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Fliegen gilt längst nicht mehr als Luxus und so fühlt es sich auch nicht mehr an.
Fliegen gilt längst nicht mehr als Luxus und so fühlt es sich auch nicht mehr an.(Foto: imago/Manngold)

Tenhagens Tipps: Billigflieger: Nur günstig oder auch gut?

Für 15  Euro nach London jetten oder für 25 Euro nach Köln – auf vielen Strecken ist das Flugzeug inzwischen das günstigste Verkehrsmittel. Wie gut sind die Billigairlines? Wer ist am preiswertesten und wo sitzt man am bequemsten? Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen weiß es.

n-tv.de: Finanztip hat Billigairlines bewertet. Was und wie haben Sie denn da geprüft?

Hermann-Josef Tenhagen: Wir haben uns natürlich die Preise angeschaut, aber auch das Gesamtpaket. Wie ist die Gepäckmitnahme geregelt? Muss ich zu irgendeinem entlegenen Flughafen fahren? Wie ist das jeweilige Streckennetz ausgebaut, wie werden die gängigen Linien bedient? Und nicht zuletzt auch: Wie zufrieden sind die Reisenden?

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtforschung hat im Februar eine Flugreisanalyse gemacht. Auf dieser Basis haben wir dann die sechs Billigairlines herausgefiltert, die bestimmte Standardstrecken auch bedienen. Das sind zum Beispiel die Verbindungen Köln – Berlin, Düsseldorf – Palma de Mallorca oder Berlin – London.

Und wer fliegt nun am günstigsten?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Beim reinen Flugpreisvergleich hat Ryanair gewonnen, gefolgt von Easyjet und Vueling. Im Schnitt lag Ryanair am nächsten am jeweils günstigsten Angebot. Aber der Flugpreis allein ist ja noch nicht alles. Wenn man zum Beispiel zwei Wochen auf Mallorca bleiben will, reicht das Handgepäck ja womöglich nicht aus. Also haben wir auch geschaut, was die Gepäckaufgabe kostet. Bei Eurowings zahlt man 15 Euro, bei Easyjet zwischen 17 und 25 Euro, bei Ryanair zwischen 25 und 35 Euro. Bucht man den Koffer erst am Flughafen dazu, kostet das nochmal wesentlich mehr. Das kann dann gut sein, dass man fürs Gepäck mehr bezahlt als für den ganzen Flug. Dann haben wir uns noch die Sitzplatzreservierung angeschaut.

Was kostet die so?

Das kommt darauf an, ob man einen Standardplatz reserviert, weil man zum Beispiel zusammen mit den Freunden sitzen will, oder einen XL-Sitz mit mehr Beinfreiheit. Die normale Sitzplatzreservierung kostet bei Vueling und Easyjet ab 5 Euro, bei Norwegian und Air Berlin 9 Euro. Für XL-Sitze zahlt man bis zu 27 Euro Aufschlag bei Air Berlin. Andere sind da etwas günstiger, Eurowings zum Beispiel nimmt 20 Euro, da sind dann aber auch ein Snack und ein Getränk inklusive.

Lohnt sich der XL-Sitz denn überhaupt? Wie groß sind die Sitze?

Bei Billigfliegern ist das vielleicht gar nicht unbedingt so wichtig, die bedienen ja normalerweise Kurz- oder Mittelstrecken. Aber Norwegian zum Beispiel fliegt ja auch nach Bangkok, da wäre ein enger Sitz schon anstrengend. Auch Airberlin hat Langstrecken. Vergleichsweise viel Beinfreiheit hat man bei Vueling und Eurowings, da hat man gut 76 Zentimeter Sitzabstand. Bei Air Berlin sind es 74 bis 76 Zentimeter. Ziemlich eng kann es bei Easyjet werden, die haben einige Maschinen mit nur 72 Zentimetern. Für 15 Euro kann man aber einen XL-Sitz dazubuchen, der hat dann komfortable 81 Zentimeter Abstand.

Beim Komfort muss man also Abstriche machen - bei der Sicherheit auch?

Die Sicherheit haben wir bei der Bewertung nicht berücksichtigt, weil eigentlich alle Billigairlines mit modernen Maschinen unterwegs sind und auch sonst in der Flugsicherheit ordentlich bewertet werden.. Im Jacdec, dem internationalen Flugsicherheitsindex, steht Eurowings nach dem Absturz einer Maschine in den französischen Alpen im letzten Jahr natürlich schlecht da. Das war aber ein Ausnahmefall und hat nichts mit einer technisch veralteten Flotte oder dergleichen zu tun. Da muss man also keine Sorge haben.

Und wer hat den Test nun gewonnen?

Wenn man alle Kriterien – außer der Sicherheit - zusammennimmt, schneidet Eurowings am besten ab. Das Streckennetz ist gut ausgebaut, die Preise in der Regel günstig und der Service ist besser als bei Easyjet oder Ryanair. Wenn man nur auf den Preis guckt, gewinnt wie gesagt Ryanair. Da muss man dann eben eventuell zu einem entlegeneren Flughafen wie Frankfurt Hahn. Je nachdem wo man wohnt, muss das aber nicht schlecht sein.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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