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Das Büro in den eigenen vier Wänden kann grundsätzlich die Steuerlast mindern.
Das Büro in den eigenen vier Wänden kann grundsätzlich die Steuerlast mindern.(Foto: dpa/Daniel Naupold)
Mittwoch, 19. April 2017

Neues zum Arbeitszimmer : BFH urteilt gegen Finanzamt

Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen als Werbungskosten von der Steuer absetzen - Arbeitnehmer und Selbständige. In zwei Fällen urteilen Gerichte nun pro Steuerzahler.

Grundsätzlich gilt: wer in seiner Firma keinen Arbeitsplatz zur Verfügung hat, kann bis zu 1250 Euro im Jahr an Werbungskosten in seiner Steuererklärung geltend machen. Sogar unbeschränkt abzugsfähig sind die Räumlichkeiten dann, wenn das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit ist. Dies trifft meist auf Selbstständige zu, die entsprechende Beträge als Betriebsausgaben angeben können.

In einem jüngst vor dem Bundesfinanzhof (BFH) verhandelten Fall (Az: III R 9/16) stritten sich ein selbständiger Logopäde und das Finanzamt darum, ob dieser trotz zweier Praxen ein häusliches Arbeitszimmer in seiner Steuererklärung geltend machen kann. Denn die entsprechenden Räume wurden laut des Logopäden überwiegend von seinen vier Angestellten genutzt. Für Verwaltungsarbeiten nutzte er ein häusliches Arbeitszimmer. Das zunächst zuständige Finanzgericht gelangte zu der Auffassung, dass eine Erledigung der Büroarbeiten in den Praxisräumen - auch außerhalb der Öffnungszeiten - nicht zumutbar sei, sodass die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer begrenzt auf den Höchstbetrag von 1250 Euro abzugsfähig seien.

Dieser Meinung schloss sich der BFH an. Soweit die Nutzung des Arbeitsplatzes in einer Weise eingeschränkt ist, dass der Steuerpflichtige in seinem häuslichen Arbeitszimmer einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit verrichten muss, kann er auf ein (zusätzliches) häusliches Arbeitszimmer angewiesen sein und dies entsprechend von der Steuer absetzen.

Das Finanzgericht (FG) München urteilte auch im Sinne von Arbeitnehmern, die ein Arbeitszimmer nur für Bereitschaftsdienste am Wochenende benötigen (Az.: 15 K 439/15). Hier musste ein Projektleiter auch an Wochenenden für Kunden und Kollegen erreichbar sein. Sein eigentliches Büro bei seinem Arbeitgeber war an den Wochenenden nicht nutzbar. Deshalb arbeitete er in seinem häuslichen Arbeitszimmer. Die Kosten hierfür wollte er als Werbungskosten geltend machen. Auch hier lehnte das Finanzamt mit der Begründung ab, dem Mann stehe zumindest unter der Woche ein Arbeitsplatz zur Verfügung.

Dies sah das FG anders. Da dem Arbeitnehmer an den Wochenenden von Seiten seines Arbeitgebers eben kein Arbeitsplatz zur Verfügung stand, ist ein Werbungskostenabzug in Höhe von 1250 Euro gerechtfertigt.

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Quelle: n-tv.de

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