Kaum mehr AnlegervertrauenBanken fehlt Selbsterkenntnis
Verbraucherschützer haben der Bankenbranche ein schlechtes Zeugnis für ihre Anstrengungen zur Stärkung des Anlegervertrauens in der Finanzkrise ausgestellt.
Verbraucherschützer haben der Bankenbranche ein schlechtes Zeugnis für ihre Anstrengungen zur Stärkung des Anlegervertrauens in der Finanzkrise ausgestellt. Die in den vergangenen Monaten erfolgten Schritte der Kreditwirtschaft stellten "keinen substantiellen Beitrag zur Stärkung des Anlegerschutzes" dar, sagte die Banken-Expertin der Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Dorothea Mohn. So handle es sich etwa bei den im Frühjahr vorgestellten Leitlinien des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) zur Stärkung des Anlegervertrauens um "Selbstverständlichkeiten, die schon längst gelten sollten", sagte Mohn.
Während die Branche in dieser Woche in Frankfurt am Main auf dem ersten Deutschen Finanzmarketing-Gipfel über Wege zur Annäherung an den Kunden in der Krise diskutiere, habe sie noch ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, sagte Mohn. "Kern des Vertrauensproblems gegenüber den Banken sind nach wie vor Vertriebsvorgaben und Provisionen für die Kundenberater."
Keine Objektivität
Bankberater bekommen in der Regel Vorgaben, welche Mengen von Produkten sie in einem bestimmten Zeitraum verkaufen müssen. Auch setzt sich ihr Gehalt zum Teil aus Prämien für den Verkauf bestimmter Produkte zusammen. Verbraucherschützer kritisieren deswegen häufig, dass Bankberater in der Kundenberatung nicht wirklich objektiv sind.
Auch scheine in weiten Teilen der Bankenbranche noch kein Verständnis, dafür gewachsen zu sein, wie stark das Image der Kreditwirtschaft in Folge der Krise gelitten habe, sagte Mohn. "Die Branche tritt nach wie vor mit einem beeindruckenden Selbstbewusstsein auf, obwohl sie letztendlich vom Investmentbanker über den Vorstand bis zum Kundenberater im Zweifel mit zur Krise beigetragen hat." Aus Sicht der Verbraucher sei von Seiten der Banken deswegen "eine gewisse Selbsterkenntnis" zu erwarten.
Forderungen an die Politik
Da die Bankenbranche von sich aus bislang nur wenig unternommen habe, um in der Krise den Anlegerschutz zu stärken, müsse die neue Bundesregierung nach der Wahl im September die Anlegerrechte weiter stärken, forderte Banken-Expertin Mohn. "Wenn man in Sachen Anlegerschutz den Willen einiger Banken berücksichtigen würde, liefe alles weiter wie bisher."
Deswegen seien starke, gesetzlich verankerte Anlegerrechte wichtiger denn je, sagte Mohn. Die Protokollpflicht für Beratungsgespräche ab kommendem Jahr sei ein wichtiger Schritt. Künftig müsse die Regierung dafür sorgen dass die Anlegerberatung durch unabhängige Berater gestärkt werde, forderte Mohn.