem Land bei seinem Amtsantritt das Blaue vom Himmel versprechen, drei Jahre später bei einer praktisch gleich hohen Jugendarbeitslosigkeit vor die Wähler treten, ein Referendum über sich selbst veranstalten und erwarten, dass er gewinnt. Renzi hat seine eigenen Verdienste als Reformer immer überschätzt - so wie diese auch von den europäischen Partnern überschätzt wurden."

Auch die Stuttgarter Zeitung sieht das Problem bei Renzi: "Die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen, die Italien durch seinen Reformprozess in den vergangenen zweieinhalb Jahren aufgebaut hat - gewonnen und wieder verspielt von ein und demselben Mann."

Zusammengestellt von Vivian Kübler

Quelle: n-tv.de

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