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"Möchte in Würde sterben": Das ist wichtig bei der Patientenverfügung

Von Isabell Noé

Vielen Menschen ist die Vorstellung ein Graus, die letzten Tage, Wochen oder Monate des Lebens bewusstlos an Schläuchen zu hängen. Wer im Ernstfall nicht künstlich am Leben gehalten werden will, muss rechtzeitig Regeln aufschreiben. Doch das ist gar nicht so einfach.

Viele Menschen wollen nicht künstlich am Leben gehalten werden. Doch genau das passiert, wenn der Arzt keine anderen Anweisungen hat.
Viele Menschen wollen nicht künstlich am Leben gehalten werden. Doch genau das passiert, wenn der Arzt keine anderen Anweisungen hat.(Foto: imago/Westend61)

Friedlich vorm Fernseher einschlafen, wie Udo Jürgens beim Spazierengehen umfallen oder spektakulär beim Sex abtreten – fragt man Menschen, wie sie sterben wollen, wird man alles Mögliche hören. Nur eine Antwort wird wohl kaum fallen: im Krankenhaus an Apparaten angeschlossen künstlich ernährt werden, bis irgendwann das Herz stehen bleibt. Dabei ist diese Variante gar nicht mal so unwahrscheinlich. Wer das unter allen Umständen vermeiden möchte, braucht eine Patientenverfügung. Mit ihr lässt sich regeln, was Ärzte in bestimmten medizinischen Situationen tun sollen und was nicht. Hier ist alles, was man zu dem Thema wissen sollte:

Ist die Patientenverfügung so etwas wie eine Vorsorgevollmacht?

Sowohl die Patientenverfügung als auch die Vorsorgevollmacht greifen für den Fall, dass ein Mensch seinen Willen nicht mehr selbst frei äußern kann. Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, haben aber unterschiedliche Bedeutungen. Mit der Vorsorgevollmacht ermächtigt man eine Vertrauensperson, bestimmte Angelegenheiten zu regeln, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Diese Person kann einen dann beispielsweise gegenüber Banken, Behörden, Pflegeheimen oder Krankenhäusern vertreten. Gibt es keine Vorsorgevollmacht, bestellt ein Gericht einen gesetzlichen Betreuer – und das muss nicht zwingend der engste Familienangehörige sein oder derjenige, den man selbst ausgesucht hätte.

In der Patientenverfügung legt man hingegen konkret fest, welche medizinischen Behandlungen beispielsweise bei Krankheiten im Endstadium oder bei einer Gehirnschädigung angewendet werden sollen. Auch wenn man möchte, dass die Ärzte alle Möglichkeiten ausschöpfen, kann das hier angeben werden. Ohne Patientenverfügung muss der Betreuer oder der Bevollmächtigte diese Entscheidungen treffen. Denn Ärzte dürfen nicht ohne Zustimmung behandeln.

Ein dritter Begriff, der gelegentlich fällt, ist die Betreuungsverfügung. Mit ihr legt man unkompliziert fest, wen das Gericht im Ernstfall zum Betreuer bestimmen soll. Das ist sinnvoll, wenn es keine Vorsorgevollmacht gibt oder wenn ein bestimmter Bereich von der Vollmacht ausgeschlossen ist.

Welche Formalien sind bei der Patientenverfügung wichtig?

Wer eine Patientenverfügung aufsetzt, sollte sich dabei beraten lassen.
Wer eine Patientenverfügung aufsetzt, sollte sich dabei beraten lassen.(Foto: imago/McPHOTO)

Patientenverfügungen müssen schriftlich abgefasst werden, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Wichtig ist eine Unterschrift. Alternativ kann man das Dokument auch zusammen mit einem Notar abfassen und von diesem beglaubigen lassen. Der Vorteil dabei: Der Notar verwendet rechtssichere Formulierungen und kann auch über deren Tragweite aufklären. Da eine gute Patientenverfügung ziemlich detailreich ist, kann das sinnvoll sein.

Wenn man die Patientenverfügung mit einem Notar aufsetzt, bleibt das Originaldokument in dessen Kanzlei. Ansonsten kann man das Papier zu Hause aufbewahren – wichtig ist nur, dass die Angehörigen wissen, wo sie es finden. Praktisch ist ein Kärtchen in der Geldbörse, auf dem vermerkt ist, welche Vollmachten und Verfügungen vorhanden sind und wo man sie findet. Am sichersten ist es, wenn man das Dokument im Zentralen Vorsorgeregister registriert. Online kostet das einmalig 13 Euro.

