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Desaster in Duisburg"Trio infernale der Verharmlosung"

26.07.2010, 20:54 Uhr

Konsequent legen die Loveparadeveranstalter Ahnungslosigkeit und Verharmlosung an den Tag. Die Sicherheitsvorkehrungen haben sie jedoch sträflich vernachlässigt.

Bei der Loveparade in Duisburg sind beim Ausbruch einer Massenpanik 20 Menschen ums Leben gekommen, 511 Besucher wurden verletzt. Es herrscht Trauer und Entsetzen über dieses tragische Unglück. Seitens der Veranstalter herrscht zudem konsequente Ahnungslosigkeit und Verharmlosung. Dabei ist vielen klar, dass Stadt und Veranstalter die Sicherheitsvorkehrungen sträflich vernachlässigt haben müssen.

"Nichts sehen, nichts sagen, nichts hören: Man tut den drei Affen unrecht, wenn man sie weiter als Synonym für Ahnungslosigkeit strapaziert. Das neue Trio infernale der geballten Verharmlosung sitzt in Duisburg und nennt sich Krisenstab, Polizeipräsident und Bürgermeister", bewertet die eine Leipziger Volkszeitung das Verhalten der Verantwortlichen. Immerhin könne der Bürgermeister verstehen, "dass es nach dem Todesdrama im Tunnel zur Loveparade Rücktrittsforderungen gibt." Doch der wolle das aussitzen und im Amt bleiben. "Donnerwetter! (…) Welch ein Tatendrang am Tag Zwei nach der Katastrophe."

Die Kieler Nachrichten erinnern daran, dass "Massenpaniken auf Großveranstaltungen ohne erkennbaren Grund ausbrechen" könnten. Aus diesem Grunde sei immer "Vorsorge für den Eventualfall zu treffen". In Duisburg sei das jedoch nicht passiert. Dabei würden sich die Hinweise mehren, "dass Stadt und Veranstalter die Sicherheitsvorkehrungen sträflich vernachlässigt haben". Ganz abgesehen davon gebe es "neben der strafrechtlichen Verantwortung auch eine moralische: Wenn die Verfehlungen der kommunalen Behörden so offenkundig sind wie im Fall Duisburg, dann sollte ein Bürgermeister mit persönlichen Konsequenzen nicht bis zum Abschluss der Ermittlungen warten. Es wäre nicht zuletzt ein sichtbares Zeichen des Mitgefühls mit den Trauernden, wenn Adolf Sauerland sofort zurückträte."

Auch die Westfälischen Nachrichten schlagen einen ähnlich kritischen Ton an, wenn sie schreiben, dass direkt nach der Unglück von Duisburg "das eigentliche Trauerspiel begonnen" habe. Dabei handle es sich um einen "bizarren Mehrakter aus Anklagen, Beschuldigungen und Bezichtigungen von Fachleuten". Solche, die es gerne sein wöllten, spielen auch mit. Was das Blatt vermisst: Ein Innehalten. "Die 19 Toten, die nach der Katastrophe von Duisburg zu beklagen sind, stehen als anonyme Zahl im Raum. Dabei wäre es jetzt an der Zeit, Angehörigen und Freunden Zeit zu lassen, um die Ereignisse zu verarbeiten. Es wäre die passende Gelegenheit, um in aller Stille zu überdenken, in welchem Verhältnis Profit, Geltungsdrang und Risiko zueinander in unserer Gesellschaft stehen."

Die Badischen Neuesten Nachrichten fragen sich indes, warum die Loveparade überhaupt stattgefunden hat, stattfinden durfte. Denn "wer je die Loveparade verfolgt hat - live oder auch nur im Fernsehen - der weiß, wie in der Feierlaune johlende Menschen außer Rand und Band geraten, wie sie Laternen erklimmen, sich und andere gefährden. Oder schlicht vor Durst und Ermattung erschöpft zusammenbrechen." Einer derartigen Masse müsse viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Städte Berlin und Bochum hätten das in den vergangenen Jahren erkannt. "War das nicht Warnung genug?"

Die Ostsee-Zeitung fragt dagegen, ob man die Loveparade denn jetzt überhaupt für immer absagen müsse. Die Entscheidung sei zwar "unter dem Eindruck des Grauens und der Trauer" und "unter dem Druck, der sich vor dem Veranstalter immer mächtiger aufgebaut hat", verständlich. Jedoch sei sie laut dem Blatt aus Rostock nicht zwingend und vergleicht: "1985 wurden im Brüsseler Heysel-Stadion beim Europacup-Finale 39 Menschen zu Tode gequetscht und 400 verletzt, vor zehn Jahren starben beim Festival in Roskilde neun Menschen vor der Bühne, aber es wird nach wie vor Fußball in den Stadien gespielt und es gibt nach wie vor Festivals." Solche Katastrophen seien nicht komplett vermeidbar. "Aber man muss aus ihnen lernen. Das allerdings konsequent."

Quelle: Zusammengestellt von Julia Kreutziger