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ETA-Terror auf Mallorca"Verbrechen weniger Fanatiker"

10.08.2009, 20:59 Uhr

Eine erneute Anschlagserie der ETA hat die Ferieninsel Mallorca erschüttert. Die Presse ist sich einig: Der ungebrochene Tourismus auf der Insel ist die einzig richtige Reaktion, denn eine Flucht der Urlauber würde einem Sieg der ETA gleichkommen.

Eine erneute Anschlagserie der ETA hat die Ferieninsel Mallorca erschüttert. Dass viele Urlauber dem Terror desinteressiert gegenüberstehen, wertet die Presse als "trauriges Zeichen". Der ungebrochene Tourismus auf der Insel aber ist die einzig richtige Reaktion, denn eine Flucht der Urlauber würde einem Sieg der ETA gleichkommen.

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Auf Mallorca gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. (Foto: dpa)

Dass die ETA einmal großen Zuspruch in Spanien erhielt, ist für die Volksstimme kaum mehr nachvollziehbar. Allerdings war das auch "kurz nach ihrer Gründung vor 50 Jahren, als sich die Anschläge der baskischen Untergrundorganisation noch gegen die Franco-Diktatur richteten. Den moralischen Kredit hat sie längst verspielt. Restlos. Das liegt auch an Anschlägen wie jetzt auf Mallorca. Sie sind nicht weniger als ein Angriff auf die Lebensgrundlage vieler Menschen, den Tourismus. In der Wirtschaftskrise trifft sie die Anschläge besonders hart auch das wird Teil des ETA-Kalküls sein." Das Blatt aus Magdeburg ist daher nicht verwundert, dass die Solidarität mit den Terroristen selbst im Baskenland "auf ein Minimum" gesunken ist und die ETA nur noch als "ein Grüppchen Unbelehrbarer" wahrgenommen wird, die von ihrem Ziel eines unabhängigen Baskenlandes "weiter entfernt" sind als jemals zuvor. "Die Anschläge auf Mallorca sind daher kein Zeichen für ein Wiedererstarken der ETA. Im Gegenteil: Sie sind die Verbrechen weniger Fanatiker, und es ist fraglich, ob dieses Problem in einer offenen Demokratie jemals vollständig gelöst werden kann."

Die Kölnische Rundschau begrüßt es, dass die meisten Mallorca-Touristen "nicht in Panik geraten", wertet es aber gleichzeitig als "trauriges Zeichen …, dass sich kaum ein Reisender dafür interessiert, warum Bomben explodieren, Polizisten sterben, oder warum hunderttausende Spanier gegen die ETA auf die Straße gehen. So lange es für sie offenbar nicht wirklich gefährlich ist, fliegen die Deutschen auf ihre Lieblingsinsel. Klar ist: Ein Vergleich mit Ländern, die unter Attacken islamischer Extremisten leiden, verbietet sich. Mit diesen wollen die baskischen Kommandos nicht verglichen werden. Die ETA aber mordet im Namen ihres Unabhängigkeitskampfes von Spanien gezielt Polizisten und Politiker - dabei lehnt die große Mehrheit der Basken dies eindeutig ab. Dass Touristen in diesem Kampf weiter verschont bleiben, dafür gibt es keine Garantie. Doch gezielte tödliche Attacken auf Touristen würden der ETA in den Augen praktisch aller Basken ihre Legitimation als Freiheitskämpfer rauben. Und ohne Unterstützung wäre die ETA schnell am Ende."

"In der Vergangenheit haben die Unabhängigkeits-Terroristen der ETA stets betont, gegen den Staat vorgehen zu wollen, nicht aber gegen die Menschen. Eine blutige Spur von 830 Toten und über 2000 Verletzten spricht da eine andere Sprache", konstatiert die Westdeutsche Zeitung. "Und nun, wo sich die Bombenleger offensichtlich auf der Ferieninsel Mallorca festgesetzt haben, müssen eben Urlauber und Einheimische, die von den Urlaubern leben, dran glauben. Terror zerstört Vertrauen genau das beabsichtigen die Attentäter in ihrem Zynismus."

"Es gibt von Seiten der Bevölkerung schlicht keine bessere Reaktion auf Terrorakte, als sie zu ignorieren", findet die Financial Times Deutschland. "Das gilt für eine nationale Terrorgruppe mit eng eingegrenzten Partikularinteressen wie die spanische ETA ebenso wie für ein fundamentalistisches Netzwerk mit religiös-revolutionärem Anspruch wie al-Qaida. Was alle Terrororganisationen miteinander verbindet ist, dass der psychologische Effekt ihrer Aktionen weitreichender ist als der reale. Selbstverständlich muss ein Staat auf terroristische Gewaltakte reagieren und Folge-Anschläge möglichst verhindern. Alles andere wäre grob fahrlässig. Er tut aber gut daran, sich dabei auf kriminalistische Arbeit zu konzentrieren. Und, wie der spanische König, die Terroristen auf das zu reduzieren, was sie sind: gewöhnliche Verbrecher."