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Schäden in der Waschanlage: Bei Lackkratzern gibt's wenig Hoffnung

Heißwachsbehandlung, Unterbodenwäsche, Politur - eigentlich soll ein Auto schöner aus der Waschstraße kommen, als es hereingefahren ist. Manchmal kommt es aber auch ramponierter wieder heraus. Was tun?

Im Auto sitzen bleiben, ist bisweilen ganz lustig. Aus Haftungsgründen sind aber Anlagen besser, bei denen der Fahrer vorher aussteigt.
Im Auto sitzen bleiben, ist bisweilen ganz lustig. Aus Haftungsgründen sind aber Anlagen besser, bei denen der Fahrer vorher aussteigt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Für den einen gehört die wöchentliche Autopflege zum Pflichtprogramm. Andere steuern die Waschstraße erst an, wenn die Lackfarbe nur noch zu erahnen ist. Wie auch immer die Reinigungsroutine aussieht: Wer sein Auto in die Waschanlage fährt, der will nicht nur, dass es sauber wieder herauskommt, sondern auch unbeschädigt. Das klappt meistens, aber nicht immer: Abgerissene Außenspiegel und Spoiler, Dellen und Lackschäden sind nur einige der Mängel, mit denen sich die einschlägigen Sachverständigen befassen müssen. Was tun, wenn in der Waschstraße etwas schiefläuft? Und wer haftet in so einem Fall?

Grundsätzlich sollte man sich das Fahrzeug nach Abschluss der Wäsche genau ansehen. Gibt es Schäden, die vorher noch nicht da waren, heißt es Beweise sichern und Zeugen suchen. Also: Bilder machen und gegebenenfalls andere Kunden fragen, ob ihnen schon vor dem Einfahren in die Waschstraße Beschädigungen aufgefallen sind. Dann meldet man sich beim Personal, am besten beim Betreiber. Das Auto sollte man währenddessen auf dem Betriebsgrundstück lassen. Sowohl die Schäden als auch das Gespräch dokumentiert man am besten schriftlich. Ist der Schaden groß, kann es sich lohnen, sofort einen Kfz-Sachverständigen dazuzuholen – zumindest dann, wenn sich abzeichnet, dass der Betreiber unkooperativ ist.    

"Rechtlich gesehen handelt es sich bei dem Vertrag über die Autowäsche um einen Werkvertrag", erklärt die Arag-Rechtsschutzversicherung. Bezahlt der Kunde eine Autowäsche, hat der Anlagenbetreiber auch die Pflicht dafür zu sorgen, dass der Wagen durch die Reinigung nicht beschädigt wird. Ansonsten muss er haften – egal ob der Schaden schon bei der Vorwäsche durch einen Mitarbeiter verursacht wurde oder erst in der Waschstraße. Wenn dem Betreiber nur leichte Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist, schützt ihn das nicht, auch für deren Folgen muss er geradestehen. Andere Regelungen in den AGB sind unwirksam. Unzulässig ist es auch, bestimmte Schäden von vornherein auszuschließen oder eine Höchstgrenze für die Erstattung festzulegen.

Schwierige Beweislage

Diese Regelungen helfen Kunden allerdings erstmal wenig. Sie müssen nämlich nachweisen, dass der Betreiber den Schaden zu verantworten hat. Technisch ist das kaum möglich, schließlich hat der Autofahrer keinen Einblick in den Betrieb des Anlage.  Die Rechtsprechung sieht deshalb eine Beweiserleichterung vor: Kann der Kunde – etwa durch Zeugenaussagen - glaubhaft machen, dass der Schaden erst in der Waschanlage entstanden ist, dann spricht der erste Anschein für ein Verschulden des Betreibers. Der kann die Vorwürfe allerdings entkräften, etwa wenn er nachweist, dass die Anlage regelmäßig gewartet wurde und keine Fehlfunktionen hatte.

Diese erleichterte Beweisführung greift allerdings nur bei den sogenannten Portalwaschanlagen, bei denen der Autofahrer den Wagen verlässt und damit keinen Einfluss auf den Waschvorgang nehmen kann. Anders liegt der Fall bei Waschstraßen. Bei ihnen wird der Wagen auf einer Art Förderband gezogen, während der Fahrer in der Kabine bleibt. Hier ist nicht auszuschließen, dass der Fahrer den Schaden selbst verursacht hat, etwa durch Lenken oder Bremsen.

So früh wie möglich Gutachter einschalten

Ist der Schaden groß und lässt sich die Ursache nicht eindeutig ausmachen, ist das ein Fall für einen Gutachter. Je früher man sich darum kümmert, desto besser, schließlich ist die Beweissicherung deutlich erschwert, wenn seit dem Vorfall ein paar Monate vergangen sind. Unter Umständen hilft einem die eigene Rechtsschutzversicherung weiter, doch bei den meisten Policen gehört die Übernahme solcher vorprozessualen Kosten nicht zum Standard. Erkennt später ein Gericht an, dass der Schaden tatsächlich durch die Waschanlage entstanden ist, muss der Anlagenbetreiber die für den Gutachter Rechnung bezahlen – ansonsten bleibt der Autofahrer auf den Kosten sitzen.

Landet der Fall vor Gericht, wird meistens ein Sachverständiger bestellt. Doch dessen Urteil fällt längst nicht immer im Sinne des Kunden aus: Lackschäden etwa würden in der Regel nur anerkannt, wenn sie durch abgerissene Autoteile verursacht worden seien, so der Arbeitskreis Sachverständiger für Schäden durch und an Kfz-Waschanlagen (AKSV). Ansonsten seien die Bürsten in der Regel so gebaut, dass keine Schäden zu erwarten seien. Auch erkennen Sachverständige demnach gut, ob der Schaden auf ein Fehlverhalten in der Waschstraße zurückzuführen ist. Schwieriger werde es bei Kollisionen am Ende der Waschstraße, so der AKSV. Hier gebe es auch keine einheitliche Rechtsprechung.

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Quelle: n-tv.de

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