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Der Käuferschutz bei Paypal ist ziemlich weitreichend. Verkäufer sind weniger gut abgesichert.
Der Käuferschutz bei Paypal ist ziemlich weitreichend. Verkäufer sind weniger gut abgesichert.(Foto: imago/Eibner)
Mittwoch, 09. August 2017

Vorsicht bei Paypal: Abzocke bei Privatverkäufen verhindern

Paypal will dafür sorgen, dass Käufer zuverlässig ihre Ware bekommen und Verkäufer ihr Geld. Für Käufer funktioniert das meistens auch gut. Doch wer als Privatverkäufer Fehler macht, kann böse übers Ohr gehauen werden.

Paypal ist eigentlich eine sichere Sache. Mit dem Käuferschutz können Kunden Kaufpreis und Versandkosten zurückholen, wenn die Lieferung nicht in Ordnung ist oder gar nicht ankommt. Der Verkäuferschutz wiederum sorgt dafür, dass Händler und Privatpersonen bei Zahlungsausfällen doch noch an ihr Geld kommen. Doch immer wieder schaffen es Betrüger, den Verkäuferschutz auszuhebeln, und sich mit unbezahlter Ware aus dem Staub zu machen. Die Stiftung Warentest berichtet über einen aktuellen Fall, er ist aber nicht der erste dieser Art.

Eine junge Frau hatte ein gebrauchtes Notebook für 650 Euro über die Flohmarkt-App Shpock angeboten. Zunächst schien alles nach Plan zu laufen: Die Käuferin überwies den Preis auf das angegebene Paypal-Konto und kündigte an, ihr Bruder werde das Gerät abholen. Die Übergabe klappte dann auch problemlos - doch am nächsten Tag war das Guthaben vom Paypal-Konto verschwunden. Paypal hatte das Geld zurückgebucht, weil ein Betrug aufgeflogen war. Die angebliche Käuferin hatte das Konto eines anderen Nutzers gehackt und darüber bezahlt. Als der Betroffene den Schwindel bemerkte, holte er sich das Geld über den Käuferschutz zurück.

Nur mit Nachweis gibt es Geld

Normalerweise hätte Ebay die Privatverkäuferin über den Verkäuferschutz entschädigt. Doch nicht in diesem Fall. Das Problem: Durch die Übergabe an der Haustür hatte die junge Frau keinen Nachweis, dass das Notebook tatsächlich den Besitzer gewechselt hat. Der Verkäuferschutz greift nämlich nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Ware muss möglichst binnen sieben Tagen versendet werden, und zwar an die Adresse, die in den Transaktionsdetails hinterlegt ist
  • Der Verkäufer muss beweisen können, dass er die Ware verschickt hat. Dafür ist ein Einlieferungsbeleg von DHL, GLS, DPD, Hermes, UPS, FedEx oder TNT nötig. (Vorsicht: Für unversicherte Päckchen oder Briefe gibt es keinen Beleg und somit auch keinen Käuferschutz!)

Wer den Kaufgegenstand persönlich vorbeibringt oder eben abholen lässt, hat also keine Chance, im Betrugsfall sein Geld zurückzubekommen. Im Fall, den Test.de schildert, konnte der Betrüger später immerhin noch gefasst werden.

Die persönliche Übergabe ist aber nur eine Methode, den Verkäuferschutz auszuhebeln. Manchmal nutzen Kriminelle auch mangelnde Paypal-Kenntnisse von Verkäufern aus. Dann behaupten sie, das Geld sei bei Paypal bereits hinterlegt und werde gutgeschrieben, sobald das Paket unterwegs sei. Wenn sich der Verkäufer dann wundert, wo sein Geld bleibt, ist der angebliche Käufer längst über alle Berge. 

Betrug über mehrere Ecken

Komplizierter ist der sogenannte Dreiecksbetrug: Der Betrüger kauft einen Artikel für eine bestimmte Summe, beispielsweise ein Samung-Handy für 150 Euro. Gleichzeitig erstellt er eine Verkaufsanzeige für einen anderen Artikel, zum Beispiel ein Sony-Hand, ebenfalls für 150 Euro. Ein Dritter kauft das Sony-Handy. Der Betrüger schickt ihm die Paypal-Verbindung des Samsung-Verkäufers. Diesen wiederum fordert er auf, das Gerät an eine andere Adresse zu senden als die, die er bei Paypal sieht. Das Samsung landet also beim Betrüger und der Sony-Käufer wartet vergeblich auf die Lieferung. Irgendwann wittert der Käufer den Betrug und fordert sein Geld zurück. Laut Paypal-Käuferschutz kann er das auch. Der Samsung-Verkäufer hat dagegen Pech: Weil er das Gerät nicht an die Adresse geschickt hat, die bei Paypal hinterlegt war, gibt es für ihn keinen Verkäuferschutz. Das Handy ist weg und Geld sieht er auch nicht mehr.

Rechtlich könnte der Geprellte natürlich vom Kaufvertrag zurücktreten – das hilft aber wenig, wenn er Name und Adresse des Betrügers nicht kennt. Es bleibt also nur eine Strafanzeige bei der Polizei. Doch auch wenn es gelingt, die Kriminellen ausfindig zu machen, bekommt der Verkäufer nicht automatisch sein Geld zurück. Womöglich kommt es erst zum Gerichtsprozess – wenn überhaupt noch etwas zu holen ist. Im Fall, über den die Stiftung Warentest berichtet, bleibt die Verkäuferin wohl auf ihrem Schaden sitzen. Die 650 Euro hat der mittellose Mann längst ausgegeben.

Quelle: n-tv.de

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