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Alkohol wirkt als Stimmungsbeschleuniger auf Weihnachtsfeiern ebenso wie auf Wanderungen.
Alkohol wirkt als Stimmungsbeschleuniger auf Weihnachtsfeiern ebenso wie auf Wanderungen.(Foto: imago/Westend61)
Mittwoch, 30. August 2017

Unterwegs mit Kolleginnen: Arbeitsunfall auf der Bierwanderung?

Teambuilding funktioniert oft besonders gut, wenn sich das Berufliche mit Privatem mischt. Wenn Mitarbeiter gemeinsam zum Geocashing oder zum Firmenlauf antreten, sind sie dabei normalerweise gesetzlich unfallversichert. Bei einer Wanderung mit Bierpausen kann das aber anders aussehen.

Wandern gehen mit den Kollegen kann eine schöne Sache sein, insbesondere, wenn das ein oder andere Bier für gelöste Stimmung sorgt. Wenn der Arbeitgeber so eine Tour organisiert, stehen die Mitarbeiter auch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Anders sieht es aus, wenn die Kollegen gemeinsam an einer Fremdveranstaltung teilnehmen. Das hat nun das Landessozialgericht Hessen klargestellt und den Antrag einer Frau auf Anerkennung eines Sturzes als Arbeitsunfall abgelehnt (Az.: L 9 U 205/16).

Die 58-Jährige arbeitet in einer Steuerkanzlei und hatte sich zusammen mit ihren beiden Kolleginnen aus der Lohnbuchhaltung für die Bierwanderung eines Sportvereins angemeldet. Auf dem sieben Kilometer langen Parcours erwarteten die rund 2500 Teilnehmer mehrere Stationen mit Bierausschank. Ob es dem Gerstensaft geschuldet war, ist unbekannt, auf jeden Fall stürzte die Frau am Ende der Wanderung und verletzte sich dabei am linken Unterarm. Ein Arbeitsunfall, fand die Angestellte, schließlich sei sie im Namen ihres Arbeitgebers angetreten. Doch die Berufsgenossenschaft sah das anders und lehnte ihren Antrag ab. Es habe sich um eine reine Privatveranstaltung gehandelt.

Eine Klage vorm Sozialgericht blieb ohne Erfolg und nun blitzte die Frau auch in der nächsten Instanz ab. Unfälle im Rahmen betrieblicher Gemeinschaftsveranstaltungen sind zwar durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert, betonte das Landessozialgericht. Doch die Wanderung des Sportvereins sei eben keine Gemeinschaftsveranstaltung. Zum einen haben nicht alle Beschäftigten daran teilgenommen, sondern lediglich drei von zehn. Zum anderen habe der Fokus der Wanderung nicht darauf gelegen, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter zu fördern. Andere Interessen wie Freizeit oder Unterhaltung hätten im Vordergrund gestanden. Es habe auch keine eigene Programmgestaltung der Steuerkanzlei gegeben.  

Immerhin hatte der Arbeitgeber den Teilnehmerbeitrag gezahlt und die Kolleginnen in einheitlicher Betriebskleidung auf die Wanderung geschickt. Doch das mache die Wanderung von Bierstation zu Bierstation noch lange nicht zum Betriebssport, fanden die Richter. Die Angestellte muss die Folgen ihrer Armverletzung also alleine tragen.

Quelle: n-tv.de

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