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Heikle Mittelstandsanleihen : Anleger bangen um ihr Geld

Die Euphorie ist vorbei: die erste Mittelstandsanleihe kam vor fünf Jahren an die Börse, mittlerweile herrscht bei vielen Anlegern Katerstimmung. Tausende haben nach Insolvenzen Geld verloren. Droht dem Börsensegment ein ähnliches Schicksal wie dem Neuen Markt?

An der Stuttgarter Börse sollen weiterhin Mittelstandsanleihen gehandelt werden.
An der Stuttgarter Börse sollen weiterhin Mittelstandsanleihen gehandelt werden.(Foto: imago stock&people)

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Renditen von sieben Prozent und mehr - und das in Zeiten von Minizinsen. Auf der Suche nach lukrativen Geldanlagen haben sich manche Privatanleger an Mittelstandsanleihen allerdings die Finger verbrannt. Von 182 Bonds sind nach Angaben von Euler Hermes Rating inzwischen 32 wegen Insolvenz des Emittenten ausgefallen (Stand Mitte Februar). Tausende Anleger bangen um ihr Geld.

Zum fünfjährigen Bestehen des Marktes ist die Bilanz nicht gerade rosig. Und es könnte noch schlimmer kommen. "Ich erwarte in 2015 mehr Insolvenzen als Neuemissionen", sagt Ralf Garrn, Geschäftsführer von Euler Hermes Rating. Auch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht harte Zeiten auf Besitzer von Mittelstandsanleihen zukommen. "Viele Anleihen müssen in diesem Jahr zurückgezahlt werden. Ob die Refinanzierung immer klappt, ist fraglich." Kurz rechnet damit, dass weitere Emittenten in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Mittelstandsanleihen sind Schuldverschreibungen von kleineren Unternehmen. Die Papiere verbriefen den Anspruch auf Tilgung und Verzinsung des geliehenen Kapitals. Dabei wenden sich die Bonds mit einer Stückelung von in der Regel nur 1000 Euro vor allem an Privatanleger. Einige Unternehmen verkaufen ihre Papiere selbst, die meisten werden an Börsen gehandelt.

Immer weniger Neuemissionen

Den Anfang machte am 1. März 2010 eine Anleihe der später insolventen Windreich AG. Neuemissionen gab es zuletzt vor allem noch in Frankfurt. Die Stuttgarter Börse, die als erste im Mai 2010 mit Bondm ein spezielles Handelssegment für Mittelstandsanleihen startete, ging im vergangenen Jahr leer aus. Das Handelssegment Bondm bleibe dennoch bestehen, heißt es in Stuttgart. Die Börse Düsseldorf kündigte dagegen Ende Januar an, die Sparte Mittelstandsmarkt einzustellen und einige Emittenten im neu geschaffenen Segment Mittelstandsmarkt weiterzuführen, "wo Unternehmen und erfahrene Anleger auf Augenhöhe zueinander finden" könnten. Man reagiere damit auf die negativen Entwicklungen bei kleinen und mittleren Anleihen im deutschen Finanzmarkt.

Für Martin Steinbach vom Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young) handelt es sich bei den Handelssegmenten für Mittelstandsanleihen in erster Linie um Plattformen, die Unternehmen eine Bühne und damit Aufmerksamkeit bieten. Schon beim Start sei klar gewesen, dass rein statistisch gesehen einige Anleihen ausfallen würden. Vielen Papieren hätten Ratingagenturen den Status "Non-Investment Grade" gegeben. Das bedeutet, dass die Ausfall-Wahrscheinlichkeit tendenziell höher ist als bei Anleihen mit besseren Noten.

Gute Bewertung allein reicht nicht

Eine gute Bewertung ist aber auch keine Garantie für ein sicheres Investment. "Teilweise waren die Ratings gar nicht so schlecht", sagt Aktionärsschützer Kurz. Aus seiner Sicht wird Anlegern mit dem Begriff Mittelstandsanleihe "falsche Sicherheit vorgegaukelt". Der breite Mittelstand habe es nicht nötig, 7 bis 8 Prozent Zinsen zu zahlen. "Er kann sich anders finanzieren." Garrn empfiehlt, vor allem auf die Höhe der Rendite zu achten: "Je höher die im Coupon angegebene Verzinsung ist, desto größer ist das Risiko für den Anleger". Wenig hilfreich sei für Privatinvestoren der Verkaufsprospekt. Er liste zwar alle Risiken auf, gewichte sie aber nicht.

Besitzer von Mittelstandsanleihen sollten sich zudem darüber im Klaren sein, dass sie bei einer Pleite des Unternehmens in der Regel zu den nachrangigen Gläubigern zählen. Das heißt, zunächst bekommen zum Beispiel Lieferanten oder Banken ihr Geld. Aus Sicht Garrns ist der Boom bei Mittelstandsanleihen vorerst vorbei. Viele Unternehmen hätten die Niedrigzinsen genutzt, um sich langfristig Kapital zu besorgen. Darüber hinaus finanziere der Bankenmarkt die Firmen derzeit zu extrem günstigen Konditionen. "Der Bedarf für Kapitalmarktfinanzierungen ist daher nicht mehr so groß." Und: Viele Privatanleger dürften wegen der Pleiten vorsichtiger geworden sein.

Quelle: n-tv.de

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