Politik

Eindämmung der Lebensmittelverschwendung: "Kommt auf jeden einzelnen an"

Lebensmittel sind wertvoll - erst recht, weil Millionen Menschen auf der Erde hungern. Trotzdem wirft jeder Bundesbürger im Jahr 82 Kilo Nahrung weg, wie eine Studie ergibt. Der Kampf gegen die Verschwendung beginnt für die Kommentatoren der Presse am heimischen Kühlschrank. Doch nicht nur die Verbraucher müssen umdenken.

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Der Berliner Tagesspiegel blickt kritisch auf die vorgestellte Studie: "Die Verschwendung ist gigantisch: Elf MillionenTonnen Lebensmittel landen jedes Jahr in Deutschland im Müll. Schuld daran sind, wie die Studie der Universität Stuttgart zeigt, vor allem die Verbraucher. Denn deutlich mehr als die Hälfte dieser 'Abfälle' entstehen in Privathaushalten. Nun will Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner eine Kampagne starten, um die Bürger darüber aufzuklären, wie man richtig mit Lebensmitteln umgeht. Doch hat die Politik wenig Chancen gegen den Handel, der die Kunden mit immer neuen Tiefstpreisen lockt. (...) Wahrscheinlich müssen es die Menschen deutlich im Portemonnaie spüren, dass sie verschwenderisch mit Lebensmitteln umgehen. Vorher werden die Müllberge nicht schrumpfen".

"Wer die Ursache für die Verschwendung allein darin sieht, dass Lebensmittel in Deutschland vergleichsweise billig sind, macht es sich zu leicht", schreibt die Märkische Allgemeine aus Potsdam. "Als wäre es ein Gütesiegel für eine Gesellschaft, dass sich nur Besserverdiener gut ernähren könnten. Stattdessen sollte man den Begriff 'Mindesthaltbarkeitsdatum' überdenken. (...) In den USA und England steht auf dem Joghurtbecher 'Best before' und vermittelt, dass der Inhalt vor dem Datum am besten schmeckt, aber auch danach immer noch genießbar ist. So lässt sich vielleicht manch ein Verbraucher vom voreiligen Gang zur Mülltonne abhalten."

Für die Ludwigsburger Kreiszeitung fängt das Gegensteuern beim Konsumenten an: "Jeder Verbraucher muss erst einmal mit sich selbst ins Gericht gehen, ob er mit Lebensmitteln richtig umgeht. Aufklärungskampagnen, wie sie Aigner plant, sind dabei sicher hilfreich. Gleichwohl ist bemerkenswert, dass die Ministerin sich so stur weigert, den irrigen Begriff 'Mindesthaltbarkeitsdatum' endlich von den Verpackungen zu verbannen und durch eine logischere Formulierung zu ersetzen. Das hinterlässt den Eindruck, dass sich die Ministerin mit der so mächtigen Lebensmittelindustrie nicht wirklich anlegen will. Wirtschaft und Handel profitieren schließlich davon, dass viele Verbraucher die Angabe missverstehen. Das darf man nicht ignorieren. Wer wirklich einen Mentalitätswechsel will, muss auch hier ansetzen".

Das Delmenhorster Kreisblatt nimmt die Nahrungsmittelindustrie ins Visier: "Schließlich müssten auch der Handel und die Lebensmittelindustrie für eine Lösung des Müllproblems ihren Teil beitragen. So hat zum Beispiel das Statistische Bundesamt berechnet, dass bis 2030 81 Prozent der Haushalte in Deutschland aus nur einer oder zwei Personen bestehen werden. Auf diese Single-Haushalte muss sich der Handel einstellen und entsprechende Portionen bei verpackten Lebensmitteln anbieten".

Für den Mannheimer Morgen kommt es am Ende "auf jeden einzelnen von uns an": "Kaufe ich lieber häufiger ein, dafür aber auch nur das, was ich tatsächlich benötige? Entscheide ich mich im Zweifel für die kleinere, dafür etwas teurere Packung als für den vermeintlich billigeren großen Topf mit Joghurt, der irgendwann doch halbvoll in den Abfalleimer wandert? Bin ich bereit, gezielt Lebensmittel aus der Region zu kaufen, weil das Transporte spart und bei fast jedem Transport Ware so beschädigt wird, dass sie nicht mehr verkauft werden kann? Möglichkeiten, bewusster einzukaufen, gibt es genug. Man muss es nur wollen".

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Quelle: n-tv.de

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