Ratgeber
Dienstag, 15. Dezember 2009

Armutszeugnis für die Branche: Banken beraten katastrophal

Alexander Klement

Bankberatung lässt auf breiter Front zu wünschen übrig.
Bankberatung lässt auf breiter Front zu wünschen übrig.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wenn es in der Schule heißt "gibt sich Mühe" oder im Arbeitszeugnis steht "war stets bemüht" heißt das, dass man den Anforderungen nicht gewachsen ist. Genau so könnte man die Situation beschreiben, die bei Beratungsgesprächen in den Banken anzutreffen ist, wenn man einer Stichprobe der Stiftung Warentest vertraut.

In 147 Anlagegesprächen sollten in diesem Sommer 21 Banken zeigen, wie gut ihre Beratung ist. Die Aufgabe war denkbar einfach. Die Testkunden gingen mit der Vorgabe in das Gespräch, 30.000 Euro risikolos fünf Jahre anlegen zu wollen. Die gewünschte Rendite wurde mit vier Prozent angegeben, was mit einlagengarantierten Festzinsprodukten der Banken nicht machbar war.

Kundenerwartung richtig einschätzen

Die erste Hürde bestand also darin, die Kunden darüber aufzuklären, dass ihre Renditeerwartung mit ihrem sicherheitsbewussten Anlageprofil nicht möglich war. Nur vier Banken waren dazu in der Lage.

Bei dem Beratungsergebnis hätten Produktempfehlungen mit Einlagensicherung wie Festgelder und Sparbriefe herauskommen müssen, um bei der Bewertung der Stiftung Warentest zu punkten. Auch die Anlage in Wertpapiere des Bundes wurde positiv bewertet.

"Krasse Fehlleistungen"

Die tatsächlichen Empfehlungen in den meisten Gesprächen sahen jedoch ganz anders aus. Als "krasse Fehlleistung" sieht die Stiftung Warentest hier beispielsweise den Kauf eines Aktienfonds für einen Kunden, der sein Geld fünf Jahre sicher anlegen will. Aktienfonds wurden von der Berliner Sparkasse und der Deutschen Bank empfohlen.

Die BW Bank legte den Kunden als Beimischung einen Rohstofffonds ans Herz, die Sparkasse Pforzheim Calw empfahl sogar ein Investment in Gold.

Provisionsgier

In einem zweiten Feld empfahlen die Bankberater offensiv Produkte, die für den Kunden ungeeignet sind, aber dem Berater eine schöne Provision versprechen. Bei der Ostsächsischen Sparkasse und bei den Sparda-Banken West und Berlin versuchte man den Kunden Rentenversicherungen anzudrehen. Diese sind dank 2,25-prozentiger Garantieverzinsung zwar sicher, aber wegen der anfallenden Kosten beträgt die Rendite nur rund ein Prozent pro Jahr.

Auf Abschlussprovisionen schielten auch die Anlageberater der Deutschen Bank. Sie empfahlen den Testkunden den Abschluss eines Bausparvertrages. Der kostete von vorne herein erst mal 480 Euro Abschlussgebühr.

Ungeeignete Produkte

Die Volksbanken boten hingegen gerne Garantie-Zertifikate der DZ-Bank an. Diese werden von der Stiftung Warentest als zu komplex und für den Kunden nicht geeignet eingeschätzt. Viele Banken empfahlen auch den Kauf von Mischfonds, der Aktien und Anleihen enthält. Die Postbank und die Dresdner Bank versuchten die hauseigenen Vermögensmanagement-Produkte loszuschlagen, die als Dachfonds angelegt sind.

Angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen zwölf Monaten 13 offene Immobilienfonds zeitweise keine Anteile mehr zurücknahmen und teilweise Verluste schrieben, hält die Stiftung Warentest auch diese Produktgattung für einen sicherheitsbewussten Anleger mit einem Anlagehorizont von fünf Jahren für ungeeignet. Offene Immobilienfonds wurde vorzugsweise von Beratern der Volksbanken und Postbank empfohlen.

Fazit

Unterm Strich zeigt sich die Beratungssituation in den Banken auch ein Jahr nach der Pleite der US-Großbank Lehman in einem katastrophalen Zustand. Die beste vergebene Note war mit einer 3,4 gerade noch so befriedigend. Die Bankberater gehen nachlässig bei der Ermittlung des Kundenstatus um und informieren nur schlecht über Produkte und die damit verbundenen Kosten.

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Quelle: n-tv.de

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