Politik

Griechen touren durch Europa: "Randale eines Alkoholkranken"

"Polit-Rocker" Varoufakis wirbt in Berlin für eine Erleichterung des griechischen Schuldenabbaus und Finanzminister Schäuble lässt ihn tiefenentspannt abblitzen. Die neue Regierung in Athen bleibt in der Bredouille. Jetzt ist es an Tsipras, Mut zu beweisen.

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"Die Europa-Tournee der griechischen Polit-Rocker gleicht immer mehr der Randale eines Alkoholkranken, dem die Mutter zum ersten Mal nicht wieder heimlich Likör ans Bett gestellt hat. Aber hat das griechische Volk nicht demokratisch beschlossen, dass es noch viel stärker beliefert werden muss? Wenigstens noch einen Überbrückungskredit, bis Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis die drängendsten Probleme im Land geklärt haben? Ganz bestimmt? Nur noch einmal?" Nein, meinen Hessische und Niedersächsische Allgemeine, Verträge seien einzuhalten. Und zwar nicht, weil "Deutschland seine Nazivergangenheit nicht überwunden hätte, sondern weil auch estnische Rentner und slowakische Arbeitslose kein Interesse daran haben, reichen Griechen das Steuerzahlen und dem Land eine seriöse Regierungsführung abzunehmen. Links-rechte Wahlkampfsprüche hin oder her, Griechenland muss liefern. Seine Partner haben es längst getan."

"Auf den Nerven der Euro-Partner herumzutrampeln ist kein Exklusivrecht der Halbstarken in Athen. Das können auch die anderen. Jetzt schlägt das Euro-Imperium zurück. Das Ultimatum der EZB, griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit gegen Bares zu akzeptieren, war ein Wirkungstreffer." Deswegen sei Finanzminister Varoufakis angezählt nach Berlin gereist, kommentiert der Münchner Merkur. In Berlin vermuteten die Griechen "die Drahtzieher des mit Rom, Paris, Brüssel und Frankfurt abgestimmten Gegenschlags", und "weil die Griechen zuvor schon in Rom, Paris und Brüssel abgeblitzt waren, konnte Schäuble (…) den tiefenentspannten Gastgeber mimen. Und Geld gab's sowieso keins."

Aber auch der deutsche Finanzminister befinde sich in einem Dilemma, meint die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg: "Ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland würde diesmal im Bundeshaushalt wirksam. Es wäre den Steuerzahlern hierzulande kaum vermittelbar, dass sie die Wahlgeschenke von Tsipras bezahlen sollen. Damit würde die CDU der eurokritischen AfD die Wähler regelrecht zutreiben. Außerdem kann Schäuble auf europäischer Ebene keinen griechischen Präzedenzfall zulassen." Denn Spanien, Portugal und Irland fühlten sich düpiert und Frankreich und Italien ermutigt. Für den Euro wäre das "der Glaubwürdigkeitsbankrott".

"Allein wird sich Griechenland nicht am Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen können. Deshalb muss Athen zügig entscheiden, ob es die bisherigen Regeln des Rettungskonzeptes anerkennt." Jetzt müsse Alexis Tsipras Mut beweisen, so die Westfälischen Nachrichten aus Münster, denn er müsse eingestehen, "dass er die teuren Wahlversprechen nicht einhalten kann."

Quelle: n-tv.de

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