Ratgeber

Dämmungsziele überflüssig? : Alte Häuser besser als gedacht

Die Klimaziele der Bundesregierung sind ehrgeizig. Um sie zu erreichen, müssen auch die Hausbesitzer mitspielen und in Brennwertkessel und Wärmedämmung investieren. Doch die Sanierung des Gebäudebestands kommt kaum in Fahrt. Und dafür gibt es gute Gründe, so eine neue Studie. Ältere Ein- und Zweifamilienhäuser seien schon jetzt in "beeindruckend gutem Zustand".

Mit der Wärmedämmung an den Außenwänden sollte man so lange warten, bis ohnehin ein Gerüst aufgestellt werden muss.
Mit der Wärmedämmung an den Außenwänden sollte man so lange warten, bis ohnehin ein Gerüst aufgestellt werden muss.

Bis 2050 soll so gut wie jedes Gebäude in Deutschland klimaneutral sein, so das erklärte Ziel der Bundesregierung. Um es zu erreichen, muss sich die Sanierungsrate aber verdoppeln – und danach sieht es im Moment nicht aus. Denn das Interesse der Hausbesitzer an Wärmedämmung und Heizungsaustausch ist verhalten. Möglicherweise aus gutem Grund: Es mangelt an Bedarf.

Der energetische Zustand von älteren Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland sei "beeindruckend gut", attestiert eine Studie des Empirica Instituts im Auftrag der privaten Bausparkassen. 81 Prozent der Heizungsanlagen sind demnach schon jetzt hoch oder höchst effizient und 96 Prozent aller Fenster sind bereits mindestens zweifach verglast. Größeren Nachholbedarf gebe es allenfalls bei der Wärmedämmung: Zwar seien 69 Prozent der Häuser bereits zum Dach oder zur oberen Geschossdecke hin gedämmt worden, bei der Außenwanddämmung liege die Quote aber nur bei 35 Prozent. Bei Kellerdecken und Fußböden sei ein knappes Viertel der Häuser versorgt.

Sanierung Zug um Zug

Der heutige Zustand ist der Studie zufolge über die Jahre hinweg durch kleinteilige, bauteilbezogene Sanierungsmaßnahmen erreicht worden. Meist hätten die Hausbesitzer dann investiert, wenn ohnehin Arbeiten am Haus angestanden hätten. "Hier hat sich die Investition oft auch gerechnet", so Empirica-Vorstand Harald Simons. Alleinstehende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung außerhalb des natürlichen Sanierungszyklus seien dagegen in aller Regel unwirtschaftlich. Etwa die Außendämmung: Sie lohne sich allenfalls dann, wenn ohnehin ein Gerüst angebracht werden muss, etwa um den Putz zu erneuern. Doch selbst dann könne der Einspareffekt deutlich niedriger ausfallen als erwartet, warnen die Autoren der Studie. Denn in unsanierten Häusern gingen viele Bewohner schon jetzt eher sparsam mit Energie um.

Vor diesem Hintergrund hält die Studie die politisch gewünschte Verdoppelung der jährlichen Sanierungsrate von ein auf zwei Prozent für unrealistisch. Angesichts des hohen Standards müsse in Zukunft sogar damit gerechnet werden, dass die Bauherren noch weniger unternehmen. Es gebe eben nicht mehr massenhaft ineffiziente Einzelöfen, die durch hoch effiziente Brennwert-Zentralheizungen ersetzt werden können. Auch seien kaum mehr zugige, einfachverglaste Fenster übrig. Und der Anreiz, in die nächste Effizienzstufe zu investieren, schwinde, zumindest in der Breite. Zwar steige auch beim Umstieg vom Niedertemperaturkessel zum Brennwertkessel oder vom Isolierglas zum Wärmeschutzglas der thermische Komfort, aber die Verbesserung falle längst nicht mehr so deutlich aus. Deutliches Potenzial gebe es allenfalls bei der Fußboden- und Kellerdeckendämmung.

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Quelle: n-tv.de

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