Dienstag, 06. September 2011
Überstunden sammeln: Deutsche arbeiten wieder länger
Die letzte Wirtschaftskrise hatte einen angenehmen Nebeneffekt für viele Beschäftigte: Sie hatten mehr Freizeit. Durch Kurzarbeit und Überstundenabbau sackte die durchschnittliche Wochenarbeitszeit unter die 40-Stunden-Marke. Statt die Arbeitszeiten wieder zu verlängern, sollten Firmen jetzt lieber mehr Beschäftigte einstellen, fordern Arbeitsmarktexperten.
Insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie sind die Arbeitszeiten stark konjunkturabhängig.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
In Deutschland wird wieder so viel gearbeitet wie vor der Wirtschaftskrise. Im Frühjahr dieses Jahres lag die Arbeitszeit der Vollzeit-Beschäftigten bei 41 Stunden im Schnitt, so viel wie zuletzt im dritten Quartal 2008. Das zeigt eine Auswertung des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes, die das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen vorgenommen hat.
In der Krise waren die Wochenarbeitszeiten um mehr als eineinhalb Stunden zurückgegangen. Das lag vor allem an der Kurzarbeit und daran, dass Überstunden und Guthaben auf Arbeitszeitkonten abgebaut wurden. Besonders ausgeprägt sind die Schwankungen in der Metall- und Elektroindustrie. Dort gingen die Arbeitszeiten innerhalb weniger Monate um über drei Stunden zurück, doch bis zum ersten Quartal 2011 kletterten sie wieder auf das Vorkrisenniveau. "Diese Arbeitszeitverlängerung geht weit über den Effekt des Abbaus der Kurzarbeit hinaus", kommentiert Christine Franz vom IAQ ihre Datenanalyse.
Die Forscher sehen in der Entwicklung die Flexibilität der Arbeitszeiten in Deutschland bestätigt, warnen jedoch vor einer allzu optimistischen Sichtweise. Zwar sei es in der Krise vielfach als Wohltat empfunden worden, Arbeitszeit-Puffer abbauen zu können. Davor mussten die hohen Guthaben auf den Arbeitszeitkonten aber erst einmal aufgebaut werden. Das sei vor allem zwischen 2003 und 2006 geschehen - zu Lasten eines Wachstums der Stammbelegschaften. Arbeitszeit-Experte Steffen Lehndorff von der Universität Duisburg-Essen sieht den Trend zur längeren Wochenarbeitszeit deshalb skeptisch: "Die Rückkehr zu Arbeitszeitverlängerungen beeinträchtigt die Beschäftigungswirksamkeit des jetzigen, ohnehin prekären Aufschwungs."
ino
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