Politik
Freitag, 14. Oktober 2016

NSU-Spuren im Fall Peggy: "Zschäpe wird nichts beitragen"

Am Fundort der vor 15 Jahren verschwundenen und getöteten Schülerin Peggy machen die Ermittler eine überraschende Entdeckung: Auf einem Stück Stoff befinden sich DNS-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Die Kommentatoren der deutschen Presse warnen nach dem großen, wenn auch späten, Ermittlungserfolg vor allzu viel Euphorie - und erwarten weitere Erkenntnisse zum NSU.

"Sollte sich eine Verbindung zwischen dem NSU und dem Fall Peggy herstellen lassen, wäre das zwar ein großer, wenn auch später Ermittlungserfolg", befinden die Kommentatoren der Nürnberger Zeitung. Sie betonen jedoch auch, dass sich Polizei und Justiz zugleich fragen lassen müssten, "warum sie mögliche Querverbindungen zwischen den beiden sicher spektakulärsten Mordfällen der letzten Jahre bislang übersehen haben."

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Die lokale Konkurrenz mahnt ebenfalls vor verfrühter Euphorie. "Sorgfalt ist geboten und Zurückhaltung", schreiben die Nürnberger Nachrichten. "Das gilt auch für jene, die nun darauf hoffen, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess könnte die fehlenden Antworten liefern. Beate Zschäpe hat bislang wenig bis nichts zur Aufklärung der NSU-Verbrechen beigetragen. Dass sie das jetzt im Fall Peggy täte, so es überhaupt eine Verbindung gibt, ist unwahrscheinlich. Zumal die Ermittler erst einmal diesen Zusammenhang und dann Zschäpe nachweisen müssten, dass sie informiert gewesen war."

Die Kommentatoren des Mannheimer Morgen geben diesbezüglich zu bedenken, welche Chance sich nun den Ermittlungsbehörden bietet: "Wer gemeinsam untertaucht, der muss mehr als fast nichts voneinander wissen. Beate Zschäpe hätte jetzt - wieder einmal - die Möglichkeit, endlich Verwertbares auszusagen. Zu sprechen, um den Angehörigen von Peggy und denen der zehn NSU-Mordopfer eine große Last - die Ungewissheit - zu nehmen in diesem unsäglichen, quälenden NSU-Sumpf."

In Münster bezweifelt man indes, dass die einzige Überlebende des NSU-Trios neue Erkenntnisse liefert. "Beate Zschäpe wird zur Klärung des Falls nicht beitragen. Entweder wird sie schweigen oder erklären (lassen), nichts darüber zu wissen. Also sind nun akribische Ermittlungen der einzige Weg zum Ziel", schreiben die Westfälischen Nachrichten.

Bei der Neuen Presse hofft man, dass bereits die aktuellen Erkenntnisse Ergebnisse ebensolcher akribischer Ermittlungen sind: "Dass nun ein Stück Stoff mit Böhnhardts DNA ausgerechnet am Fundort von Peggys Leiche auftaucht, kann natürlich wieder reiner Zufall sein. Oder Schlamperei, schließlich sind die Überreste Peggys und Böhnhardts in ein und derselben Rechtsmedizin in Jena untersucht wurden." Das Blatt aus Hannover hofft, "dass dieser Spurenfund einfach mal das Ergebnis akribischer Recherchen der Behörden ist. Und ein spektakuläres Einfallstor für eine Reihe weiterer Ermittlungen über die Verbindungen des NSU zu verschwundenen missbrauchten Kindern: Das würde das jüngst wieder erschütterte Vertrauen in unsere Behörden vielleicht doch ein wenig aufbauen - und den verzweifelten Angehörigen der Opfer ein wenig Hoffnung auf Erklärungen geben."

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen die Kommentatoren vom Kölner Stadt-Anzeiger: "Dass der tote Uwe Böhnhardt nun auch im Verdacht steht, ein neunjähriges Mädchen umgebracht zu haben, ist eine atemberaubende, aber im Lichte der Fakten gar nicht so überraschende Wendung. Erhärtet sich der Verdacht, wofür vieles spricht, stünde der NSU nicht bloß als Terror-Vereinigung da, sondern als Mörderbande mit pädophilen Neigungen." Dies erhöhe den moralischen Druck auf Beate Zschäpe auszusagen. Unabhängig davon müsse die Sachlage weiter "geprüft, weitere Fälle müssen untersucht werden. Das wird dauern. Und wohl neue Überraschungen bringen."

Zusammengestellt von Christoph Rieke

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Quelle: n-tv.de

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