Freitag, 25. September 2009
Lebensversicherung: Die höchsten Beschwerdequoten
Isabell Noé
Beschwerden über den Versicherer kann man bei der BaFin loswerden.
(Foto: Krümel, pxelio.de)
Die Kapitallebensversicherung steht bei Verbraucherschützern nicht hoch im Kurs. Die Hauptargumente der Lebensversicherungsgegner: Hohe Abschlusskosten drücken dauerhaft die Rendite, außerdem kann der Versicherte kaum nachvollziehen, welcher Teil seiner Beiträge tatsächlich angelegt wird. So richtig unzufrieden sind aber offenbar nur wenige Kunden: Im vergangenen Jahr gingen gut 4100 Beschwerden bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein. Angesichts von über 91 Millionen Versicherungsverträgen ist das eine verschwindend geringe Zahl, auch wenn viele Konflikte schon im Vorfeld, etwa durch den Versicherungsombudsmann, entschärft worden sein dürften.
Also alles in Ordnung? Das kommt wohl auf den Versicherer an. Da gibt es nämlich durchaus Unterschiede: Von 100.000 Debeka-Kunden war 2008 gerade mal einer (genaugenommen 0,8) so unzufrieden, dass er sich bei der BaFin beschwerte. Gut kamen auch kleine Anbieter wie Dialog und Deutsche Lebensversicherung weg. Öfter Ärger gab es dagegen unter anderem bei der HDI-Gerling und deren Tochter Aspecta. Die Standortschließungen im Zuge der Fusion des Lebensversicherungsgeschäfts von HDI und Gerling sorgten offenbar nicht nur bei Mitarbeitern sondern auch bei Kunden für Verdruss.
Frust über Rendite
Doch es ist nicht nur mangelnder Service, den Versicherte beklagen. Viele Beschwerden beziehen sich auf Wertverluste und magere Ablaufleistungen. Insbesondere die gern verkauften Fondspolicen enttäuschten die Kunden oft. So wundert es nicht, dass die Schlusslichter der Beschwerdestatistik auch nicht mit hohen Renditen glänzen konnten. In einer Renditeuntersuchung des Branchendiensts Map-Report über Lebensversicherungen mit 30 Jahren Laufzeit findet man eben jene Anbieter unter den letzten Zehn, die sich auch besonders oft mit BaFin-Beschwerden befassen müssen: HDI-Gerling, Victoria und Zurich Deutscher Herold.
Einen Versicherer allein anhand der Beschwerden eines Jahres zu beurteilen, hat allerdings wenig Sinn. Deshalb stellte der Map-Report auch eine Langfrist-Betrachtung an. Dafür wurden die Beschwerdequoten - also die Beschwerden pro 100.000 Versicherte – über einen Zeitraum von zwölf Jahren untersucht. Ergebnis: Von den großen Unternehmen konnten sich auf längere Sicht nur die R+V und die Debeka in der Spitzengruppe halten. Bei der kleinen Süddeutschen Lebensversicherung kamen auf 100.000 Kunden nur 0,25 Beschwerden. Am anderen Ende der Skala finden sich unter anderem Nürnberger und Zurich.
Übrigens: Etwa jede dritte Beschwerde bei der BaFin war erfolgreich.
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