Kampfkandidatur in NRWRöttgen geht "voll auf Risiko"
Röttgen will CDU-Landeschef in NRW werden. Mit seiner Entscheidung geht er ein hohes Risiko ein. Sollte er gewinnen, würde er aber auf jeden Fall eine strahlen lassen - Kanzlerin Merkel.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat seine Kandidatur als Landeschef der CDU in Nordrhein-Westfalen bekannt gegeben und tritt damit gegen den Ex-Integrationsminister Armin Laschet an. Mit seiner Entscheidung geht er ein hohes Risiko ein, denn der Ausgang der Wahl ist alles andere als sicher. Ein Sieg würde aber auf jeden Fall eine strahlen lassen - Kanzlerin Merkel.
Bisher stand für Röttgen eine Karriere als Landespolitiker nicht zur Debatte, er strebte in Berlin nach Höherem. "Schon deshalb wird er vor den Mitgliedern Farbe bekennen müssen", so die Augsburger Allgemeine. "Ist er bereit, die CDU nicht nur als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl zu führen sondern im Falle einer Niederlage auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu kommen?" Für einen, dessen Ambitionen auf Bundesebene unverkennbar waren keine besonders reizvolle Alternative. "Dieses Risiko aber wird Röttgen eingehen müssen - ob er will oder nicht."
"Röttgen hat lange gezögert, jetzt ist er gesprungen. Wohin, das weiß er noch nicht." Auch der General-Anzeiger (Bonn) sieht ein hohes Risiko für Röttgen, "weil er nicht nur Vorsitzender sondern auch Spitzenkandidat, also Ministerpräsident, werden will. Den wählt der Landtag aus seiner Mitte. Das heißt: Ist Röttgen erfolgreich, wird es zunächst einmal vorbei sein mit der Bundespolitik. Der Wechsel von Berlin nach Düsseldorf wäre ein kompletter. Der nicht mehr ganz junge Jungstar der CDU weiß das und hat deshalb solange gezögert. Würde er sich nur halbherzig engagieren, hätte er schon verloren. So hat er eine Chance."
Die Märkische Allgemeine (Potsdam) ist da anderer Meinung. "Mangelnden Mut" möchte die Zeitung dem Bundesumweltminister zwar nicht vorwerfen, denn "obwohl ihm bei der anstehenden Entscheidung über die Laufzeiten der Atomkraftwerke bereits eine schwere innerparteiliche Auseinandersetzung bevorsteht, stürzt er sich nun auch noch in einen anderen Kampf." Aber es ist ein Kampf, den er aus jetziger Sicht nicht gewinnen könne. "Denn die wichtigsten CDU-Landespolitiker haben sich in NRW bereits darauf geeinigt, dass Ex-Integrationsminister Armin Laschet den Posten übernehmen soll. Röttgen, der als Bundesminister auch für die Reaktorsicherheit zuständig ist, geht nun in seiner persönlichen Karriereplanung voll auf Risiko."
"Sollte Röttgen es schaffen, Landesvorsitzender der NRW-CDU zu werden, dann könnte der 45-Jährige zum neuen Hoffnungsträger der Christdemokraten werden", analysiert die Neue Presse (Hannover), denn er hätte auf Bundesparteitagen ein Drittel der Delegierten hinter sich und könnte selbstbewusst auftreten. Aber Röttgens Kandidatur-Entscheidung ist riskant. "Sollte er scheitern, wäre seine Parteikarriere am Ende. Dem Juristen bliebe nur ein Wechsel in eine Anwaltskanzlei oder in die Wirtschaft."
Für die Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel wäre es von Vorteil, wenn auf Rüttgers Röttgen folgen würde, stellt die Wetzlarer Neue Zeitung fest: "Er ist ihr Vertrauter, und als NRW-CDU-Chef läge es nahe, dass er auch auf Bundesebene ihr Vize würde. Ein Gegenpol zum ungeliebten Stefan Mappus aus Baden-Württemberg, der Mann des konservativen Flügels der Christdemokraten mit Ambitionen auf einen Stellvertreterposten. In seiner Anti-Haltung zum Modernisierungskurs der Partei hätte es Mappus dann mit Merkel und Röttgen zu tun."