Kein Gespür für FührungsverantwortungJung tarnte und täuschte
Den Einsatz am Hindukusch überschatten "Lug und Trug". Die Presse lässt kein gutes Haar am Verhalten Jungs: Dieses sei unentschuldbar und der Minister ersetzbar.
Den Einsatz am Hindukusch überschatten "Lug und Trug". Die Presse lässt kein gutes Haar am Verhalten Jungs: Dieses sei unentschuldbar und der Minister ersetzbar.
Die Märkische Allgemeine greift den ehemaligen Verteidigungsminister scharf an: "Sollte Jung tatsächlich nichts gewusst haben, wäre dies unentschuldbar. Dass er dennoch mehrere Tage lang den Tod von Zivilisten abstritt, kann vor diesem Hintergrund nur als aktiver Wahlkampf interpretiert werden (mit oder ohne Wissen der Kanzlerin?)." Dass sich Jung zunächst nur gegenüber einem TV-Sender zu den Vorwürfen äußern wollte, nicht aber vor dem Parlament, betrachtet das Blatt aus Potsdam als Affront, den der Souverän nicht hinnehmen könne. "Was der Minister schließlich doch noch zu dem Vorgang sagte, war alles andere als überzeugend und klang streckenweise eher nach Ausflucht. Wer einen kritischen Bericht der eigenen Feldjäger ungelesen an die Nato weitergibt, dem fehlt ganz offensichtlich das nötige Gespür für Brisanz und Führungsverantwortung."
Auch die Frankfurter Rundschau blickt kritisch auf das Verhalten des ehemaligen Verteidigungsministers im Skandal um zurückgehaltene Informationen zum Luftangriff bei Kundus und moniert sein fehlendes Verantwortungsbewusstsein: "Manchmal lohnt ein Blick in das Grundgesetz. In Artikel 65 heißt es, dass jeder Minister seinen Geschäftsbereich 'selbstständig und unter eigener Verantwortung' leitet. In Artikel 65a heißt es ergänzend, dass der Bundesminister der Verteidigung die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte hat." Das Grundgesetz kenne Jung, der von Hause aus Rechtsanwalt und Notar sei. Trotzdem habe es der CDU-Politiker "in einer der dunkelsten Stunden der jüngeren Bundeswehr-Geschichte zunächst abgelehnt, als verantwortlicher Minister die politische Konsequenz zu ziehen". Das Blatt urteilt: "Sein Zögern beweist, wie wenig der joviale Rheinhesse nach vier Jahren an der Spitze der Bundeswehr begriffen hat, welche Verantwortung ihm mit diesem schwierigen Amt zugefallen war."
Die Süddeutsche Zeitung sieht das "Fundament für die Entsendung von mehreren tausend Menschen nach Afghanistan, das aus Vertrauen in die politische und militärische Führung bestehen muss", bröckeln. Stattdessen überschatteten "Lug und Trug (...) einen Einsatz, der schon immer schwierig war und zugleich immer noch schwieriger geworden ist". "Das 'deutsche Engagement am Hindukusch' wie der Krieg, an dem die Bundeswehr beteiligt ist, in etwas verklärender Abenteuersprache gerne genannt wird, steht nicht vor seinem Ende. Aber die Legitimation muss politisch neu erkämpft werden."
"Franz Josef Jung hat den Schleudersitz des Verteidigungsministers nur überlebt, weil er den einzigen Härtetest nach der Methode Tarnen & Täuschen über den Wahltermin hinausschieben konnte", kommentiert die Rhein-Neckar-Zeitung. "Aber wie es aussieht, holt ihn der schöngeredete Luftschlag von Kundus ein. Ausgerechnet die Deutschen! Und genau dieses für das Bundeswehr-Kontingent fast undenkbare Verhalten hat Jung in die Falle der Vertuschung gelockt." Zwar sei der Rücktritt des Generalinspekteurs bereits ein Schuldeingeständnis, so das Blatt aus Heidelberg, "aber Schneiderhan ist ein Bauernopfer". "Soll doch ein Untersuchungsausschuss den Fall klären. Jung will sich auf Kosten der Untergebenen entlasten. Wenn sein Fehlverhalten feststeht, kann ihn Merkel nicht halten. Und fast allen Demissionen ging bisher ein trotziges: 'Ich trete nicht zurück' voraus. Dieser Minister wäre ersetzbar."