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Obamas Wahlsieg in den USA: Romney "falscher Mann zur richtigen Zeit"

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Wahltriumph für Barack Obama: Trotz hoher Arbeitslosigkeit und mauer Konjunktur wird der US-Präsident für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Seinen Wahlsieg begleiten weltweit hohe Erwartungen: Syrien, Iran und der Nahostkonflikt sind die drängendsten Probleme - aber auch mehr Engagement in der Klimapolitik wird angemahnt. Zudem muss der alte und neue US-Präsident sein Land zusammen mit der Opposition vor einem finanzpolitischen Abgrund bewahren. Sebastian Schöbel von n-tv.de setzt auf Obama und auch die Kommentatoren der deutschen Presse glauben an ihn: Sie sehen in dem Sieg eine zweite Chance für den ersten schwarzen US-Präsidenten. Er sollte sie ergreifen.

Für die Zeit stand Barack Obamas Sieg "nicht im Programm": "Eigentlich hätte er von einem Erdrutsch begraben werden müssen - wie immer, wenn die Wirtschaft mies, die Arbeitslosigkeit hoch ist - siehe Jimmy Carter, der 1980 von Ronald Reagan nach Georgia vertrieben wurde. Diesmal funktionierte das Gesetz der Geldbörse nicht, auch nicht nach vier Jahren festgeschweißter Arbeitslosigkeit". Ursache dafür, dass die Wirtschaft bei der US-Wahl 2012 nicht als Schicksal wirkte, ist für die Kommentatoren aus Hamburg "Verlierer Romney": "Er war der falsche Mann zur richtigen Zeit, einer, der die Glücklosigkeit des Präsidenten nicht in Eigenkapital umwandeln konnte".

Die Nürnberger Nachrichten konstatieren: "Obama hat große Ziele, aber auch enorme Bürden. Er wird sich seinen zur Unzeit verliehenen Friedensnobelpreis nachträglich verdienen wollen. Er wird alles tun wollen, um das geteilte Land wieder zu einen. Große Präsidenten werden stets in der zweiten Amtszeit gemacht". Doch die Hürden für Obama sind nach Ansicht des Blattes hoch: "Die USA leiden unter einer schlimmeren Verschuldung als ganz Europa. Obamas Spielraum ist gering. Immerhin ist ein Rückfall in den Neokapitalismus vermieden worden". Und allein dies, so die Kommentatoren, "ist eine gute Nachricht nicht nur für die USA, sondern für die Welt".

Mit Blick auf die tiefen Gräben zwischen US-Demokraten und US-Republikanern schreibt der Kölner Stadtanzeiger: "So unmöglich es scheint, dieses Schisma zu überwinden, so dringend müssen Demokraten und Republikaner zusammenarbeiten - zumal erneut je eine der Parteien die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat gewonnen hat. Gelingt es nicht, sich beim Haushalt zu einigen, drohen Stillstand und Rezession, mit schlimmen Folgen für die Weltwirtschaft. Obama muss von seinem hohen Ross als präsidialer Besserwisser herunter und sich um bessere persönliche Kontakte bemühen. Vor vier Jahren wurde Obama als Messias gewählt, jetzt als ganz normaler Politiker. Er hat keine überhohen Erwartungen geweckt, an denen er nur scheitern kann. Darin liegt nun seine Chance".

Die Dithmarscher Landeszeitung aus Heide sieht in der zweiten Chance für Obama auch eine zweite Chance für die USA: "Gelingt es dem Präsidenten, sein Land im Innern zu versöhnen, werden die Vereinigten Staaten wie ein Phönix aus der Asche auferstehen".

So optimistisch wie die Dithmarscher Landeszeitung sind die niedersächsischen Kollegen der Landeszeitung aus Lüneburg nicht: "Schon sein erstes Wahlversprechen wird Obama brechen müssen. Es liegt nicht mal in der Macht des mächtigsten Mannes der Welt, die zersplitterten Staaten von Amerika zu einen. Er wäre sogar schlecht beraten, weiter zu versuchen, die Tea-Party-Betonköpfe der Republikaner mit Kompromissangeboten zu erweichen". Sinnvoller wäre es nach Ansicht des Blattes, "diese schon bei den anstehenden Steuerverhandlungen vor sich herzutreiben, um den US-Wählern klar zu machen, wer für die politische Lähmung verantwortlich ist. Seine wichtigste Aufgabe ist aber, den Trend zur De-Industrialisierung der USA zu stoppen". Denn: "Ein Imperium kann die ökonomische Basis seiner Macht nicht bewahren, indem sich die Bürger vorm Wal-Mart gegenseitig die Einkaufstüten zum Wagen schleppen".

Die Aussicht auf eine vereinte Nation ist auch für die Heilbronner Stimme gering": Die USA sind ein zerrissenes Land. Hier das liberale Lager um Obama, dort teilweise reaktionär-erzkonservativ auftretende Republikaner". Das Land zu versöhnen sei die größte Herausforderung von Obama, so der Kommentar aus Baden-Württemberg. Doch: "Die Hoffnung auf eine gemeinsame amerikanische Familie scheint dabei (…) nur schwer umsetzbar".

Mit Blick auf das Weltgeschehen schreiben die Westfälischen Nachrichten aus Münster: "Nachdem sich die USA ein Jahr mit sich selbst beschäftigt haben ist nun mit neuen außenpolitischen Akzenten zu rechnen. Arabischer Frühling, Syrien-Krise, Iran, der Nahost-Konflikt generell - will Obama sich einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern, muss er auch hier mehr Profil zeigen".

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Quelle: n-tv.de

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