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Bewaffnete Drohnen könnten zukünftig auch im Auftrag der Bundeswehr Kampfeinsätze gegen Bodenziele fliegen.
Bewaffnete Drohnen könnten zukünftig auch im Auftrag der Bundeswehr Kampfeinsätze gegen Bodenziele fliegen.(Foto: dapd)

Kampfdrohnen für die Bundeswehr: "Töten wird lediglich anonymer"

Die Bundesregierung sorgt mit ihrer Ankündigung, die Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen ausstatten zu wollen, für heftige Kritik. Bislang werden die unbemannten Fluggeräte nur zum Spähen eingesetzt. Der Kurswechsel wird mit dem Nutzen einer "glaubhaften Abschreckung" begründet. Kritiker fürchten jedoch, dass die ferngesteuerten Waffen die Schwelle zum Töten senken. Die Opposition hegt rechtliche sowie ethische Bedenken und fordert eine öffentliche Diskussion. Auch die deutsche Presse äußert sich kritisch.

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"Die Gefahr, dass unschuldige und unbeteiligte Zivilisten ums Leben kommen, ist sehr hoch", schreibt der Mannheimer Morgen und begründet: "Für die am Monitor sitzenden Soldaten ist es oft sehr schwer, zu erkennen, wer Feind und wer kein Feind ist, zumal sie in Sekunden entscheiden müssen, ob sie feuern oder nicht." Ungeklärt seien auch die völkerrechtlichen Aspekte der zunehmenden Drohneneinsätze. "Die Bundesrepublik Deutschland sollte daher mehr Zurückhaltung an den Tag legen", so die Zeitung weiter. Die Bundeswehr brauche nicht jede Waffe, die zurzeit erhältlich sei, vor allem da in diesem Jahr der Rückzug aus Afghanistan beginne. "Sauberer wird der Krieg durch die Drohnen nicht, das Töten wird lediglich anonymer", kommentiert die Zeitung abschließend.

Die Märkische Allgemeine äußert sich weniger kritisch: "Die Drohnengegner führen die Debatte vor allem deshalb so leidenschaftlich, weil jeder automatisch Bilder vor Augen hat, wie amerikanische Killermaschinen angebliche Terrorkommandos aus der Luft jagen. Das aber wäre der Parlamentsarmee Bundeswehr verboten." Stattdessen fragt sie: "Will man den eigenen Soldaten, die in Auslandseinsätzen wie in Afghanistan ihren Kopf riskieren, Unterstützung aus der Luft verweigern, die auch ihr Leben schützen kann?" Bevor das ferngesteuerte Kriegsgerät jedoch zum Einsatz komme, solle geklärt werden, "wie Kampfdrohnen im Ernstfall eingesetzt werden sollen."

"Wer an Zufälle glaubt, sollte sich aus der Verteidigungspolitik heraushalten. Denn da muss strategisch gedacht und mit Kalkül gehandelt werden", schreibt die Nürnberger Zeitung und kommentiert, es könne kein Zufall sein, "dass gestern gleichzeitig von der Kürzung des Wehretats und von der Anschaffung bewaffneter Drohnen die Rede war." Die Rüstungsindustrie habe offenbar nur auf solch eine Gelegenheit gewartet: "Die EADS-Tochter Cassidian hält eine Serienfertigung bewaffneter leichter Drohnen in Kürze für möglich. Kann es sein, dass dann bald nicht mehr nur U-Boote und Panzerfahrzeuge deutsche Exportschlager sind?"

Die Rhein-Neckar-Zeitung kommentiert, die Kritik am Rüstungsvorhaben der Bundesregierung sei rein pazifistischer Natur: "Kommt es in ethischer Hinsicht darauf an, dass das Opfer seinem Mörder gegenübersteht? Ist es wichtig, dass der Täter die direkte Wirkung seines Handelns erlebt? Eigentlich nicht. Und so wird sich die Grenze zwischen Befürwortern und Gegnern der bewaffneten Drohnen identisch ausnehmen wie die Grenze zwischen Kriegsbefürwortern und Pazifisten."

Die Bundeswehr achte gerne darauf, stets das neueste Material zu haben, während die Die Politik wiederum darauf achte, "dass die Bundeswehr dem Krieg nicht zu nahe kommt", schreibt die Saarbrücker Zeitung und fügt hinzu: "Sie nennt das die deutsche Kultur der Zurückhaltung - abzulesen am Verhalten der Bundesregierung im Fall Libyen und aktuell wieder in Mali. Die bewaffnete Drohne ist, sarkastisch ausgedrückt, der beste Kompromiss zwischen beiden Interessen."

Quelle: n-tv.de

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