Ratgeber

Offene Immobilienfonds: Anleger brauchen Geduld

Offene Immobilienfonds galten einmal als sichere Bank. Doch das war vor der Krise. Noch immer haben sich nicht alle Fonds von den Liquiditätsabflüssen erholt. Während die Expertenmeinungen zur Zukunft der Fonds auseinandergehen, bleibt Anlegern nur eine Möglichkeit: Ruhe bewahren.

Vor der Krise wussten Fondsmanager kaum, wohin mit dem Geld. Jetzt legen Liquititätsengpässe manche Fonds lahm.
Vor der Krise wussten Fondsmanager kaum, wohin mit dem Geld. Jetzt legen Liquititätsengpässe manche Fonds lahm.

Das früher gute Image von Offenen Immobilienfonds hat deutliche Kratzerbekommen. In der Finanzkrise 2008 zogen professionelle Anleger massenweise ihr Geldab. Die Folge: Von den insgesamt 28 Offenen Immobilienfonds auf dem deutschen Marktnehmen acht derzeit keine Anteile mehr zurück, drei wurden sogar endgültig geschlossen.Zeitweise stand das gesamte Anlagesegment vor dem Einsturz. Ein Gesetzentwurf derBundesregierung soll die Bedingungen für die Produkte nun verbessern. Aber selbstAnalysten sind weiter skeptisch. "Es ist nicht auszuschließen, dass in Zukunftnoch weitere Fonds liquidiert werden", sagt Sonja Knorr, Expertin für OffeneImmobilienfonds von Scope Analysis.

Ganz ausschließen kann auch Felix Fortelka vom Bundesverband Investment- undAsset-Management (BVI) einen erneuten Crash nicht. "Wir sehen aber derzeitkeinerlei Anzeichen für Turbulenzen. Die Schließungen im Herbst 2008 sind durchLiquiditätsengpässe in Folge der Finanzkrise entstanden."

Gute Vertriebskanäle schützen

Fonds großer deutscher Bankhäuser sind weniger gefährdet. Sie haben bessere Möglichkeitenals andere Anbieter, weiterhin Anteile zu verkaufen und so die Liquidität ihresFonds zu gewährleisten. Arno Gottschalk, Immobilienexperte der VerbraucherzentraleBremen, verbindet mit dieser Erkenntnis eine Empfehlung: "Ein Anleger solltedie Erfahrung mitnehmen, dass Fonds mit einem starken Vertriebsnetz die geringstenRisiken aufweisen."

Ob Anleger, deren Fonds geschlossen ist, Grund zur Beunruhigung haben,darüber gehen die Meinungen auseinander: Wer nicht dringend an sein Geld muss, seivon der Schließung der Fonds nicht betroffen, meint Fortelka. "Es spricht vielesdafür, dass die Fonds nach weiteren Mittelzuflüssen wieder geöffnet und weitergeführtwerden können." Diese Zuversicht teilt Verbraucherschützer Gottschalk nicht:"Ich habe Zweifel, dass die Höhe der akquirierten Mittel ausreichen wird, dassdie Anbieter das locker aussitzen."

So oder so bleibt den Betroffenen derzeit kaum eine andere Wahl als einfach abzuwarten.Zwar besteht auch die Möglichkeit, Fondsanteile jederzeit über die Börse wiederzu verkaufen. "Hier muss man aber zum Teil deutliche Abschläge in Kauf nehmen",erklärt Analystin Knorr. Vorübergehend eingefrorene Fonds müssen spätestens nachzwei Jahren wieder Anteile zurücknehmen. Ist das nicht möglich, werden sie endgültigliquidiert. In diesem Fall verkaufen die Fondsmanager nach und nach die enthaltenenGebäude und die Anleger werden ausgezahlt. Von den erzielten Verkaufspreisen hängtab, wie viel die Anleger zurück bekommen.

Regeln werden strenger

Das Bundeskabinett hat inzwischen einen Gesetzentwurf für einen besseren Anlegerschutzvorgelegt. Demnach sollen künftig Mindesthaltefristen eingeführt werden, um einenplötzlichen Abzug großer Geldsummen zu verhindern. Privatanleger sollen aber auchinnerhalb der Haltefristen weiterhin monatlich Anteile im Wert von bis zu 5000 Eurozurückgeben können. Branchenvertreter Fortelka sieht die Offenen Immobilienfondsvor diesem Hintergrund weiterhin als sinnvolle Anlage an: "Wer Immobilien grundsätzlichfür ein vernünftiges Investment hält, für den bleiben Offene Immobilienfonds einesolide Sachanlage mit eingebautem Inflationsschutz." Dies sähen auch die meistenAnleger so. Immerhin mehr als 2,4 Milliarden Euro seien in diesem Jahr bereits indiese Anlageklasse geflossen.

Trotz der geplanten Gesetzesänderungen sehen Anlegerschützer die früher wegenihrer Sicherheit auch als "Betongeld" titulierte Anlageklasse heute nichtmehr so positiv. "Das Produkt hat noch Probleme auf der Transparenzseite",kritisiert Gottschalk. Die Werte für die in einem Fonds enthaltenen Gebäude seienoft zu optimistisch bemessen. Eine unabhängige Bewertung finde meist nicht statt."Die Anlagegattung Offene Immobilienfonds hat sich stark gewandelt", sagtSonja Knorr. Es sei zu beobachten, dass der Immobilienmarkt sich immer mehr an denKapitalmarkt angleiche. "Auch in Zukunft wird es bei Offenen Immobilienfondsdeutlichere Schwankungen als früher geben." Auch nach Meinung von BVI-SprecherFortelka ist das Produkt nicht geeignet, um auf kurze Sicht sein Geld zu vermehren."Offene Immobilienfonds waren und sind zur langfristigen Anlage gedacht - undnicht etwa als Tagesgeldersatz."

 

Quelle: n-tv.de