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(Foto: picture alliance / dpa)

Folgen der Terroranschläge: "Vergeltung ist keine Option"

Wieder töten islamistische Selbstmordattentäter im Herzen Europas. Nach der Zündung von drei Sprengsätzen in der Abflughalle des Brüsseler Flughafens Zaventem und der Metrostation Maelbeek zählen die Behörden mindestens 34 Tote - unter ihnen auch die Täter - und 130 Verletzte. Wie bereits bei den Anschlägen in Paris bekennt sich der IS zur Tat. Die Presse formuliert Folgen für die Sicherheitspolitik in Deutschland und der EU.

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"Der neunte Anschlag seit November 2015 versetzt Europa in Schockstarre", kommentiert die Landeszeitung aus Lüneburg. Die Zeitung fordert eine verstärkte internationale Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden: "Das Gefühl der eigenen Verwundbarkeit wird auch nicht gemindert durch die Erkenntnis, dass Länder wie Irak, Syrien und Nigeria weit stärker unter der Geißel des Terrors zu leiden haben. Doch es sollte zumindest den europäischen Sicherheitsbehörden zu der Erkenntnis verhelfen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Anschlagsgefahr national eingedämmt werden konnte. Wir müssen uns damit abfinden, in einer Ära des Terrors zu leben. Aber wir müssen uns darauf einstellen, indem wir uns nicht länger kleingeistig gegenseitig belauschen, um Vorteile zu erlangen. Es ist vielmehr an der Zeit, dass die gemeinsam herausgeforderten Sicherheitsorgane sich der globalen Bewährungsprobe gemeinsam stellen."

Der Tagesspiegel fordert eine Bekämpfung der Terror-Ursachen. Zur Frage, wie eine Antwort auf die Anschläge auszusehen habe, schreibt das Blatt: "Gewiss nicht, dass die Freiheiten, auf die wir mit Recht stolz sind, eingeschränkt werden. Sondern, dass wir sie entschlossen in die Welt tragen. Nicht hochfahrend, sondern verständig. Das heißt: Geboten ist eine Offensive - eine der Entwicklungszusammenarbeit. Genau dort, wo die Feinde der friedvollen, demokratischen Entwicklung zu Hause sind. Das kostet Zeit und Geld. Aber billig und schnell sind Lösungen nicht mehr zu haben. Vergeltung ist keine Option.

Die Welt lobt die Wehrhaftigkeit des deutschen Staates gegen Terrorbedrohungen - mit einer Ausnahme: "Deutschland hat nahezu alle Instrumente, die es zur Gefahrenabwehr braucht. Es hat den zeitlich eng begrenzten Sicherungsgewahrsam zur Abwehr unmittelbar drohender Straftaten. Wenn nötig, kann der Gewahrsam in eine Untersuchungshaft münden. Deutschland hat umfassende Straftatbestände für terroristische Vereinigungen, die vor nicht langer Zeit auf die Werbung für terroristische Gruppen ausgeweitet wurden und mithin nahe an die Strafbarkeit von Weltanschauungen kommen. Deutschland hat allerdings derzeit keine ausreichend ergiebige Vorratsdatenspeicherbank. Das ist eine mögliche Lücke, wenn man unter hohem Zeitdruck die Entwicklung von Kriminellen zu terroristischen Gefährdern nachvollziehen möchte. Aber davon abgesehen steht die Bundesrepublik gut vorbereitet da."

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hält ein hitziges Plädoyer für mehr Sicherheit, auch auf Kosten des Datenschutzes: "Die Forderung, endlich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Geheimdienste zu verbessern und routinemäßig relevante Daten zur Terrorabwehr auszutauschen, ist vernünftig. Mehr noch: Sie ist zwingend geboten. Wer diese Zusammenarbeit verweigert, handelt angesichts der terroristischen Bedrohung fahrlässig, wird im schlimmsten Fall faktisch zum Helfershelfer von Mördern. Und was für die europäische Ebene gilt, darf innerstaatlich nicht Tabu sein. Die bürokratischen und informationellen Mauern, welche die verschiedenen Sicherheitsbehörden voneinander trennen, nutzen in allererster Linie den Verbrechern. (...) Gerade weil so viele dschihadistische Reisekader unterwegs sind, dürfen die Sicherheitsbehörden sich nicht gegenseitig im Dunkeln lassen."

Der Kölner Stadt-Anzeiger beruft sich auf die Bibel und rät mit ihrer Lehre, die Terror-Logik zu durchbrechen: "Die Sinnspitze des christlichen Karfreitags ist die Umkehrung der Terror-Logik. Gewalt gebiert nicht neue Gewalt. Sie wird erlitten, auf denkbar grässliche Weise erlitten. Aber sie wird nicht weitergetragen. 'Durch sein Kreuz hat Christus den Tod überwunden.' Überwindung? Das sagt sich leicht - und ist angesichts der Toten von Brüssel kaum zu glauben. Aber vielleicht steckt die Ahnung eines anderen Miteinanders, eines neuen Lebens darin, die es sich in diesen (stillen) Tagen zu verfolgen lohnt."

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg.

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Quelle: n-tv.de

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