Dienstag, 29. September 2009
Mehr psychologische Beratung: Bachelor-Frust nimmt zu
Dem Prüfungsstress sind immer mehr Studenten nicht mehr gewachsen.
(Foto: dpa)
Immer mehr Studenten leiden unter Uni-Frust: Der Bedarf an psychologischen Beratungen ist stark gestiegen. Das geht aus aktuellen Daten des Deutschen Studentenwerks (DSW) hervor. Ein Grund dafür sei die Bologna-Reform: "Der Bachelor ist Stress", so DSW-Sprecher Stefan Grob. "Der Druck nimmt zu, und damit auch die Angst."
So wurden 2008 rund 80.000 psychologische Beratungsgespräche gezählt - ein Fünftel (knapp 21 Prozent) mehr als im Vorjahr (66.079). Rund 23.700 Studenten suchten in den psychologischen Beratungsstellen Hilfe. Im Jahr 2007 waren es mit 21.676 noch neun Prozent weniger.
Die Zeitnot durch die engen Studienpläne im Bachelor scheint viele auch in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen: So plagen Studenten zunehmend Geldsorgen, wie die gestiegene Zahl der Sozialberatungen belegt. Sie nahmen um gut ein Viertel (27 Prozent) zu: Wurden im vergangenen Jahr 71.665 Studenten in Einzelgesprächen beraten, waren es im Vorjahr noch 56.460.
Jobben fast unmöglich
Wichtiges Thema in diesen Gesprächen sei etwa das Jobben neben dem Studium. "Dafür bleibt im Bachelor weniger Zeit", erläuterte Grob. Wer dann noch Studiengebühren zahlen muss, habe schnell ein Problem. Besonderen Beratungsbedarf haben den Angaben nach aber auch studierende Eltern: Vor allem Alleinerziehende suchen Hilfe bei der Frage, wie sich Studium und Kind vereinbaren lassen.
Die gestiegenen Zahlen hätten aber auch ein Gutes: "Es gibt inzwischen weniger Hemmungen, sich Hilfe zu holen", sagte Grob. "Die Studenten denken heute nicht mehr: 'Oh, ich habe einen an der Klatsche', wenn an der Tür der Beratungsstelle 'psychologisch' draufsteht."
Wichtig sei aber, dass Studenten sich rechtzeitig helfen lassen, wenn ihnen im Studium alles zu viel wird, riet Grob. "Der Bachelor zwingt einen dazu, sich sehr früh klarzuwerden: Ist es das? Und wo brauche ich Hilfe?"
Sinnvoll sei auch, Beratungen nicht nur als "Krisenintervention" anzusehen, sondern vorbeugend zu nutzen. "Da muss ich schon beim Studienbeginn gucken, wo ich in Probleme laufen könnte", empfahl Grob. Der richtige Weg sei es daher, frühzeitig Coachings zu den Fragen "Wie gehe ich mit Stress um?" und "Wie schaffe ich das hohe Lernpensum?" in Anspruch zu nehmen.
dpa
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