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Ratgeber

Mittwoch, 13. August 2008

Adresshändler: Das Geschäft mit den Daten

Rund um die Nutzung von Verbraucherdaten zu Werbezwecken ist in den vergangenen Jahren ein Milliardengeschäft entstanden: Über 50 Milliarden Euro geben Unternehmen in Deutschland jährlich für Werbeanrufe und -schreiben an ihre Kunden aus. Die Daten bekommen sie von professionellen Adress-Sammlern. Durch den Skandal rund um die Weitergabe von Kontodaten und Adressen tausender Bundesbürger wurde deutlich, welche Risiken der Adresshandel für Verbraucher birgt.

Welche Unternehmen sammeln und handeln mit Verbraucherdaten?
Auf den Handel mit Verbraucherdaten haben sich sogenannte Listbroker - auch Adressbroker genannt - spezialisiert. Diese Unternehmen kaufen bei anderen Firmen Kundeninformationen ein, verarbeiten diese und vermieten oder verkaufen die Daten dann weiter. Daneben sammeln sogenannte Auskunfteien wie die Schufa Verbraucherdaten und erteilen anderen Firmen Informationen über die Kreditwürdigkeit von Kunden. Neben diesen spezialisierten Anbietern speichern heute aber praktisch alle Firmen Kundendaten, um ein besseres Bild vom Kaufverhalten der Verbraucher zu erhalten - zum Beispiel auch über die beliebten Kundenkarten.

Wie kommen die Unternehmen in den Besitz der Daten?
Wenn sie Kaufverträge abschließen, stimmen Verbraucher oft der Speicherung und Nutzung persönlicher Informationen zu - möglicherweise auch der Weitergabe an Dritte. Aber auch Preisausschreiben sind eine wichtige Datenquelle. Die Veranstalter verkaufen die Informationen häufig an Listbroker weiter. Auskunfteien erhalten ihre Informationen meist von Banken und Sparkassen sowie Telekommunikationsunternehmen. Deren Kunden erklären sich bei einer Kontoeröffnung oder einem Vertragsabschluss in aller Regel mit der Weitergabe ihrer Daten einverstanden.

Welche Kundendaten werden gespeichert?
Für die Wirtschaft sind alle verfügbaren Einzeldaten von Verbrauchern interessant. Je detaillierter die Informationen sind, desto besser ist das Bild, das sich die Unternehmen von ihrer Kundschaft machen können. Entsprechend gezielt kann die Werbung für ein Produkt dann gestreut werden.

Wie nutzen die Unternehmen die Informationen?
Die Firmen sieben anhand ihrer umfangreichen und detaillierten Kundendateien aus, welche Verbraucher mit Werbung angesprochen werden sollen. Weitverbreitete Werbeformen sind die Telefonwerbung und den Versand von personalisierten Briefen. Zwei Drittel der Werbegelder werden in Deutschland für dieses Direktmarketing ausgegeben. Allerdings sind der Telefonwerbung enge Grenzen gesetzt. Sie ist nur mit vorheriger Zustimmung der Verbraucher erlaubt.

Dürfen Kundendaten weiterverkauft werden?
Ja - aber nur, wenn der Verbraucher zuvor seine ausdrückliche Zustimmung erteilt hat.

Können Verbraucher der Nutzung und Weitergabe ihrer Daten widersprechen?
Jederzeit. Dazu müssen sie nur schriftlich oder telefonisch Kontakt zu den Unternehmen aufnehmen und der Nutzung ihrer Daten widersprechen. Datenschützer raten, eine komplette Löschung der Kundeninformationen zu verlangen. Allerdings kann es danach immer noch zu Werbeanrufen kommen: Denn sind persönliche Daten erst einmal im Umlauf, ist es schwer, ihre Nutzung zu kontrollieren.


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