Politik

Griechenland und der Euro: "Kollaps ist nicht aufzuhalten"

Was ist das richtige Mittel im Umgang mit Sorgenkind Griechenland? Vor dem Kontrollgang der Troika diskutiert die Eurozone über die Optionen. Und mit ihr die Presse in Deutschland. Rauswurf oder Geld nachschießen, wie ist das "Korsett aus Korruption und Gefälligkeiten" zu sprengen? Manche vermuten gar taktisches Nichtstun in Athen, um neue Kredite zu erhalten. Aber das ist eine Randmeinung.

Der Reutlinger General-Anzeiger hält es für "durchaus möglich, dass sich die Akteure in der EU und beim IWF schon heute sich in eine Position bringen, bei der sie jede Schuld am Austritt Griechenlands weit von sich weisen können." Dass das Land öffentlich nicht verloren gegeben wird, vermutet das Blatt als "Dramaturgie des Stückes". Den Griechen werde noch einmal vor Augen geführt, dass auch sie noch eine Hand am Steuer haben.

"Sie spielen mit dem Feuer"
"Sie spielen mit dem Feuer"(Foto: dapd)

Die populistische Forderung, das Land aus der Eurozone herauszuwerfen, sehen die Nürnberger Nachrichten als politische Reaktion auf die Wähler. "Vielleicht sollten sich all die Dobrinths und Röslers erst einmal vor Augen führen, was ein Rauswurf Athens für Folgen haben könnte, bevor sie Griechenland von der Eurolandkarte tilgen", kommentiert die Zeitung. Sie stellt die Frage erneut, die seit Beginn im Euroraum steht: Athen fallen lassen oder neues Geld nachschießen? Die Vertreter der vermeintlich einfacheren Lösung, dem Rauswurf, werden gewarnt: "Sie spielen mit dem Feuer, das sie eigentlich löschen sollten."

Die Sächsische Zeitung vermutet indes, dass sich die politische Elite Griechenlands darauf verlässt, "dass die anderen Euro-Mitglieder sie aus Angst vor einem Zerfall der Währungsunion nicht zum Austritt zwingen werden". Doch Europa dürfe sich nicht "durch das Heraufbeschwören von Ansteckungseffekten erpressen lassen", schreibt das Blatt. Die Stabilität einer Währung hänge von Vertrauen ab. Das entstehe nur, "wenn die Glaubwürdigkeit von Vereinbarungen erhalten bleibt." Und fehlende Reformschritte, so vermutet das Blatt, werden vielleicht ausbleibende neue Kredite zur Folge haben.

Den "Reformstau" an der Wurzel packen, das fordern die Stuttgarter Nachrichten. Die eigentlichen Ursachen der griechischen Misere lägen im politischen System: "Die Krise wurzelt in den Klientelstrukturen, diesem Korsett aus Korruption und Gefälligkeiten". Jede Veränderung werde so seit Jahrzehnten verhindert. Um die Probleme zu lösen, müssten die griechischen Politiker wagen, "diese Strukturen zu zerschlagen".

Ähnlich sieht es die Leipziger Volkszeitung. In Deutschland und beim IWF setze sich langsam "die Erkenntnis durch, dass der Kollaps nicht aufzuhalten ist". Seit das griechische Desaster vor zweieinhalb Jahren offen zutage trat, ist in Athen wenig bis nichts passiert, schreibt das Blatt. Wurzel der Krankheit ist demnach "der grotesk aufgeblähte Staatsapparat", der "immer noch zu nichts zu gebrauchen" sei.

Ein Staatsbankrott und der Euro-Rauswurf der Griechen wären ein teures Experiment, warnen die Westfälischen Nachrichten. Der Bundeswirtschaftsminister mache es sich zu einfach, wenn er behauptet, Athens Rückkehr zur Drachme sei längst eingepreist. "Der nette Herr Rösler hat mit seiner Plauderei einzig der Unruhe an den Märkten Vorschub geleistet", wird schlicht bilanziert.

Quelle: n-tv.de

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