Mappus folgt OettingerKeine Zeit für Mätzchen
Bühne frei für einen "Überzeugungstäter mit Sendungsbewusstsein" - und vagem Profil. Nach dem Vertrauensbeweis seiner Partei muss Mappus nun den Krisenmanager geben.
Bühne frei für einen "Überzeugungstäter mit Sendungsbewusstsein" - und vagem Profil. Das Besondere an der Wahl von Stefan Mappus zum neuen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg ist nicht seine Person, sondern das Gebaren der Landes-CDU, die einmal mehr ihre Geschlossenheit in Krisenzeiten bewiesen hat. Jetzt muss Mappus den Krisenmanager geben.
Die baden-württembergische CDU halte vor allem in schweren Zeiten geschlossen zusammen. "Diese Fähigkeit, das erkennen selbst die Gegner neidisch an, ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Dauerregierungspartei", schreibt der Mannheimer Morgen. "Seit 1953 stellt die CDU im Südwesten ununterbrochen den Ministerpräsidenten. Mit Stefan Mappus kam gestern die Nummer sieben ans Ruder. Trotz der Chaostage durch die Kies-Affäre und das Hin und Her um den Ankauf einer Steuersünder- CD fehlte dem 43-Jährigen nur eine Stimme aus dem Regierungslager. Das ist ein Vertrauensbeweis und politischer Rückenwind, den der Neue gut gebrauchen kann."
Auch für die Eßlinger Zeitung "hat sich eine alte Regel über die Gruppendynamik in der CDU Baden-Württembergs einmal mehr bewahrheitet: Steht die CDU im Lande unter Feuer, dann hält sie zusammen". Mit dem Ergebnis der Wahl könne der neue Regierungschef Stefan Mappus gut leben. "So waren im Endeffekt die ganzen Störgeräusche, Merkwürdigkeiten und Affären der vergangenen Wochen gut für Mappus und sein Wahlergebnis. Denn der Christdemokrat im Lande demontiert sich allenfalls selber - niemals aber zerlegt er sich nach öffentlichem Druck von außen."
Für die Stuttgarter Zeitung hat der neue Ministerpräsident kaum eigenes Profil: "Ob Mappus jedoch eine eigene Vorstellung davon hat, wohin er dieses Land in den nächsten Jahren führen will, das ist unklar. Im Zweifel denkt und empfindet der 43-jährige Pforzheimer als Konservativer. Das muss aber noch lange nicht bedeuten, dass jetzt - etwa in der Gesellschaftspolitik - ein Rollback bevorsteht. Ganz im Gegenteil, mit den Gewerkschaften, mit denen er in der Vergangenheit bestenfalls wenig anzufangen wusste, flirtet er wie ein Frischverliebter. Zu seinen spärlichen programmatischen Äußerungen im Stadium des designierten Ministerpräsidenten gehört das Bekenntnis zum weiteren Ausbau der Kinderbetreuung."
Für das Badische Tagblatt ist der 43-jährige Pforzheimer ein "Überzeugungstäter mit Sendungsbewusstsein, der trotz seiner relativ jungen Jahre die Stammkundschaft der Union fest im Visier hat - und die Partei wieder ein wenig nach rechts rücken wird: Konservativ zu sein, wird von Mappus keineswegs als üble Nachrede empfunden". Auch das Blatt aus Baden-Baden konstatiert: "Die Regierungsfraktionen haben ihn trotz oder wegen der vergangenen Chaostage nahezu geschlossen unterstützt. Allerdings hat die Union gleich im Anschluss dafür gesorgt, dass Mappus, einem Mann der Abteilung Attacke, die Bäume nicht in den Himmel wachsen: Es ist sicher kein Zufall, dass sein alter Widersacher Peter Hauk schon im ersten Wahlgang einen deutlichen Vertrauensbeweis erhalten hat."
"Ein Auftakt nach Maß: ... Im entscheidenden Moment lassen die eigenen Leute wie die des Regierungspartners den neuen starken Mann der Landespolitik nicht hängen", stellt auch der Schwarzwälder Bote fest. "Mögen Wirrnisse der Vorwahl-Phase ätzend gewesen sein, sie haben zuletzt Schwarz-Gelb zusammengeschweißt. Das wird auch gut sein." Auch die "kluge Wahl von Peter Hauk zum Fraktionschef" bewirke einen "wohltuenden CDU-internen Machtausgleich". "Die Bühne also ist bereitet für Oettingers Nachfolger. Auf dem Spielplan aber stehen keine rauschenden Mappus-Festspiele. Der Titelheld ist vielmehr als Krisenmanager in der Pflicht, für Mätzchen ist jetzt nicht die Zeit."