Politik

US-Vorwahlauftakt in Iowa: "Nicht der 'liebe Gott' wird entscheiden"

Bei der ersten Vorwahl muss sich der Skandal-Kandidat und vermeintliche Favorit Donald Trump dem erzkonservativen Ted Cruz geschlagen geben. Sicher ist in diesem Wahlkampf bislang also nur, dass noch nichts sicher ist - darin ist sich die Presse einig.

Bei der ersten Vorwahl in Iowa muss sich Skandal-Kandidat Donald Trump dem erzkonservativen Senator Ted Cruz geschlagen geben. Dabei galt er in bisherigen Umfragewerten als Favorit der republikanischen Wählerschaft. Neben den beiden Hardlinern kann auch der als gemäßigt geltende Marco Rubio entscheidende Wählerstimmen für sich gewinnen und wird insgeheim als aussichtsreichster Kandidat gehandelt. Das Wahlergebnis der Demokraten hält auch eine Überraschung bereit und wird gar per Münzwurf entschieden. Außenseiter Bernie Sanders scheint Hillary Clinton gefährlicher zu werden, als man ihm ursprünglich zugetraut hatte. Sicher ist in diesem Wahlkampf bislang also nur, dass noch nichts sicher ist - darin ist sich die Presse einig.

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"Die bange Frage, wer unter den vielen republikanischen Kandidaten den eher moderaten Konservativismus verkörpern soll, hat in Iowa plötzlich eine Antwort, ein Gesicht und einen Namen bekommen", meldet der Tagesspiegel. Und weiter:  "Der Druck, der von nun an auf den anderen etablierten Republikaner lastet - Jeb Bush, John Kasich und Chris Christie -, zugunsten von Marco Rubio das Handtuch zu schmeißen, ist groß. Zumal Rubio der einzige ist, der in Umfragen gute Chancen hat, Hillary Clinton zu besiegen. Spätestens ab Iowa stehen republikanische Wähler vor der Alternative: Wollen sie die dröhnende reine Lehre (Cruz, Trump) zum Preis der Niederlage oder die Aussicht auf einen Wahlsieg bei den Präsidentschaftswahlen (Rubio)?"

Auch die Westfälischen Nachrichten sehen in dem drittplatzierten Marco Rubio einen heimlichen Gewinner: "Es war klar, dass der erzkonservative Ted Cruz im evangelikalen Milieu Iowas gut ankommt. Doch die Selbstverständlichkeit seines Siegs ist fraglos ein erster Dämpfer für Donald Trumps Aufstieg. Platz zwei - das passt nicht zu dessen aufgepumpter Hau-Drauf-Kampagne. Schon steht ein Fragezeichen hinter der Treue von Trumps Anhängerschaft. Lachender Dritter beim Wettlauf der beiden wutschnaubenden Anti-Establishment-Zugpferde könnte Marco Rubio werden. Der smarte Newcomer hätte das Zeug zum Barack Obama der Republikaner."

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"Donald Trump der Gewinner, der kraftvolle Leader - so inszeniert sich der Präsidentschaftskandidat der Republikaner am liebsten. 'Wenn ich Präsident bin', sagt Trump, 'werden wir so viel gewinnen, dass euch vom Gewinnen ganz langweilig werden wird.' Auf diese Langeweile muss der Milliardär nach den Vorwahlen in Iowa erst einmal warten", bemerkt die Hessische Niedersächsische Allgemeine und erklärt: "Trumps Anziehungskraft rührt aus der Unzufriedenheit der amerikanischen Gesellschaft, die Wut der kleinen Leute auf die Politiker in Washington. Das bugsierte ihn in den Umfragen an die Spitze. Aber es hat sich wieder gezeigt: Nichts ist so unsicher wie die Vorhersagen der Wahlinstitute. Reicht das Potenzial der Unzufriedenen für einen Trump-Sieg? Die vorläufige Antwort aus Iowa lautet Nein. So ist der Startschuss zum Durchmarsch in das Weiße Haus vorerst nur ein Rohrkrepierer."

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Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht in beiden Lagern noch nichts entschieden: "Hillary Clinton bekommt die Kandidatur der Demokraten nicht auf dem Silbertablett geliefert; sie muss kämpfen, obschon ihr Gegner nicht wie 2008 Obama ist, sondern ein bis vor kurzem weithin unbekannter älterer Herr. Und vielleicht wird die E-Mail-Affäre sogar noch zum reißenden Strudel." Leichte Vorteile bei den Republikanern räumt das Blatt dennoch den Hardlinern Trump und Cruz ein: "Bei den Republikanern läuft es auf einen Dreikampf hinaus, auf einen brutalen Kultur- und Klassenkampf, der, mit Vorteilen für das Lager der radikalen Kräfte, die Zerrissenheit der Partei widerspiegelt. Nicht der 'liebe Gott' wird entscheiden, wer der Sieger in diesem Kampf sein wird."

"Die gute Nachricht: Donald Trump ist nicht unbesiegbar", verkündet der Kölner Stadt-Anzeiger und fährt fort: "Seine Hetztiraden fanden weniger Zustimmung als erwartet. Die schlechte Nachricht: Die Ideen von Ted Cruz, dem Sieger der Vorwahl, sind ähnlich gefährlich. Der Texaner befindet sich auf einem Kreuzzug gegen die Moderne. Auf der anderen Seite laufen viele Demokraten zu Bernie Sanders über und wollen von der Politik der etablierten Hillary Clinton nichts wissen." Dass Radikalität und Inhaltsleere die politische Debatte in Amerika dominieren, lasse sich erklären, so das Blatt: "Vor allem die weiße Mittelschicht in den USA leidet immer noch an den Folgen der Finanzkrise. Doch in Notzeiten auf das Extrem zu setzen, hat sich noch nie ausgezahlt. Und das gilt für das rechte wie das linke Extrem."

Zusammengestellt von Lara Dalbudak

Quelle: n-tv.de

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