Ratgeber

Auf den Trend setzen : Der Nutzen von Aktienstrategien

An den Börsen geht es derzeit wieder aufwärts. Ist das der richtige Zeitpunkt für den Einstieg? Ja, wenn man an bestimmte Börsenweisheiten glaubt. Das Problem: Solche Strategien bergen auch Risiken. Dennoch können Anleger sie für sich nutzen.

Anleger, die nur auf Trends setzen, gehen ein größeres Risiko ein. Besser ist es, sich die einzelnen Unternehmen genau anzusehen.
Anleger, die nur auf Trends setzen, gehen ein größeres Risiko ein. Besser ist es, sich die einzelnen Unternehmen genau anzusehen.

Es ist eine alte Börsenregel: "The trend is your friend" - was übersetzt etwa "Der Trend ist auf deiner Seite" heißt. Ein anderes Sprichwort rät davon ab, ins "fallende Messer zu greifen". Die Idee hinter beiden Weisheiten ist dieselbe: Die Entwicklungen einzelner Aktien in der Vergangenheit setzen sich auch in der Zukunft fort. Welche Lehren können Anleger daraus ziehen?

"Jeder will besser sein als der Markt", sagt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. "Um das zu erreichen, suchen Anleger immer nach neuen Ansatzpunkten und entwickeln neue Strategien." Eine dieser Strategien - die sogenannte Momentum-Strategie - leitet sich aus den beiden zitierten Weisheiten ab. "Dabei versucht man quasi, den Schwung des Moments auszunutzen", erklärt der Wissenschaftler.

In der Praxis funktioniert das in etwa so: "Man muss einen Aktienindex, wie etwa den Dax, zunächst in gute und schlechte Aktien aufteilen", erklärt Weber. "Die guten Aktien kauft man dann." Etwas komplizierter ist es bei den schlechten Aktien, denn hier wettet der Anleger auf sinkende Kurse. "Gewinne lassen sich nur mit Leerverkäufen erzielen", sagt Weber. Das heißt: Der Anleger leiht sich die Aktien und verkauft sie, in der Hoffnung, sie zu einem späteren Zeitpunkt billiger kaufen und zurückgeben zu können.

Ein durchaus erfolgsversprechender Ansatz. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass die Momentum-Strategie tatsächlich Gewinn abwirft. Die Höhe der erzielten Rendite variierte dabei aber je nach Zeitraum und Aktienmarkt.

"Für Kleinanleger kann das allerdings riskant sein", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. "Denn Anlagestrategien haben oft den Nachteil, dass sie nicht auf Dauer funktionieren." Ein weiteres Problem: "Leerverkäufe sind für Kleinanleger in Deutschland gar nicht möglich", sagt Weber. Zudem seien in den wissenschaftlichen Studien die Handelskosten nicht berücksichtigt worden.

Was bringt die Strategie dann privaten Anlegern also? "Wenn man diese Zusammenhänge kennt, versteht man generell besser, wie der Aktienmarkt funktioniert", so Weber. Und auch, wenn die Strategie nicht eins zu eins angewendet werden kann: "Wer sich an einer solchen Herangehensweise orientiert, ist disziplinierter", sagt Kurz.

Denn einen gravierenden Fehler machen Anleger immer wieder. "Sie lassen die Gewinne nicht lange genug laufen, Verluste aber schon", sagt Kurz. Das heißt: Steigt der Aktienkurs, verkaufen sie oft zu schnell. Sinkt der Kurs, halten sie sie zu lange. "Eine solche Herangehensweise wie die Momentum-Strategie erzieht Anleger dazu, nicht so emotional zu handeln und damit höhere Renditen zu erzielen."

Grundsätzlich sollten Anleger aber zunächst die nüchternen Fakten in den Blick nehmen, statt auf Trends zu setzen. Das rät Christine Bortenlänger vom Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt. Das heißt: "Suchen Sie sich nur Unternehmen, deren Geschäftsmodell Sie auch verstehen und schauen Sie sich dann an, wie die Firma dasteht."

Außerdem sollten Anleger immer nur so viel Geld an der Börse investieren, wie sie tatsächlich entbehren könnten. "Man muss mit Kursschwankungen schon leben können", sagt Kurz. Wer sein Geld brauche, wenn die Kurse im Keller sind, mache beim Verkauf zwangsläufig Verlust. Daher sollte auch der Anlagehorizont nicht zu kurz sein. "Fünf Jahre sollten es mindestens sein." Wichtig auch: nicht alles auf eine Karte zu setzen. "Acht bis zehn verschiedene Titel sollten mindestens im Depot liegen", sagt Bortenlänger.

Quelle: n-tv.de

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