Politik

Olympische Winterspiele in Sotschi: "Terror droht"

Homophobe Gesetzgebung, Terrorgefahr und die politische Agenda Putins: Über die Olympischen Winterspiele in Sotschi wurde viel diskutiert. Nun steht ihre Eröffnung kurz bevor - Grund genug für die deutsche Presse, das Großereignis nochmals kritisch zu betrachten.

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Die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt: "Bei den Olympischen Spielen in Sydney marschierten Athleten und Funktionäre Süd- und Nordkoreas unter gemeinsamer Flagge ein. Die Welt hielt den Atem an und war gerührt, Korea hat es nicht weitergebracht. Olympia ist ein Spiel mit Visionen, Emotionen und Kalkulationen. Die beiden großen Lügen sind, dass die Spiele nichts mit Geld und nichts mit Politik zu tun haben." Für das niedersächsische Blatt steht fest: "Es ist die teuerste Sportveranstaltung aller Zeiten. Und es ist eine riesige Propagandaveranstaltung für das System Putin, mit dem Deutschland übrigens gerne Geschäfte in veritabler Größenordnung macht."

Auch Der Neue Tag hinterfragt Präsident Putins Beweggründe für die Ausrichtung von Sotschi: "Es ist sein Masterprojekt, mit dem er der Welt Russland als omnipotente Nation präsentieren will. Internationale Kritik ficht den Präsidenten nicht an." Gleichzeitig thematisiert die Zeitung aus Weiden die Terrorgefahr, mit der der russische Machthaber "seine" Olympischen Spiele konfrontiert sieht: "Er fürchtet in diesen Tagen nur den Terrorismus. Extremisten könnten ihm - trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen - einen Strich durch die Rechnung machen. Von heiteren Winterspielen wie in Vancouver (2010) oder Lillehammer (1994) ist Sotschi zu Beginn der Spiele Lichtjahre entfernt."

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi werden von strengen Sicherheitsvorkehrungen und hohem Polizeiaufkommen begleitet.
Die Olympischen Winterspiele in Sotschi werden von strengen Sicherheitsvorkehrungen und hohem Polizeiaufkommen begleitet.(Foto: imago/GEPA pictures)

Die Westdeutsche Zeitung geht noch einen Schritt weiter und begründet die Terrorgefahr für Sotschi mit der vordergründig politischen Agenda Wladimir Putins: "Die Gefahr liegt in diesem Olympia von Sotschi begründet. Ein Sportfest, das die Politik als Bewohner ins Haus gelassen hat und die Sportler allenfalls mal als Besucher hineinlässt." Weiterhin beschreibt das Blatt anschaulich, wie sehr das Bild der friedlichen Winterspiele bereits vor ihrem Beginn getrübt ist: " Die USA haben zwei Kriegsschiffe ins Schwarze Meer verlegt, obgleich Olympia als völkerverbindendes Fest des Friedens gilt. Das deutsche Bundeskriminalamt gibt den Athleten Leitfäden an die Hand. Motto: Wie rette ich bei Olympia mein Leben? Die spannungsgeladenen ehemaligen Sowjetrepubliken liegen nicht fern, Terror droht."

Im Gegensatz dazu beschäftigt sich die Aachener Zeitung mit der Frage, inwiefern die Sportler selbst Stellung zu dem menschenverachtenden Verhalten im Gastgeberland nehmen sollten: "Was sollen diese mutigen Repräsentanten der guten Sache im Zeichen der Ringe denn sagen? (...) Nein: Wir können nicht von den Sportlern verlangen, was wir selber auch nicht leisten, wenn wir unsere Urlaube in Kenia, China, Dubai oder Thailand verbringen. Da protestiert kein demokratischer Tourist all inclusive am Swimmingpool seiner Fünf-Sterne-Anlage für die Menschenrechte afrikanischer oder asiatischer Einwohner. Also lassen wir die Aktiven in Ruhe und zittern mit ihnen um die Medaillen. Den Funktionären muss man auf die Füße treten."

Zusammengestellt von Anika Friese

Quelle: n-tv.de

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