Zweifelhafte Kreditkarten-AngeboteAlles Wucher oder was?
Als Wucher bezeichnet man, wenn Leistung und Gegenleistung in einem auffälligen Missverhältnis zu einander stehen. Ob die Angebote zweier Kreditkarten für Sie Wucher sind, entscheiden Sie bitte selbst.
Als Wucher bezeichnet man, wenn Leistung und Gegenleistung in einem auffälligen Missverhältnis zu einander stehen. Es hängt also immer vom Einzelfall ab, was man als Wucher bezeichnen darf. Liegt die Gegenleistung über dem Doppelten des objektiven Marktwertes, darf Wucher vermutet werden. Da sich im Folgenden nicht ohne weiteres ein objektiver Marktwert ausmachen lässt, bilden Sie sich doch selbst ein Urteil.
Die Advanzia Bank bietet über die Internetseite www.gebuehrenfrei.com eine kostenlose Kreditkarte, die Mastercard Gold, an. Auf den ersten Blick ist alles gratis: Keine Jahresgebühr, keine Gebühr für Bargeldabhebungen, keine Gebühr beim Auslandseinsatz und eine Reiseversicherung gibt es noch gratis oben drauf.
Vorsicht ist bei allen Kreditkarten geboten, wenn die Kartenumsätze nicht auf einen Schlag zurück gezahlt, sondern in Raten abgestottert werden. Ratenzahlungen lassen sich die Kreditkartenemittenten nämlich fürstlich bezahlen. So auch die Advanzia Bank. Teilzahlungen werden mit einem Effektivzinssatz von 19,9 Prozent pro Jahr belegt. Besonders forsch zeigt man sich allerdings, wenn Bargeld an einem Automaten gezogen wird. Die als gebührenfreie beworbene Bargeldabhebung entpuppt sich nämlich im Nachhinein als wahre Kostenfalle. Bargeldverfügungen lässt sich die Advanzia Bank mit 25,9 Prozent effektivem Jahreszins ab Auszahlungsdatum vergüten. Eine Führung des Kreditkartenkontos auf Guthabenbasis ist nicht möglich. Man hat eben doch nichts zu verschenken.
Geld-zurück-Garantie nicht ohne Haken
Großen Einfallsreichtum hat auch die Citibank bewiesen. Dort gibt es seit kurzer Zeit die Citi Cash Back Card – eine Kreditkarte mit eingebauter Geld-zurück-Garantie. Bis zu zwei Prozent vom Kartenumsatz gibt es zurück. Allerdings sollte man auch einen Blick ins Kleingedruckte werfen. Da hagelt es nämlich Bedingungen und Einschränkungen.
Um überhaupt irgendetwas zurück zu bekommen, muss man monatlich mindestens 200 Euro mit der Karte umsetzen. Ein Prozent zurück gibt es für Euro-Umsätze, 1,5 Prozent für Einkäufe in anderen Währungen. Nur wer im Jahr mindestens 2400 Euro Kartenzahlungen aufweisen kann, bekommt zusätzlich eine Gutschrift in Höhe von einem halben Prozent des Jahreseinkaufsumsatzes. Gehen wir mal davon aus, dass tatsächlich 2400 Euro im Jahr umgesetzt wurden – und das noch gleichmäßig über alle Monate verteilt – hagelt es satte 36 Euro Cash. Für die Hauptkarte werden 25 Euro pro Jahr fällig, bleiben also noch 11 Euro Gewinn.
Auch hier gilt: Wer nicht sofort zurückzahlt, bekommt eine satte Rechnung. 15,21 Prozent Effektivzins pro Jahr stellt die Citibank ihren Cash-Back-Kunden dann in Rechnung. Warm anziehen müssen sich alle, die versehentlich die optionale Restschuldversicherung auf dem Antragsformular mit angekreuzt haben. Dann schnellt der Effektivzins auf über 26 Prozent pro Jahr in die Höhe. Nur der Ordnung halber: Im ersten Jahr gibt es noch einen Tankgutschein in Höhe von 25 Euro.
Fazit: Lassen Sie sich nicht von Angeboten ködern, die Ihnen so gut wie keine Vorteile bringen. Von Ratenzahlungen auf ein Kreditkartenkonto sollten sie Abstand nehmen. Die Zinsen sind dort in der Regel viel zu hoch. Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise die DKB Bank. Eine Visa-Karte ist dort kostenlos, Bargeld kann weltweit an allen Geldautomaten kostenfrei verfügt werden und Guthaben auf dem Kartenkonto verzinst die Bank mit derzeit 3,8 Prozent pro Jahr – bei durchschnittlich 1000 Euro Guthaben also ein Cash-Back von 38 Euro.