Ratgeber

Handy-Tarife: Billiger geht fast immer

von Isabell Noé

Viele Menschen telefonieren heute mehr mit dem Handy als übers Festnetz. Das geht nur, weil die Tarife in den letzten Jahren deutlich billiger geworden sind. Trotzdem zahlen die Meisten mehr, als sie müssten, weil sie den falschen Vertrag haben. Bis zu 300 Euro Ersparnis sind drin.

Viel-Telefonierer zahlen oft weit über 50 Euro im Monat. Das muss nicht sein.
Viel-Telefonierer zahlen oft weit über 50 Euro im Monat. Das muss nicht sein.(Foto: dpa)

Gut 15 Jahre ist es her, dass Handys in Deutschland zum Massenphänomen wurden. Eigentlich ein Wunder angesichts der enormen Kosten, die ein Vertrag mit sich brachte. Unter 10 Euro Grundgebühr ging gar nichts, dazu kamen Gesprächspreise von mehr als 50 Cent pro Minute. Inzwischen gibt es mehr Handyverträge als Einwohner, was entscheidend daran liegen dürfte, dass sich die Konditionen erheblich verbessert haben. Konkurrenz belebt eben das Geschäft: Neben den vier Netzbetreibern gibt es Reseller, die mit günstigen Handys locken und zahlreiche Discounter, die ihre Tarife übers Internet oder im Supermarkt anbieten.

Wer sein Handy nur sporadisch braucht und höchstens eine halbe Stunde im Monat telefoniert, muss dafür nicht mehr als 3,50 Euro ausgeben. Doch selbst Viel-Nutzer, die drei Stunden an der Strippe hängen, 80 SMS schreiben und mit dem Handy ins Netz gehen, kommen schon mit gut 25 Euro weg, hat das Vergleichsportal Check 24 ermittelt. Wer deutlich mehr zahlt, hat den falschen Tarif. Doch wie findet man den richtigen? Am besten, indem man erst mal sein Nutzungsverhalten analysiert, also alte Rechnungen und Einzelverbindungsnachweise zu Rate zieht, rät Oliver Bohr von Check24: "Wichtig ist zu wissen, wie lange man telefoniert, wie viele SMS man verschickt und welche Datenmengen man bei Surfen verbraucht."

Die größten Kostenfallen

Oft sind es gerade die SMS, die Telefonrechnungen in die Höhe treiben. Bei vielen Netzbetreibern zahlt man immer noch 19 Cent für eine Nachricht von höchstens 140 Zeichen. Die meisten Discounter verlangen nicht mal halb so viel. Viel-Schreiber könnten auch mit einer SMS-Flatrate gut bedient sein. Ab 9,90 Euro kann man sich jeden Monat die Finger wund tippen. Das lohnt sich ab 165 SMS pro Monat.   

Kurznachrichten sind nicht die einzigen Kostenfallen. Fast schon ein Klassiker sind die Auslandstelefonate. Zwar gibt es für Gespräche innerhalb der EU inzwischen Preisgrenzen, dennoch machen viele Anbieter hier noch ordentlich Kasse. Und das seit ein paar Jahren auch beim Datenroaming. Am besten, man deaktiviert die Internetverbindung, wenn man Deutschland verlässt, um automatisches Einwählen ins Netz zu verhindern. Auch die Mailbox wird im Ausland besser abgeschaltet, schließlich zahlt der Angerufene die Handykosten ab der deutschen Grenze.     

Wer die Kosten nicht aus den Augen verlieren will, ist mit Prepaid-Tarifen, bei denen ein vorhandenes Guthaben abtelefoniert wird, eigentlich gut bedient. "Vorsicht ist aber bei sogenannten Pseudo-Prepaid-Tarifen geboten", warnt Oliver Bohr. Diese Tarife sind zwar auch im Voraus zu bezahlen. Allerdings ist nicht automatisch Schluss, wenn das Konto leer ist. Man kann dann weiter telefonieren, SMSn oder surfen und bekommt erst später die Rechnung präsentiert. Kostenkontrolle ist da nur bedingt möglich. Viele Menschen nutzen ihr Prepaid-Handy aber ohnehin nur, um sich anrufen zu lassen. Sie sollten darauf achten, dass ihr Anbieter keine Nichtnutzungsgebühr erhebt.  

Das Problem mit dem Verfall 

Die besten Tarife für Wenig-Nutzer.
Die besten Tarife für Wenig-Nutzer.
Die besten Tarife für Normal-Nutzer.
Die besten Tarife für Normal-Nutzer.

Aufpassen sollte man auch bei Tarifen mit Freiminuten oder Mindestumsätzen. Wer hier nicht richtig kalkuliert, verschenkt Geld. Nicht genutzte – aber bezahlte – Freiminuten verfallen in aller Regel zum Monatsende. Und wer dauernd unter dem Mindestumsatz bleibt, zahlt Monat für Monat mehr, als er müsste. Das Verfalls-Problem kennt man auch im kleineren Maßstab, nämlich bei der Gesprächsabrechnung. Prepaid-Tarife verwenden oft eine 60/60 Taktung, man zahlt also für jede angefangene Gesprächsminute den vollen Preis – auch wenn man nur 61 Sekunden telefoniert. Bei Minutenpreisen von acht oder neun Cent, wie sie bei günstigen Anbietern mittlerweile üblich sind, mag das nicht dramatisch erscheinen. Führt man sich aber vor Augen, dass Handygespräche meist eher kurz ausfallen, können schon ein paar Extra-Euro zusammenkommen. Verbraucherfreundlicher ist die 60/10 Taktung, die in den meisten Verträgen zu finden ist. Zwar zahlt man auch hier die erste Minute voll, danach geht es aber im Zehn-Sekunden-Takt weiter. Sekundengenaue Abrechnung von Anfang an findet man in der Tariflandschaft nur sehr selten.

Die besten Tarife für Viel-Nutzer.
Die besten Tarife für Viel-Nutzer.
Die besten Tarife für Handy-Surfer.
Die besten Tarife für Handy-Surfer.

Und welches sind sie nun, die besten Tarife? Hier hilft ein Blick in die Tabellen weiter. Fest steht: Wer nicht vergleicht, legt ordentlich drauf. Das bestätigt auch Check24-Experte Bohr: "Unser Test zeigt, dass Wenig-Telefonierer mit dem optimalen Tarif über 100 Euro im Jahr sparen können. Bei Viel-Nutzern sind es sogar über 300 Euro." Also, keine Scheu vorm Anbieterwechsel. Die Rufnummernmitnahme kann zwar bis zu 30,72 Euro kosten, manchmal werden die Gebühren aber vom neuen Anbieter übernommen. Und bei der möglichen Ersparnis lohnt sich der Wechsel in einen passenden Tarif allemal.

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Quelle: n-tv.de

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