Ratgeber

Girokonto-Wechsel: Besser Online- oder Filialbankkonto?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Bald ist es wieder so weit. Etliche Banken präsentieren ihren Kunden die Quartalsabrechnung fürs Girokonto – und sorgen für reichlich Frust. Denn noch immer gibt es Institute, die keine kostenlose Kontoführung bieten. Ein Wechsel würde sich da doch lohnen. Oder?

Viele Banken werben intensiv um Neukunden und loben für einen Wechsel zwischen 50 und 250 Euro aus.
Viele Banken werben intensiv um Neukunden und loben für einen Wechsel zwischen 50 und 250 Euro aus.(Foto: dpa)

Wer auf der Suche nach dem idealen Konto ist, sollte zunächst ein paar grundlegende Fragen klären.

Habe ich einen guten Internetzugang? Und wenn ja: Kann ich damit umgehen? Zahle ich viel mit Kredit- und Girokarte oder benötige ich öfter Bargeld? Möchte ich meinen Kundenbetreuer persönlich sprechen oder stelle ich meine Fragen lieber per Telefon oder E-Mail? Achte ich sehr auf die Kosten oder mag ich das Gefühl des persönlichen Services? Steht meine Filiale vor Ort kurz vor der Schließung? Die Antworten darauf entscheiden oft schon, ob ein preisgünstiges Online-Konto oder ein Filialbankkonto das Richtige ist.

Für Freunde klassischer Überweisungsträger

Wer ungern Zahlenkolonnen fürs Online-Banking abtippt, sondern den fertig ausgefüllten Überweisungsvordruck lieber in der Filiale abgibt oder in den Bank-Briefkasten wirft, sollte über ein Filialbankkonto nachdenken. Die sind zwar meist nur gegen Gebühr von rund fünf Euro zu haben. Dafür ist Bearbeitung papierner Überweisungsträgern meist inklusive. Online-Kunden, die solche Formulare an ihre Bank schicken, zahlen dafür in sehr vielen Fällen zwischen 0,90 und 10 (!) Euro – für den Mehraufwand bei der Bearbeitung.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Auch das Einreichen eines Schecks kostet bei einzelnen Banken extra – allerdings keineswegs nur bei den Online-Anbietern: Eine Untersuchung der FMH hat ergeben, dass auch Filialbanken extrem erfinderisch geworden sind und ihre Kunden für alle möglichen Minidienstleistungen zur Kasse bitten. Selbst die Überweisung am eigenen (!) Selbstbedienungsterminal kostet bei einigen Anbietern extra.

Für alle, die gern bar bezahlen

Auch für Kunden, die oft Geld am Automaten ziehen, gibt es das passende Konto – je nach Liquidität. Wer öfters sich am Kontolimit bewegt und vielleicht am Automaten nicht immer Geld bekommt, fährt vermutlich mit einem Filialkonto besser. Der Kontakt zum Bankmitarbeiter kann dort – im Idealfall – noch immer näher und persönlicher sein. Online zählen hingegen die bloßen Fakten. Weiteres Problem der Onliner: Nicht alle Anbieter bieten ihren Kunden ein großes Netz kostenfreier Geldautomaten. Wenn aber jedes Geldziehen mit zwei bis fünf Euro zu Buche schlägt, ist der Vorteil der kostenlosen Kontoführung schnell dahin.

Sinnvoll kann es sein, das Girokonto bei einer Bank zu wählen, die per Kreditkarte ein bundesweites, euroweites (zum Beispiel Volkswagenbank und ING-DiBa) oder sogar weltweites (zum Beispiel DKB und netbank) kostenfreies Bargeldabheben anbietet. Wer sein Geld sowieso am Automaten in seiner Nähe holt und auch nicht die Absicht hat, sich auch an Automaten fremder Banken zu bedienen, kann diesen Faktor vernachlässigen.

Für Prämienjäger

Viele Banken werben intensiv um Neukunden und loben für einen Wechsel zwischen 50 und 250 Euro aus. Prämien sind eine nette Dreingabe, sollten aber keineswegs der einzige Grund für einen Kontowechsel sein. Zudem sollten Interessenten genau hinschauen, ob und wie man das Geld tatsächlich bezahlt bekommt. Targobank und Postbank zum Beispiel schreiben Neukunden das Geld nicht auf dem neuen Konto gut, sondern bieten stattdessen Einkaufsgutscheine an. Damit wird die Prämienzahlung für die Bank um einiges billiger, weil sie von den Unternehmen Provisionen erhalten.

Quelle: n-tv.de

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