Kann man die Patientenverfügung noch ändern?

Ja. Patientenverfügungen werden in bestimmten Lebensphasen abgefasst. Deshalb ist es auch üblich, die Anweisungen von Zeit zu Zeit zu überprüfen und zu überarbeiten. Eine gesunder 30-Jähriger wird andere Prioritäten haben als ein 70-jähriger mit Krebs im Endstadium. Eine Änderung ist übrigens auch formlos und mündlich möglich, also im Ernstfall auch noch auf dem Krankenbett oder kurz bevor man operiert wird.

Wie formuliert man die Patientenverfügung?

In Würde sterben will wohl jeder. Als einzige Anweisung in der Patientenverfügung reicht das aber nicht aus. Und auch der Hinweis, dass man keine lebensverlängernden Maßnahmen wünscht oder nicht "dahinvegetieren" möchte, ist nicht konkret genug. Die Patientenverfügung richtet sich schließlich an Ärzte und die müssen eben genau wissen, was sie in welchen Fällen tun oder lassen sollen.

Um Ärzten und Bevollmächtigten Anhaltspunkte zu geben, ist es sinnvoll, in der Patientenverfügung zunächst über sich selbst zu sprechen. Wie sind die eigenen Lebens- und Wertvorstellungen? Blickt man auf ein erfülltes Leben zurück oder sieht man sich noch lange nicht am Ende? Wie ist man bislang mit Krankheiten und Schicksalsschlägen umgegangen? Wäre der Tod eine schlimme Vorstellung? Welche Rolle spielen Religion und Spiritualität? Es ist nicht nötig, hier ganze Romane zu schreiben, aber ein paar Sätze über sich selbst sind zur Orientierung sehr hilfreich, gerade wenn Ärzte Entscheidungen treffen sollen, die man nicht festgelegt hat.

Gerade wenn man noch gesund ist, sollte man überlegen, wie genau man bestimmte Behandlungswünsche differenziert und in welchen Situationen die Verfügung überhaupt gelten soll. Lehnt man beispielsweise künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr nur in der Sterbephase ab oder nach einer plötzlichen Hirnschädigung, etwa durch einen Schlaganfall oder einen Unfall?

Im Internet gibt es diverse Vorlagen, die man zumindest zur Orientierung verwenden kann. Ohne ein gewisses medizinisches Wissen kommt man hier aber nicht weit. Wünscht man künstliche Ernährung in den Magen oder in die Venen? Sollen Blutbestandteile gegeben werden, um das Leben zu verlängern oder nur zur Beschwerdelinderung? Oder überhaupt nicht? Laien sind sich der Tragweite einzelner Formulierungen oft nicht bewusst. Im Ernstfall wird sich der Arzt aber an die festgelegten Vorgaben halten. Deshalb sollte man die Patientenverfügung am besten zusammen mit einem Arzt abfassen, Hilfe findet man auch bei Hospizvereinen.

Was, wenn die Angaben zu ungenau sind?

Nicht alles lässt sich im Detail regeln und vielleicht hat der Betroffene für bestimmte Situationen auch Fragen offen gelassen oder sich unklar geäußert. In solchen Fällen ist der Bevollmächtigte gefragt. Er muss überlegen, wie der Patient wohl entscheiden hätte und dabei gegebenenfalls auch Familienangehörige und Vertrauenspersonen einbeziehen. Dann muss er die Maßnahmen mit dem Arzt erörtern.

Was passiert im Notfall?

Idealerweise kann der Arzt bei Bedarf schnell auf die Patientenverfügung zugreifen und weiß dann, was er tun darf. Doch gerade nach plötzlichen Schicksalsschlägen, etwa einem Unfall oder einem Hirnschlag, ist womöglich gar keine Zeit, sich mit einer Kontaktperson abzusprechen. Solange der Wille des Patienten nicht bekannt ist, muss der Arzt auf jeden Fall lebenserhaltende Maßnahmen einleiten.

Quelle: n-tv.de

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