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Preissteigerung von 84 Prozent: Das ist die "Mogelpackung des Jahres"

Die Verbraucher haben ihr Urteil getroffen. Auf Initiative der Verbraucherzentrale Hamburg waren sie aufgerufen, über das Produkt, mit welchem sie besonders getäuscht wurden, abzustimmen und den Herstellern so einen Denkzettel zu verpassen.

Jedes Jahr erhält die Verbraucherzentrale Hamburg weit mehr als tausend Beschwerden zu Mogelpackungen.
Jedes Jahr erhält die Verbraucherzentrale Hamburg weit mehr als tausend Beschwerden zu Mogelpackungen.(Foto: imago/Eckhard Stengel)

Die Bebe Zartcreme des Herstellers Johnson & Johnson ist die Mogelpackung des Jahres 2015. Sie wurde von Verbrauchern via einer Online-Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg gewählt. Die Creme wurde mit einem Ergebnis von 32,6 Prozent unter fünf Kandidaten zum "Sieger" gekürt.

Auf dem zweiten Platz landete mit 25,4 Prozent das Kaffeegetränk Tassimo Latte macchiato classico von Jacobs Douwe Egberts. Den dritten Rang erreichte mit 20,2 Prozent die Kopfsteherflasche Curry Ketchup von Heinz. Auf Platz vier und fünf kamen die Zahnpasta Dentagard von Colgate-Palmolive und der Herta Finesse Schinken von Nestlé.

Der Hersteller Johnson & Johnson verringerte bei der erstplatzierten Bebe Zartcreme im vergangenen Jahr die Füllmenge bei drei verschiedenen Packungsgrößen: von 250 auf 150 Milliliter, von 75 auf 50 Milliliter sowie von 30 auf 25 Milliliter. Da die Dosengröße in zwei der Fälle sogar gleich blieb, fiel der geschrumpfte Inhalt kaum auf. Die Füllmengenreduzierung, die teilweise mit Preiserhöhungen durch den Handel einherging, führte zu einer Preissteigerung von bis zu 84 Prozent. Darüber hinaus wurde Verbrauchern mit der Einführung der neuen Packungsgrößen der Konservierungsstoff Phenoxyethanol untergejubelt; die alte Creme kam noch ohne Konservierungsstoff aus.

Beim Produkt Tassimo Latte macchiato classico betrieb der Hersteller Jacobs Douwe Egberts bei der sogenannten Milchkomposition neben der Füllmengenreduzierung gleichzeitig Qualitätsdumping. Statt echter Milch verwendet der Konzern jetzt "Mogelmilch". Diese besteht nur noch aus einzelnen Milchbestandteilen, die mit dem Verdickungsmittel Gummi arabicum (E 414) zusammengehalten werden.

Bei der Abstimmung haben im Vergleich zum Vorjahr sechsmal mehr Menschen teilgenommen. "Das Rekordergebnis zeigt, dass sich immer mehr Leute über die Preistricksereien der Hersteller ärgern und ihnen einen Denkzettel verpassen wollen", meint Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Verbraucherschützer fordern denn auch Hersteller und Handel auf, Verbraucher nicht mit versteckten Preiserhöhungen zu täuschen. Demnach sollte die Politik einen gesetzlichen Rahmen schaffen, der solche Mogelpackungen nicht zulässt. Denn das Eichrecht ist wenig verbraucherfreundlich.

Im Vorjahr wählten Verbraucher die Windeln Pampers vom Hersteller Procter & Gamble zur Mogelpackung des Jahres.

Quelle: n-tv.de

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