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Mit 62 noch nicht zu alt: BGH stärkt Geschäftsführer

Sechs Jahre nach Einführung des Antidiskriminierungsgesetzes gibt es noch eine Menge Klärungsbedarf. Jetzt entscheidet der Bundesgerichtshof, dass der Schutz vor Diskriminierung auch bei der Vertragsverlängerung eines Geschäftsführers gilt. In dem Fall war der Vertrag eines Klinikchefs nicht verlängert worden, weil der Aufsichtsrat in einem jüngeren Kandidaten eine langfristige Perspektive sah.

Der Bundesgerichtshof stärkt mit seinem neuen Urteil die Rechte älterer Arbeitnehmer.
Der Bundesgerichtshof stärkt mit seinem neuen Urteil die Rechte älterer Arbeitnehmer.

Der Bundesgerichtshof hat den Schutz vor Altersdiskriminierung gestärkt. Das Verbot der Benachteiligung gelte auch für Geschäftsführer von Unternehmen, wenn ein befristeter Vertrag nicht verlängert wird, entschieden die Karlsruher Richter. Damit bestätigten sie eine Entscheidung zugunsten eines ehemaligen Kölner Klinikchefs in wesentlichen Teilen.

Der frühere medizinische Geschäftsführer der städtischen Kliniken hatte geklagt, weil sein 2009 auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde. Anstelle des damals 62-Jährigen hatte der Betreiber einen 41 Jahre alten Bewerber eingestellt. Der Aufsichtsratsvorsitzende hatte dem Gericht zufolge erklärt, dass der Kläger wegen seines Alters nicht weiterbeschäftigt worden sei. Man habe wegen des "Umbruchs auf dem Gesundheitsmarkt" einen Bewerber gewählt, der das Unternehmen "langfristig in den Wind stellen" könne.

Dies sei ein ausreichendes Indiz für eine Altersdiskriminierung, entschied der Bundesgerichtshof (BGH). Der Klinikbetreiber hätte beweisen müssen, dass keine Benachteiligung aufgrund des Alters vorgelegen habe, dies sei aber nicht geschehen. Der Diskriminierungsschutz gilt nach dem Urteil auch dann für Geschäftsführer, wenn ein bestehender Vertrag planmäßig endet und es nicht zu einer Weiterbeschäftigung kommt.

Der Fall ist neu

Es war das erste Mal, dass der BGH über die Anwendung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Fall eines Geschäftsführers entschied. Zur Altersdiskriminierung von Arbeitnehmern gibt es bereits Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wurde 2006 aufgrund einer Europäischen Richtlinie in Kraft gesetzt. Es verbietet unter anderem Benachteiligungen aus Gründen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts und des Alters. So hatte der Europäische Gerichtshof im vergangenen Jahr entschieden, dass eine tarifvertragliche Altersgrenze von 60 Jahren für Piloten gegen das Diskriminierungsverbot verstoße.

Der Kläger kann sich nun Hoffnungen auf eine höhere Entschädigung machen. In der Vorinstanz hatte das Oberlandesgericht Köln dem Ex-Klinikchef 36.600 Euro zugesprochen - das entspricht zwei Monatsgehältern. Offen bleibt, ob er zusätzlich Schadensersatz für entgangenes Gehalt verlangen kann. Hierzu muss er nach dem Urteil des BGH darlegen, dass er bei einer Entscheidung ohne Diskriminierung den Job wieder bekommen hätte. "Hier wird es für die Klinik darauf ankommen nachzuweisen, dass das Alter des Klägers in Wirklichkeit nicht ausschlaggebend war", sagt der Rechtsanwalt des Klinikbetreibers, Thomas Kania.

Der Kläger zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden mit der Entscheidung. "Ich bin froh, dass das AGG auch in diesen Fällen Anwendung findet", sagte Jekabs Leititis. Der 65-Jährige ist mittlerweile als Ärztlicher Direktor beim Klinikum Region Hannover beschäftigt.

Quelle: n-tv.de

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