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Die Deutschen und ihre SorgenKein Hang mehr zum "Angsthasentum"

08.09.2011, 20:19 Uhr

Gelassenheit statt Sorgen, Mut statt Angst: Die Deutschen sind so optimistisch wie lange nicht mehr - und das trotz aller Hiobsbotschaften und medialen Apokalypsen dieser Tage. Vielleicht sind sie panikresistent geworden. Oder aber schizophren.

Sie sorgen sich um das liebe Geld, doch generell haben die Deutschen so wenige Ängste wie seit zehn Jahren nicht mehr. Vielmehr noch: Sie beweisen Gelassenheit, Mut und Optimismus - und das trotz aller Hiobsbotschaften und medialen Apokalypsen dieser Tage. Vielleicht sind sie panikresistent geworden. Oder aber schizophren.

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Dunkle Wolken am Himmel? Die Deutschen stört's weniger als früher. (Foto: picture alliance / dpa)

"Anscheinend sehen viele Bundesbürger dieses Land auf einem ganz guten Weg", kommentiert die Tageszeitung und stellt das Ergebnis der Politik und dem Journalismus gegenüber: "Eine solche Gelassenheit ist der Lebenshaltung von Politikern und Journalisten oft fremd. Beide Branchen leben von Erregung. Die einen müssen etwas ändern, um sich zu beweisen, die anderen brauchen Veränderung, um davon zu leben. Hiobsbotschaften sind die besseren Neuigkeiten. Denn die Menschen konsumieren schlechte Nachrichten lieber als gute. Sie wollen gewarnt sein. Konflikte versprechen Spannung." Das Blatt aus Berlin wagt eine Diagnose: "Wahrscheinlich ist der moderne Medienmensch schizophren. Er inhaliert schlechte Nachrichten, um sie zu vergessen und sich im nächsten Moment seinem Gemüsebeet zu widmen - ein angenehmer Zug."

"Vielleicht dämmert ja tatsächlich die Erkenntnis herauf, dass man sich im Leben eben nicht gegen alle Unbill und gegen jede Gefahr schützen oder gar versichern kann. Auch wenn das die einschlägige Branche, die solche Studien in Auftrag gibt, natürlich anders sieht", schreibt die Leipziger Volkszeitung. "Die Hitliste der Ängste - sie dreht sich seit mittlerweile 21 Jahren immer wieder um die gleichen Themen. Für Optimisten ist sie nur mit viel Fatalismus zu ertragen. Denn Angst essen Seele auf. Das wusste schon Rainer Werner Fassbinder."

"Noch nie zuvor war die Welt so unübersichtlich, noch nie zuvor katapultierte die Nachrichtenmaschinerie so viele Hiobsbotschaften in so hohem Tempo ins Bewusstsein der Menschen. Ehec, Amoklauf, Tsunami, Super-Gau, Revolutionen, Aufstände, Börsenabstürze, Inflation, Schuldenkrise: All diese Themen erschütterten uns im Sekundentakt der breaking news." Doch statt Resignation macht die Westdeutsche Zeitung eine "Panik-Resistenz" aus: "Erfahrung macht eben rational. Die Deutschen haben in der Risikogesellschaft der vergangenen Jahrzehnte schon viele mediale Apokalypsen überstanden - und zugleich die sicherste Epoche der Weltgeschichte erlebt."

"German Angst? Vergessen wir's endlich. Das gerne gepflegte Klischee, das den Deutschen einen besonderen Hang zum Angsthasentum unterstellt, trifft längst nicht mehr zu", glauben die Kieler Nachrichten und führt Beweise an. Die Gelassenheit der Bundesbürger in der Finanzkrise würde das ebenso belegen wie "ihr Mut, sich als einzige Industrienation von der Atomkraft zu verabschieden". "Und das beweist auch die jüngste Ausgabe einer Langzeitstudie, die seit zwanzig Jahren deutsche Befindlichkeiten untersucht. Der aktuelle Befund: Trotz aller Kassandrarufe ist der ökonomische Optimismus der Deutschen robust, der nationale Angstpegel so niedrig wie seit Jahren nicht."

Quelle: zusammengestellt von Nadin Härtwig