Ratgeber

Schließung von ImmobillienfondsDie Aasgeier lauern schon

12.11.2010, 15:36 Uhr
imageIsabell Noé

Viele "offene" Immobilienfonds sind seit Monaten geschlossen, drei machen nun für immer dicht. Wieviel die Anleger dabei verlieren, weiß man erst, wenn die letzte Immobilie verkauft ist. Jetzt werden Fondsbesitzer mit fragwürdigen Angeboten geködert.

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Bei leichtgläubigen Anlegern gibt's vielleicht was zu holen. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Bei den offenen Immobilienfonds trennt sich derzeit die Spreu vom Weizen. Mit dem "Degi Europa", dem "US-Grundinvest" und dem "P2 Value" machen drei populäre Fonds demnächst endgültig dicht. In der Branche hofft man darauf, dass mit dem Ausscheiden der Sorgenkinder auch das Vertrauen der Investoren zurückkehrt. Privatanleger, die an den betroffenen Fonds beteiligt sind, haben davon allerdings wenig. Sie stehen jetzt vor der Entscheidung: Abwarten bis zu Schluss? Oder besser flüchten?

Letzteres ist gar nicht so einfach. Bis zu zwei Jahre dürfen offene Immobilienfonds ihre Anleger aussperren, danach müssen sie die Gelder wieder freigeben. Beim Degi Europa wäre es eigentlich bald so weit gewesen. Um dem befürchteten Ausbluten des Fonds zuvorzukommen, entschloss sich Herausgeber Aberdeen zur Auflösung. Die Folge: Die Anleger kommen wieder nicht an ihr Geld. Jetzt werden die Immobilien nach und nach verkauft, die Gewinne sollen in halbjährlichen Abständen aufgeteilt und ausgezahlt werden. Wie viel die Inverstoren letztlich von ihren Einzahlungen wiedersehen, ist aber unklar.

Vom Regen in die Traufe

Die Aussichten sind also nicht allzu verlockend - und das machen sich jetzt die Aasgeier der Branche zunutze. Über den elektronischen Bundesanzeiger und in persönlichen Anschreiben erreicht Fondseigner des Degi Europa beispielsweise die Offerte einer "GE & F Capital UG". Die bietet Ausstiegswilligen großzügige "39 Euro je Fondsanteil". Das ist zwar weniger als der offizielle Rückkaufswert von 48,38 Euro, aber doch deutlich mehr, als derzeit an der Börse zu holen ist.

Die GE & F handelt allerdings nicht aus purer Menschenfreundlicheit: Die 39 Euro werden nicht in bar ausgezahlt, sondern in Form von Aktien. Für einen Fondsanteil gibt es zehn Aktien von der SPV AG & Co KGaA für je 3,90 Euro. Ob die Aktien das Geld tatsächlich wert sind, lässt sich schwer überprüfen, sie sind nämlich nicht börsennotiert. Das heißt auch, dass sie nicht ohne Weiteres verkauft werden können. Ihrem letzten Geschäftsbericht zufolge will die SPV AG mit dem Betreiben eines Edelmetall-Shops und der Verwaltung des eigenen, vorwiegend in Gold und Silber angelegten Vermögens, Gewinne erwirtschaften. In den vergangenen beiden Geschäftsjahren ist das allerdings nicht gelungen – das Unternehmen machte Verluste.

Letzter Ausweg Börse

Nach Beobachtungen der Verbraucherzentrale Nordhrein-Westfalen ist die Offerte kein Einzelfall. Immer wieder würden Immobilienfonds-Anleger mit solchen Angeboten dubioser Drei-Buchstaben-Unternehmen behelligt. Zwei Maschen haben die Verbraucherschützer beobachtet: Entweder bekommen Fondsanleger fragwürdige Umtauschangebote. Oder die Firmen bieten eine Barabfindung, die deutlich unter dem erzielbaren Börsenkurs liegt. Dabei nutzen sie die Unwissenheit mancher Fondsbesitzer, denn längst nicht jedem ist klar, dass Fondsanteile auch an der Börse gehandelt werden. An den Börsen Düsseldorf oder Stuttgart etwa wird der Degi Europa aktuell mit 33,60 Euro gehandelt. Ein Verlustgeschäft ist der Verkauf über die Börse also auch. Aber wenigstens kommt man nicht vom Regen in die Traufe.